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Krebsfälle am Endlager Behörden halten Asse für ungefährlich

Eine neue Studie zeigt: Rund um die Asse erkranken überdurchschnittliche viele Menschen an Krebs. Doch das Umweltministerium erklärt, es gebe keine Gesundheitsgefährdung. Das Landesgesundheitsamt meldet: „Kein akuter Handlungsbedarf“.

26.11.2010 16:01
Peter Mlodoch
Anwohner fordern auf die Asse besser auzupassen. Foto: dpa

Die Behörden versuchten erst einmal zu beruhigen. Trotz der massiven Häufung von Leukämie und Schilddrüsenkrebs rund um das marode Atommüll-Endlager Asse bestehe kein Grund zur Panik, meinte die Bürgermeisterin der Samtgemeinde Asse, Regina Bollmeier (SPD), am Freitag.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das niedersächsische Umweltministerium erklärten unter Bezug auf Messungen über und unter Tage, dass von dem ehemaligen Salzbergwerk derzeit keine Gesundheitsgefährdung ausgehe – weder für die Beschäftigten noch für die Bevölkerung. „Kein akuter Handlungsbedarf“, meldete auch das Landesgesundheitsamt.

Nach einer am Vortag bekanntgewordenen Erhebung des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) erkrankten in der Samtgemeinde Asse im Landkreis Wolfenbüttel zwischen 2002 und 2009 mehr als doppelt so viele Menschen an Leukämie und dreimal so viele Frauen an Schilddrüsenkrebs wie statistisch zu erwarten gewesen wäre.

„Die Ursache dafür kennen wir bisher noch nicht“, erklärte die Strahlenmedizinerin Elke Bruns-Philipps vom Landesgesundheitsamt. Dass das Atommüll-Endlager die vielen Krebserkrankungen ausgelöst habe, wolle sie allerdings nicht ausschließen. So könne die hohe Rate von betroffenen Männern mit einer beruflichen Tätigkeit in der Schachtanlage zu tun haben. Unter Tage gammeln 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen vor sich hin. „Radioaktive Strahlen gehören zu den Risikofaktoren für Leukämie und Schilddrüsenkrebs“, sagte die Ärztin.

Das Gesundheitsamt will jetzt die einzelnen Krankheitsfälle analysieren. Dazu müssen die anonymisierten Daten mit Hilfe der Ärzte der jeweiligen Patienten entschlüsselt werden. Bürgermeisterin Bollmeier appellierte an die Betroffenen, die Unterlagen freizugeben. Es werde mehrere Monate dauern, bis verwertbare Ergebnisse vorlägen, sagte Bruns-Philipps.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sicherte seine volle Unterstützung zu. „Die Landesregierung wird alles dazu beitragen, dass die Ursachen und Zusammenhänge unter größtmöglicher Transparenz untersucht werden“, erklärte ein Regierungssprecher. McAllister werde nun erst recht beim Bund auf eine zügige Sanierung des einsturzgefährdeten ehemaligen Salzbergwerks im Landkreis Wolfenbüttel dringen.

SPD, Grüne und Linke forderten eine schonungslose Aufklärung. „Nachdem die früher Verantwortlichen für die Asse über Jahrzehnte die Öffentlichkeit hinters Licht geführt haben, darf es jetzt keine weiteren Beschwichtigungen geben“, meinte der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne).

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