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Krankenhausreport 2010 Volkskrankheit: Psychische Leiden

Depressionen, Schizophrenie und Alkoholprobleme treiben Patienten in die Kliniken. Die Behandlungen über 50 Prozent zugenommen.

Blick aus der Caféteria einer psychiatrischen Klinik: durchschnittlich 20 bis 26 Tage werden Patienten hier behandelt. Foto: ddp

Die Deutschen leiden immer stärker unter psychischen Erkrankungen. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Behandlungstage in den Kliniken wegen derartiger Störungen um mehr als 50 Prozent zugenommen. Das geht aus dem Krankenhausreport 2010 hervor, den die Barmer GEK als größte deutschen Krankenkasse gestern vorgelegt hat. Depressionen oder Schizophrenie und nicht mehr Erkrankungen des Kreislaufsystems sind mittlerweile bei Frauen und Männern der Hauptgrund für eine Behandlung im Krankenhaus. Inzwischen entfallen 17 Prozent aller Behandlungstage auf psychische Erkrankungen. 1990 betrug der Anteil erst acht Prozent.

Die Autoren des Reports führen den Anstieg unter anderem auf die instabilen wirtschaftliche Verhältnisse vieler Menschen und zunehmende familiäre Probleme zurück. Als bedenklich wertete Friedrich Wilhelm Schwartz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule in Hannover, dass ein Viertel der Leiden durch Alkoholprobleme ausgelöst wird. Der frühere Gesundheits-Sachverständige der Bundesregierung forderte die Politik auf, mehr für die Vorbeugung zu tun.

Dass psychische Leiden so schnell an die Spitze der Statistik geklettert sind, hat nicht nur mit der höheren Zahl der Fälle zu tun. Die Behandlung ist auch aufwändiger. Frauen bleiben im Durchschnitt 26 Tage in der Klinik, Männer 20 Tage. Bei anderen körperlichen Erkrankungen dauert eine stationäre Behandlung zwischen fünf und zehn Tagen. Im Durchschnitt aller Behandlungen betrug sie im vorigen Jahr 8,5 Tage. Dieser Wert ist im Vergleich zu den Vorjahren weiter gesunken, während die Häufigkeit der Klinikaufenthalte gleichzeitig zunahm. Unterm Strich sind damit die Versicherten länger im Krankenhaus gewesen als noch 2008.

Starker Anstieg von Hüft- und Knieoperationen

Für die repräsentative Untersuchung wurden die Daten der 8,5 Millionen Barmer-GEK-Versicherten ausgewertet. Überraschend ist auch der starke Anstieg von Hüft- und Knieoperationen. So wurden 2009 18 Prozent mehr künstliche Hüften eingesetzt als noch 2003. Bei Kniegelenken betrug der Zuwachs sogar 52 Prozent. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 210.000 Hüft- und 175.000 Knieprothesen eingesetzt. Das kostete rund 3,5 Milliarden Euro.

Der starke Anstieg hat allerdings nur zum Teil mit der Alterung der Bevölkerung zu tun. Wird die längere Lebenserwartung herausgerechnet, dann betragen die Zuwachsraten neun beziehungsweise 43 Prozent. „Bei diesen Zahlen kann einem Kassenvertreter Angst und Bange werden“, sagte Barmer-GEK-Vize Rolf-Ulrich Schlenker. Es gebe eine „Tendenz zur Überversorgung“ bei diesen Eingriffen. „Über 65-jährige ohne künstliche Knie- und Hüftgelenke könnten in Zukunft die Minderheit ihrer Altersgruppe repräsentieren“, sagte Schlenker.

Über die Ursachen dieser Entwicklung gibt es nur Vermutungen. Schwartz sah einen Grund in der zunehmenden Fettleibigkeit der Bevölkerung. Schlenker vertrat dagegen die These, das stärkere Angebot der Kliniken für Hüft- und Knieoperationen schaffe auch mehr Nachfrage.

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