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Krank am Arbeitsplatz Wenn die Psyche krankt

Seelische Probleme setzen auch Arbeitnehmern verstärkt zu - und längst nicht alle Unternehmen unterstützen Betroffene.

Krank am Arbeitsplatz
Die meisten Beschäftigten gehen trotz privater Probleme weiter zur Arbeit. Foto: Imago

Immer mehr Menschen melden sich bei der Arbeit wegen psychischer Probleme krank. Das geht aus einem Bericht des AOK-Bundesverbandes hervor. Mit der Zahl der psychisch Erkrankten steige auch die Ausfallzeit pro Arbeitnehmer. „Kritische Lebensereignisse haben eine Relevanz für Unternehmen: Sie widerfahren den Mitarbeitern vergleichsweise häufig und der Einfluss auf ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist groß“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Für seinen „Fehlzeiten-Report 2017“ befragte das Institut 2000 Beschäftigte zwischen 16 und 65 Jahren. Die Ergebnisse zeigen: 2016 betrugen die Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen im Schnitt 25,7 Tage. Sie lagen damit an der Spitze aller Erkrankungen und waren mehr als doppelt so lang wie der Durchschnitt aus allen Erkrankungen mit 11,7 Tagen. Somit stieg in den vergangenen zehn Jahren sowohl die Zahl der psychisch Erkrankten insgesamt, als auch die Ausfallzeit je Patient. Weiterhin geht aus dem Bericht hervor, dass 58,7 Prozent der Beschäftigten von körperlichen und 79 Prozent von psychischen Problemen durch Lebenskrisen belastet sind.

Infolgedessen fühlten sich mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer (53,4 Prozent) in der eigenen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Knapp die Hälfte (48,8 Prozent) gab an, trotz privater Probleme wie Scheidungen oder Todesfälle zur Arbeit gegangen zu sein. „Das ist der sogenannte Präsentismus“, sagt Schröder und sieht die Führungskräfte in der Pflicht. „An dieser Stelle muss klar gemacht werden, dass man Verständnis für solche Fälle hat.“ Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Chefinnen und Chefs bei Krisen eine wichtige Rolle einnehmen. Wer sein Führungspersonal positiv bewertet, findet leichter Zugang zu Hilfsangeboten im Betrieb.

Die Deutsche Bahn hat sich diesem Thema schon Mitte der 90er angenommen. Damals wurde ein Mitarbeiter-Betreuungsprogramm eingerichtet, um in traumatischen Situationen zu helfen. „Gerade Lokführer sehen sich großen Belastungen ausgesetzt, wenn sich jemand vor den Zug wirft“, erklärt Christian Gravert, Leiter des Gesundheitsmanagements bei der Deutschen Bahn.

Zahlen belegen, dass sich etwa 700 Menschen pro Jahr vor einen einfahrenden Zug werfen. Für die Fahrer ist das ein fürchterliches Ereignis. Sie werden deswegen schon während der Ausbildung mit diesem Thema konfrontiert. Hinzu kommt ein systematisches Betreuungskonzept aus geschulten Kollegen, Ärzten und Psychologen. „Wir arbeiten präventiv“, erzählt Gravert. „Mit Videosequenzen und Gesprächen werden solche Situationen gedanklich intensiv durchgespielt. Das Seminar ist Pflicht in der Berufsausbildung.“ Außerdem bietet die Deutsche Bahn auch die Möglichkeit, in einen anderen Bereich zu wechseln, eine längere Auszeit zu nehmen oder sich Hilfe bei einer Nachbetreuung zu holen.

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