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Krach zum Erntedankfest Bauern sollten Pastoren denunzieren

Zum Erntedankfest üben Pfarrer in niedersächsischen Dorfkirchen Kritik an der industriellen Landwirtschaft. Der Bauernverband in Niedersachsen fordert seine Mitglieder daraufhin dazu auf, harsche Kritik an den Verband zu melden.

Erntedankfest: festlich geschmückter Altar. Foto: dpa

Mancher Gottesdienst zum Erntedank muss in diesem Jahr das Dachgestühl niedersächsischer Dorfkirchen erschüttert haben. Jedenfalls knirscht es mächtig im Gebälk, seit der Bauernverband in Niedersachsen seine Mitglieder aufgefordert hat, „unsachliche“, „harsche“ und „massive Kritik“, die in diesen Gottesdiensten an den Produktionsmethoden der industriellen Landwirtschaft geübt wurde, an den Verband zu melden. Anlass waren offenbar Predigten, in denen Pfarrer oder Pfarrerinnen sich und ihren Gemeinden die Frage stellten, „wofür man am Erntedank überhaupt noch danken solle - angesichts der fragwürdigen und minderwertigen Produkte, welche die industrielle Landwirtschaft hervorbringe“.

Niedersachsens Landvolk reagierte empört: „Wenn es in Ihrem Umfeld seitens der Kirchen ebenfalls ungerechtfertigte und überzogene Kritik gegeben hat, bitten wir darum, uns dies mitzuteilen“, heißt es in einem Fax des Bauernverbandes an seine Mitglieder vom 6. November. Man habe feststellen wollen, erklärte die Sprecherin des Verbandes, Gabriele von der Brelie, ob es sich um Einzelfälle gehandelt habe oder um die „pauschale Verunglimpfung“ eines ganzes Berufsstandes. In einem Gespräch zu Jahresbeginn 2013 wollte man die Ergebnisse dann bei einem Treffen des Landvolk-Präsidiums mit dem evangelischen Landesbischof Rolf Meister in Hannover zur Sprache bringen.

Denunziation von Pastoren

Gabriele von der Brelie hält die schriftliche Aufforderung ihres Verbandes für eine „legitime Nachfrage“. Inzwischen dürfte der Landvolkverband aber wohl bereuen, sie an seine Mitglieder verschickt zu haben. In der Folge nämlich verbreitete der kleinere Konkurrenzverband des Landvolks, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), „den Aufruf zur Denunziation von Pastoren“ per Pressemitteilung. Seither laufen beständig E-mails und Telefonate beim Landvolk ein, allerdings keine, die sich über unbotmäßige Predigten beschweren, sondern solche, die das Demokratieverständnis des Verbandes beklagen.

Das tat am Montag auch der landwirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Christian Meyer. „Der Aufruf des Landvolkverbandes zur Denunziation ist ein unerhörter Vorgang“, erklärte Meyer. „Der Verband muss diesen Versuch der Einschüchterung von Kirchenvertretern sofort beenden und sich bei den Betroffenen entschuldigen.“ Meyer verwies zudem darauf, dass der Bauernverband in einem ähnlichen Aufruf bereits um die Meldung „problematischer Darstellungen der Landwirtschaft in Schulbüchern“ gebeten hat – zur Weiterleitung an das Kultusministerium in Hannover.

Die Evangelische Landeskirche in Hannover reagierte mit Milde. „Besser wäre es wohl gewesen, das nicht zu tun“, kommentierte Pastor Karl-Heinz Friebe den Aufruf des Landvolks. Der Referent für Kirche und Landwirtschaft sieht den Vorgang indes auch aus der seelsorgerischen Perspektive. Vielerorts fühlten sich die Bauern offenbar unverstanden. Die Kirche sei aber keine Interessenvertretung, sagt Friebe. „Wir haben kritische Dialoge zu führen, das ist unsere Aufgabe. Unsere Pastoren sind als ordinierte Geistliche frei, nach bestem Wissen und Gewissen zu urteilen.“ Allerdings führe die Kirche in den vergangenen drei Jahren einen „guten und intensiven Dialog“ mit den Bauernverbänden. Den wollen man fortsetzen, beteuerte Friebe.

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