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Korruption Kein Bugatti für Afrika

Die Herrscherfamilie in Äquatorialguinea steckt sich einen Großteil der Öl-Einnahmen des Landes in die eigene Tasche. Jetzt muss Herrschersohn Obiang Mangue sich von einigen Millionen trennen. Der Besitz in den USA wird eingezogen.

Äquatorialguineas Präsident Teodoro Obiang Nguema. Foto: dapd

Teodoro Nguema Obiang Mangue, 40-jähriger Herrschersohn im zentralafrikanischen Ölstaat Äquatorialguinea und Präsident der Afrikanischen Union, muss sich von einigen seiner gestohlenen Millionen trennen. Die US-Justizbehörde will ein Privatflugzeug, eine Villa in Malibu, einen Sportwagen sowie mehrere Erinnerungsstücke an Popstar Michael Jackson beschlagnahmen insgesamt im Wert von rund 70 Millionen Dollar. „Damit senden wir eine laute und klare Botschaft“, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Lanny Breuer: „Die USA sind kein Versteck für unrechtmäßig erworbene Reichtümer der korrupten Führer dieser Erde.“

Aber warum erst jetzt? Schon seit Mitte der 90er ist bekannt, dass sich die Familie des Präsidenten Teodoro Nguema Obiang Mbasogo einen Großteil der Öl-Einnahmen des Landes in die eigenen Taschen steckt. Schon 2004 fand der US-Senat heraus, dass die Obiangs alleine bei der Washingtoner Riggs-Bank 700 Millionen Dollar deponiert hatten … während zwei Drittel der 680.000 Äquatorialguineer unter der Armutsgrenze leben; jedes fünfte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag. Aber während der Bush-Administration durfte Obiangs Erstgeborener – im Volksmund zur besseren Unterscheidung Teodorin genannt – durfte jahrelang unbehelligt seinem Jetset-Leben in den USA nachgehen.

Schon sein (abgebrochenes) Studium in Kalifornien wurde von einer US-Ölfirma finanziert: Statt im Wohnheim lebte er im Luxushotel. Später fing er mit dem Sammeln edler Karossen an: Heute hat er zumindest sieben Ferrari, fünf Bentley, vier Rolls Royce, zwei Lamborghini, zwei Porsche, zwei Maybach und einen Bugatti Veyron. Dazu kommen zwei Häuser in Kapstadt, ein Apartment in Paris sowie die Malibu-Villa. Jüngst habe er noch eine Jacht mit integriertem Haifischbecken für 380 Millionen Dollar bestellt, heißt es.

Als Forst- und Landwirtschaftsminister verdient Teodorin offiziell 6800 Dollar im Monat. Doch seine Unverfrorenheit beim Einstreichen von Bestechungsgeld für Abholzungsrechte sei „überwältigend“, sagen Unternehmer. Kritik wagt aber keiner: Oppositionelle werden hingerichtet oder ins berüchtigte „Black Beach“-Gefängnis geworfen, wo laut UN gefoltert wird.

Nun wird es für diese Karikatur eines typischen afrikanischen Despoten- und Kleptokratenclans zumindest im Ausland ungemütlicher. Im September beschlagnahmte die Pariser Staatsanwaltschaft elf von Teodorins Luxuskarossen, und auch in Spanien wird gegen die Obiangs ermittelt. Den Michael-Jackson-Fan muss das aber nicht stören, er wird bald eh mehr Zeit zu Hause verbringen. Denn dort wird gerade die Verfassung geändert, um den designierten Vizepräsidenten Teodorin zum automatischen Nachfolger von Teodoro zu machen.

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