Lade Inhalte...

Korruption in Indien 30 Milliarden verschenkt

Es ist der größte Korruptionsskandal in der Geschichte Indiens. Der Minister für Telekommunikation hat Mobilfunklizenzen verschleudert - und sich dabei vermutlich auch selbst bereichert. Die Opposition ist empört.

Andimuthu Raja hat Mobilfunklizenzen verschleudert. Foto: dapd

Schon die Zahl ist unglaublich: Es geht um 22 bis 30 Milliarden Euro. Das ist die Summe, um die Indiens Minister für Telekommunikation, Andimuthu Raja, Staat und Volk betrogen haben soll – vermutlich auch um sich selbst zu bereichern. Damit hat Raja selbst im affärengeplagten Gandhi-Land alle Korruptions-Rekorde haushoch gebrochen. Nun zieht der Mega-Betrug immer weitere Kreise: Selbst Regierungschef Manmohan Singh gerät ins Kreuzfeuer der Kritik – und muss um seinen bisher tadellosen Ruf fürchten.

Raja selbst trat zwar inzwischen zurück, oder richtiger: wurde zurückgetreten. Doch der wohl größte Korruptionsskandal in der 63-jährigen Geschichte Indiens hat eine Debatte über die Politmoral entfacht. Auch der unbescholtene Ökonom Singh muss sich peinliche Fragen gefallen lassen. In einem beispiellosen Schritt will nun das Oberste Gericht von Singh persönlich wissen, warum er dem Treiben Rajas zusah und eine Anfrage der Opposition 16 Monate lang nicht beantwortete.

Der Betrug selbst reicht fast drei Jahre zurück. Damals schrieb Raja einige Mobilfunk-Lizenzen, 2G genannt, aus. Eigentlich hätten diese versteigert werden müssen. Doch Raja änderte die Bedingungen so, dass neun Firmen die hochbegehrten Lizenzen zu viel zu niedrigen Preisen erstehen konnten. So lautet zumindest der Vorwurf der Kontrolleure. Singh rügte Raja damals und verlangte Änderungen, Raja zeigte sich aber völlig unbeeindruckt.

Als Folge wurden die Lizenzen zu Ramschpreisen verschleudert. Ob die Firmen dafür Schmiergelder zahlten, ist nicht belegt. Aber man kann vermuten, dass sie Raja ungemein dankbar waren. Der indische Staat habe so 22 bis 30 Milliarden Euro verloren, schätzen Kontrolleure. Das Geld hätte ausgereicht, um alle hungernden Inder ein Jahrzehnt zu ernähren, schreibt der Wirtschaftskolumnist Prashant Agrawal. Seit Tagen blockiert die Opposition das Parlament und verlangt einen Untersuchungsausschuss.

Singh selbst gilt als der ehrlichste Politiker Indiens. Dennoch kreiden viele seiner Regierung an, dass sie die ausufernden Korruption nicht stoppte. Die Gründe liegen nahe. Die Kongresspartei ist auf ein Sammelsurium von Partnern angewiesen. Raja gehört der Partei DMK an, die in Tamil Nadu stark ist und ein Schlüsselpartner der Regierung ist.

Jetzt gibt es Hoffnung, dass die seit 2004 regierende Kongresspartei nun aufräumt. Auch die Organisatoren der Commonwealth Games (CWG) sollen Millionen in die eigenen Taschen geschleust zu haben. Hohe Funktionäre mussten gehen. Auch der Regierungschef von Maharashtra, Ashok Chavan, wurde jüngst entlassen. Er soll in einen Baubetrug verwickelt sein, bei dem Wohnungen, die für bitterarme Kriegerwitwen gedacht waren, zu Tiefstpreisen an Politiker und Armee-Offiziere verscherbelt wurden.

Hinter der neuen Ehrlichkeit dürften auch wahltaktische Erwägungen stehen. Ob Singh bei den Aufräumarbeiten seinen guten Ruf lädiert oder stärkt, muss man sehen. Zumindest Rahul Gandhi, Kronprinz der Kongresspartei, stellte sich hinter Singh.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen