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Korea-Gipfel Friedensgrüße aus Pjöngjang

Beim koreanischen Gipfel übertreffen die Zusagen die Erwartungen. Kim Jong-un nimmt die Einladung nach Seoul an.

Korea
Auch das Volk grüßt mit. Foto: afp

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat zugestimmt, seine Anlagen zur Produktion von Atomwaffen stillzulegen. „Dazu müssen die USA allerdings äquivalente Maßnahmen ergreifen“, sagte Südkoreas Präsident Moon Jae-in am Mittwoch nach einem Gespräch mit Kim in Pjöngjang. Kim habe sowohl eine nachprüfbare Aufgabe des Raketentestgeländes Tongchang-ri als auch den Abbau des Kernreaktors Yongbyon in Aussicht gestellt. „Wir sind übereingekommen, der koreanischen Halbinsel die Kriegsangst zu nehmen“, sagte Moon.

Die Vereinbarungen auf dem dritten innerkoreanischen Gipfel übertrafen bisherige Friedensangebote noch einmal erheblich. Das gesamte Treffen verlief in freundlicher Atmosphäre und produzierte eine ganze Reihe von positiven Impulsen. Moon lud Kim sogar nach Seoul ein. Dieser nahm die Einladung an, so dass in den kommenden Monaten der erste Besuch eines nordkoreanischen Führers in der südkoreanischen Hauptstadt ansteht.

Kim setzt den Annäherungskurs fort

Der nordkoreanische Machthaber bot Moon im Gegenzug einen gemeinsamen Ausflug zum Paektu-Gebirge am Donnerstag an. Auch dieses Reiseziel steckt voller Symbolik: Die Koreaner sehen den Vulkan als ihren heiligen Berg. Die beiden Staatsführer unterschrieben auch Wirtschaftsvereinbarungen. Beide Länder wollen ihre Eisenbahnnetze wieder verbinden und den gemeinsamen Industriepark Kaesong wiedereröffnen. Der Industriepark ist seit einem Streit der beiden Länder um Waffentests vor zwei Jahren geschlossen.

Diese Vereinbarung ist allerdings noch vorläufig: Sie nimmt eine Aufhebung von Sanktionen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorweg, die einen Handelsstopp mit dem Norden vorsehen. Auf menschlicher Ebene gab es ebenfalls gute Nachrichten für die Koreaner: Die Familienzusammenführungen sollen zu einer permanenten Institution werden. Geschwister, die sich nach der Teilung des Landes in den Fünfzigerjahren auf verschiedenen Seiten der Grenze wiedergefunden haben, konnten sich bisher nur auf Antrag und zu seltenen Gelegenheiten für je 20 Minuten sehen – ein Arrangement, das fast mehr Stress als Freude erzeugt hat.

Künftig soll es dafür feste Räumlichkeiten und zusätzlich die Möglichkeit für Videogespräche geben, vereinbarten Kim und Moon. Mit der Freundlichkeitsoffensive setzt Kim seinen Kurs der Annäherung fort. Höhepunkt war bisher ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Juni in Singapur, das mit einer vagen, aber optimistisch stimmenden Friedenserklärung geendet hat. Die Begegnung markierte eine politische Trendwende, denn in den vergangenen Jahren hatte Nordkoreas aggressive Aufrüstung international für Unruhe gesorgt. Kim hatte sowohl Atombomben entwickeln lassen als auch die nötigen Raketen, um diese auf andere Länder abzufeuern. Inzwischen ist sogar die Rede von einer möglichen Wiedervereinigung.

Experten raten jedoch vorerst zur Skepsis gegenüber allzu ehrgeizigen Plänen. Eine weitreichende Zusammenarbeit von Nord- und Südkorea wäre bereits ein großer Erfolg, sagt Narushige Michishita vom Graduate Institute for Policy Studies (Grips) in Tokio. „Wenn die Sanktionen aufgehoben werden, kann die Industrie des Südens die Bodenschätze und die preiswerten Arbeitskräfte des Nordens nutzen“, sagt der Experte für nordostasiatische Sicherheitspolitik.

Umgekehrt könne der Norden von südkoreanischem Kapital und Technik-Wissen profitieren. Analysten halten eine Wiedervereinigung auch im Fall einer atomaren Abrüstung allenfalls für ein Fernziel. Umfragen in Südkorea zeigen, dass die Bürger dort kein Interesse daran haben, die Rechnung für Jahrzehnte der Misswirtschaft der Kommunisten zu zahlen. Nach dem zweiten Treffen mit Kim waren auch die Beliebtheitswerte für Moon gefallen. Viele Südkoreaner halten seine Freundschaftsgesten für voreilig.

Nord- und Südkorea befinden sich seit 1950 offiziell im Krieg. Die Kampfhandlungen sind seit einem Waffenstillstandsabkommen 1953 nur ausgesetzt. Während Nordkorea in der Folgezeit die Unterstützung der Sowjetunion erhielt, garantierten die USA die Sicherheit des kapitalistischen Südens. Ab 1990 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage Nordkoreas rapide, während Südkorea einen nie dagewesenen Aufschwung erlebte. Dem Norden fehlten die Handelspartner des Ostblocks, während Südkorea nach einer politischen Liberalisierung zum weltweiten Technikführer aufstieg. Es wurde von einem Schwellenland zu einem voll entwickelten Industrieland, während die Menschen im Norden immer wieder Hunger litten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nordkorea

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