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Kongo Die Gräueltaten der Kindersoldaten

Vor einem Jahr sind Unruhen mit zahlreichen Gräueln in der Region Kasai im Kongo ausgebrochen. Zu den Tätern gehören nach UN-Angaben auch Kindersoldaten - mit unvorstellbaren Riten.

04.08.2017 13:19
Kongo
Auf dem Fluss Kasai fahren wegen der steigenden Unsicherheit kaum noch Boote. Foto: afp

Im Kongo werden nach Darstellung der Vereinten Nationen Gräueltaten auch von Kindersoldaten begangen. Auf Seiten der Rebellengruppe Kamuina Nsapu kämpften Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis 13 Jahren, heißt es in einem am Freitag in Genf veröffentlichten Bericht des Büros des UN-Menschenrechtskommissars.

„Zeugen berichteten, dass die Mädchen das Blut der Opfer trinken als Teil eines magischen Rituals, das die Gruppe unbesiegbar machen soll.“ Der Aberglaube in der Bevölkerung trage offenbar dazu bei, dass eine nur schwach ausgerüstete Miliz mehr als ein Jahr lang der Offensive der Armee habe widerstehen können, heißt es in dem Bericht.

Es sei davon auszugehen, dass die Gewalt und die Misshandlungen gegen internationales Recht verstießen. Immer öfter hätten die Übergriffe den Charakter einer „ethnischen Säuberung“, warnten die UN.    

UN gibt Regierung Mitschuld

Die Regierung trägt nach UN-Angaben Mitschuld an der Situation. So würden sich auch Polizisten an Überfällen auf Dörfer beteiligen. Es bestehe die Sorge, dass die Regierung die Unruhen zum Vorwand nehme, Wahlen zu verzögern, so ein UN-Sprecher.    

Die Gewalt in der Region Kasai der Demokratischen Republik Kongo war im August 2016 ausgebrochen, nachdem Sicherheitskräfte den Anführer der Rebellengruppe getötet hatten. Rund 1,3 Millionen Menschen sind in dem Land auf der Flucht. Infolge des Konflikts sind nach Angaben der katholischen Kirche rund 3400 Menschen getötet worden.

Überlebende Opfer, die ins Nachbarland Angola flüchten konnten, schilderten den UN-Experten viele Grausamkeiten wie das Abhacken von Gliedmaßen. Im Hospital eines Dorfs wurden demnach 90 Menschen durch Brandstiftung getötet. Auch Satellitenbilder bestätigten, dass teils ganze Dörfer abgebrannt würden, hieß es.

Experten-Team soll Massenmorde untersuchen

„Die Schilderungen sind eine ernste Warnung an die Regierung, alles dafür zu tun, dass die Gewalt nicht zu einer ethnischen Säuberung wird“, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein. Menschen jeder Ethnie müssten umgehend geschützt werden.

Angesichts der Massenmorde soll im September ein Experten-Team der UN zur Untersuchung der Gräueltaten vor Ort seine Arbeit aufnehmen. Der Kongo zählt trotz seines Reichtums an Rohstoffen wie Diamanten, Gold und Kupfer zu den ärmsten Ländern der Welt. (dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Kongo
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