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Kommunikation mit der AfD „Viele Hindernisse beruhen auf Angst“

Unter den Anhängern der AfD finden sich viele Verschwörungstheoretiker und auch Fundamentaloppositionelle. Drei Experten erklären, wie man selbst mit fanatisch-verbohrten Anhängern der AfD ins Gespräch kommen kann.

Wie erreicht man die Unerreichbaren? Drei Experten versuchen, Antworten zu geben. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Die etablierten Parteien auf der einen Seite, die AfD auf der anderen Seite: Das Verhältnis ist schwierig. Doch nicht nur zwischen „Altpolitikern“ und „Systemgegnern“ ist jeder Umgang schwer. Auch unter den Anhängern der AfD gibt es viele Verschwörungstheoretiker und Fundamental-Oppositionelle, mit denen Gespräche daran scheitern, dass sie schon die Faktengrundlage nicht akzeptieren. Klimawandel? Erfunden. Statistiken? Gefälscht. Andere Meinungen? Erkaufte Lügen. Wie erreicht man die Unerreichbaren trotzdem? Drei Experten geben Tipps:

Der Mediator: Persönlichen Respekt signalisieren

Laut Stefan Kracht, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mediation, müssen sich beide Seiten zunächst klar werden, ob sie überhaupt wirklich miteinander auskommen möchten. Wer etwa die AfD-Anhänger als unbelehrbare Extremisten einschätze, finde nie zum Dialog.

Für Gespräche gelte: „Sie können in der Sache durchaus hart sein, wenn man dies mit persönlichem Respekt verbindet.“ Das sei aber schwer, wenn in der Verhandlung versteckte Strategien verfolgt würden. Der Einzelne könne aus einer konfrontativen Verhandlungsführung Vorteile ziehen, aber nur dann, wenn die Situation einmalig sei. Ein Teppichhändler, der einem Touristen ein überteuertes Angebot andreht, sehe diesen ja nie wieder.

Dauerhafte Konfrontation funktioniere in der Politik schlecht. Wenn die AfD sich nicht nur kurzfristig profilieren, sondern im Parlament konstruktive Opposition sein wolle, „muss sie sich auch fair und berechenbar verhalten“. Für die anderen Parteien sei die Frage, ob eine Ausgrenzung der AfD Probleme nicht eher verschärfe. „Wer sich nicht respektiert fühlt, neigt noch stärker zur Radikalisierung.“

Der Medienpsychologe: Nicht auf Konfrontationskurs

Um mit jemandem eine Gesprächsgrundlage zu schaffen, der eine komplett andere Sicht auf die Dinge hat, müsse man erst einmal das richtige Medium wählen, rät Medienpsychologe Frank Schwab von der Uni Würzburg.

„Am besten man redet von Angesicht zu Angesicht miteinander. Denn wo viel Klärungsbedarf besteht, ist das Risiko hoch, sich misszuverstehen.“ Im direkten Gespräch könnten mehr Informationen gesendet werden als schriftlich. Enden Debatten zwischen AfD-Anhängern und -Kritikern in Internetforen meist in Beschimpfungen, kann das im persönlichen Umgang ganz anders laufen. Wenn man will.

Wolle man das Gegenüber mit seinen Argumenten aber nicht nur überschütten, sondern erreichen, müsse man ihm schon nonverbal entgegenkommen: Ortswahl, Termin, etwas zu trinken oder essen anbieten, Stühle, die nicht konfrontativ gegenüberstehen, Kleidung, die Respekt bezeugt. „Im Gespräch sollte man nach Gemeinsamkeiten suchen, um konflikthafte Gruppenzugehörigkeiten aufzulösen“, so Schwab. „Wir sind doch beide Väter, oder ähnliches.“

Der Wirtschaftsberater: An die Vernunft appellieren

Selbst in der Wirtschaft ist es nicht selten, dass ein Verhandlungspartner gar nicht erst mit dem anderen reden wolle, sagt der Münchner Verhandlungsexperte Kishor Sridhar, selbstständiger Unternehmensberater und Autor des Bestsellers „Wie Sie andere dazu bringen, das zu tun, was Sie wollen“.

Viele Hindernisse beruhten aber auf emotionalen Gründen, sogar auf Angst. „Das muss man ernst nehmen, aber auch an die Vernunft appellieren.“ Politische Parteien könnten also betonen, man müsse schon zum Wohl des Volkes zu Kompromissen fähig sein.

Er selbst setze in solchen Fällen die Erwartungshaltung niedrig an, sodass es schon als Erfolg gewertet wird, wenn die Kontrahenten sich zumindest zusammensetzen, um die Vernunft zu wahren. Hilfreich sind zudem oft der Druck und die Erwartungshaltung von außen. Sridhar zeigt beiden Seiten gern, welche Vorteile ein Gespräch für sie hätte. Der AfD könnte man etwa nahelegen, dass sie nur relevant sein kann, „wenn sie gesprächs- und kompromissbereit ist, und ihr ansonsten das Schicksal aller Protestparteien droht“.

Hoffnungslose Fälle gebe es immer wieder. In der Wirtschaft treten sie oft in patriarchalisch geführten Unternehmen auf. „Das sind oft Vater-Sohn-Geschichten, da knallen die Egos aufeinander“, sagt Sridhar. Es komme auch vor, dass Gespräche abgebrochen werden, sei es aus Taktik oder weil sie wirklich festgefahren sind. Letzteres sei dann ein Fall für Juristen.

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