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Kolumbien Schwedische Raketenwerfer für die Farc

Panzerabwehr-Waffen sind offenbar über Venezuela bei den kolumbianischen Rebellen gelandet. Die Raketenwerfer des Rüstungskonzerns Saab Bofors sind Beutestücke. Von Wolfgang Kunath

Panzerabwehr-Handwaffen, die Schweden an Venezuela verkauft hat, sind im kolumbianischen Busch aufgetaucht in Waffenlagern der Guerrilla-Gruppe Farc. Die britische Militär-Publikation Jane´s Defence Weekly enthüllte, dass kolumbianische Militärs bereits 2008 die Raketenwerfer des schwedischen Rüstungskonzerns Saab Bofors Dynamics erbeutet hatten, als sie Guerilla-Stellungen einnahmen.

Anhand der Seriennummer war bald klar, dass die Waffen zu einer Lieferung gehörten, die Schweden vor Jahren an Venezuela geliefert hatte. Schweden verlangt nun eine Erklärung von Caracas, wie die Waffen entgegen dem Kaufvertrag weitergegeben werden konnten.

Venezuelas Innenminister Tareck El Aissami bezeichnete den Vorfall als "Medien-Show"; Venezuelas Regierung würde "niemals mit kriminellen oder terroristischen Organisationen zusammenarbeiten". Venezuelas Präsident Hugo Chávez freilich hat die Farc-Guerilleros bereits mehrfach als reguläre Kombattanten bezeichnet, die ausdrücklich keine Terroristen seien.

Wie viele Raketenwerfer des Typs AT-4 gefunden wurden, ist unklar. Offenbar wurden sie nie benutzt. Im Kampf gegen die Farc setzt das Militär vor allem Hubschrauber ein, gegen die Panzerabwehr-Waffen kaum etwas ausrichten können. Dennoch ist der kolumbianischen Zeitschrift Semana zufolge noch nie Kriegsmaterial von vergleichbarer Zerstörungskraft bei der Farc gefunden worden. Von den Waffenschiebereien mit Venezuela war dem Magazin zufolge bereits detailliert auf den Computern des Farc-Chefs Raúl Reyes zu lesen. Kolumbiens Militär tötete Reyes im März 2008 bei einer Attacke auf sein Camp und erbeutete dabei seine Laptops. Der Zeitung zufolge sind engste Mitarbeiter von Chávez in die Kooperation mit der Farc eingebunden.

"Wir wissen aus Geheimdienstquellen, dass sie zurzeit Boden-Luft-Raketen zu kaufen versuchen, um unsere Flugzeuge abzuschießen", sagte Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe. Gerüchte, dass die Farc solche Systeme anzuschaffen versucht, kursieren schon seit zehn Jahren.

Die Affäre um die Panzerwaffen verschärft die ohnehin angespannte Lage im Norden Südamerikas. Nachdem Ecuadors linker Präsident Rafael Correa den Vertrag mit Washington über die Luftwaffenbasis Manta nicht verlängert hatte, von der aus US-Aufklärungsflugzeuge Drogenschmuggler und Guerilleros aufspürten, wichen die USA nach Kolumbien aus. Ein noch nicht unterschriebener Vertrag sagt den Amerikanern zu, mindestens drei kolumbianische Luftwaffenstützpunkte zu nutzen und 1400 Mann zu stationieren. Mit dieser Stärkung der US-Präsenz begründet Chávez seinen Plan, die Zahl seiner Panzer durch Zukäufe in Russland zu verdoppeln. Seite 11

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