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Köthen AfD schürt Zweifel an Todesumständen

Die AfD lanciert eine Tonaufnahme zum Todesfall in Köthen. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, sieht eine Kooperation mit Rechtsextremen.

Köthen
Ein Teilnehmer einer Kundgebung für den verstorbenen 22-Jährigen stellt auf einem Spielplatz eine Kerze ab. Foto: dpa

Die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt zweifelt die Aussagen der Landesregierung zu den Todesumständen des 22-jährigen Markus B. aus Köthen an. Der AfD-Abgeordnete Hannes Loth stützt sich auf eine mysteriöse Sprachnachricht, in der eine Frau die Todesumstände anders schildert als Innenminister Holger Stahlknecht und Justizministerin Anne-Marie Keding (beide CDU). 

Stahlknecht weist AfD-Beschuldigung zurück

Innenminister Holger Stahlknecht wies die Beschuldigung als „bodenlose Unverschämtheit“ zurück. „Die AfD ist der geistige Brandstifter in Deutschland. Renommierten Rechtsmedizinern zu unterstellen, dass sie Diagnosen und Gutachten fälschen und einer Landesregierung zu unterstellen, dass sie in krimineller Manier Ermittlungen beeinflusst und die Todesursache vertuscht, kommt schon in die Nähe strafrechtlicher Relevanz“, sagte Stahlknecht der „Mitteldeutschen Zeitung“ (MZ). Von Justizministerin Keding liegt noch keine Reaktion auf die Vorwürfe der AfD vor. 

 

Keding hatte am Montag in einer Pressekonferenz betont, der Tote habe zwar Verletzungen aufgewiesen. Allerdings hätten nicht diese, sondern ein Herzversagen zum Tod geführt. Tritte gegen den Kopf hatte Keding ausgeschlossen. Der junge Mann starb den Behörden zufolge am späten Samstagabend an Herzversagen, eine schwere kardiologische Vorerkrankung ist bestätigt. Laut der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hatte der Tote keine offenen Wunden oder Knochenbrüche, die von Tritten herrühren könnten. Tritte oder Schläge gegen den Kopf als Todesursache schließen die Ermittler aus. Der Tote hatte eine Blutung unter der Haut an der Unterlippe und eine Verletzung am Hinterkopf, die bei einem Sturz entstanden sein könnte, so die Staatsanwaltschaft. Der Sterbeort wird nicht genannt. 

AfD-Politiker Loth hatte für Montagabend eine Demonstration in Köthen angemeldet und nach einem kurzen Marsch die Versammlung aufgelöst. An dem Umzug sollen sich etwa 550 Menschen beteiligt haben. 

Laut der erwähnten Sprachnachricht sollen zwei Asylbewerber Markus B. festgehalten haben, ein weiterer Ausländer soll ihn zu Boden geschlagen haben. Anschließend hätten ihn die Täter gegen Kopf und Bauch getreten. Die Staatsanwaltschaft Dessau wollte sich am Dienstag nicht zur Frage äußern, ob die Sprachnachricht tatsächlich von einer Augenzeugin stammt. „Die Authentizität des Tondokuments wird derzeit geprüft“, sagte Staatsanwalt Frank Pieper der MZ. 

Das Tondokument liegt der MZ vor, es ist gut zweieinhalb Minuten lang. Die Redaktion konnte bisher weder die Quelle überprüfen noch feststellen, wer darauf zu hören ist. Insbesondere steht zur Debatte, ob es sich tatsächlich um eine Augenzeugin des Geschehens handelt. 

Hitlergruß und „Sieg Heil“-Rufe in Halle

So gibt es einige Zweifel an dem geschilderten Zustand von Markus B. und an dem Ablauf des Geschehens. Laut Darstellung der vermeintlichen Augenzeugin soll sie bei ihm keinen Puls mehr festgestellt haben können, als er am Boden lag. Nach MZ-Informationen soll Markus B. aber noch beim Eintreffen weiterer Helfer Puls gehabt haben. Die Rede ist im Tondokument auch von der Beteiligung einer größeren Gruppe Asylbewerber und schließlich davon, dass eine Gruppe Deutscher den Tatverdächtigen hinterhergejagt sei. Nach bisherigen Recherchen war ein weiterer, ein dritter Mann mutmaßlich aus Afghanistan an dem Geschehen beteiligt. Er soll versucht haben zu schlichten. Von einer Gruppe Deutscher, die die Tatverdächtigen verfolgten, ist bislang nichts bekannt.

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