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Klinikskandal Kardinal erlaubt „Pille danach“

Katholische Kliniken dürfen Notfallverhütung ausgeben.

01.02.2013 17:26
Von Joachim Frank und Steven Geyer
Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln Foto: dpa/Oliver Berg

Als Folge aus dem Klinikenskandal hat der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, einen spektakulären Kurswechsel vollzogen. Die Vergabe bestimmter Arten der „Pille danach“ an vergewaltigte Frauen sei ethisch vertretbar, erklärte er am Donnerstag überraschend. Noch in der vorigen Woche hatte er für katholische Einrichtungen das strikte Verbot der „Pille danach“ bekräftigt.

Nun unterscheidet der Kardinal – nach der Konsultation von Fachleuten, wie er erläutert – zwischen Pillen mit verhütender Wirkung und zur Abtreibung. Während eine „verbrecherische Befruchtung“ verhindert werden dürfe, bleibe es verboten, menschliches Leben auch im frühesten Stadium zu töten, erläuterte das Erzbistum. Meisner bekräftigt zwar das Verbot der „Abtreibungspille“ RU-486. Es sei aber „nichts dagegen einzuwenden“, wenn katholische Kliniken auch über Medikamente und über Wege zu deren Erhalt informieren, die „nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind“. Damit dürfen Ärzte in katholischen Kliniken über Präparate aufklären, die möglicherweise eine Frühabtreibung zur Folge haben. Auch diese Regelung ist neu und weicht ab von bisherigen Vorgaben, bei deren Verletzung Ärzte mit fristloser Kündigung rechnen mussten.

Die Weigerung zweier katholischer Kliniken, Vergewaltigungsopfer zu behandeln, hatte zu einer heftigen Debatte geführt. Meisner entschuldigte sich persönlich für die verweigerte Hilfe. Ein solcher Fall dürfe sich nicht wiederholen. „Die Ärzte in katholischen Einrichtungen sind aufgefordert, sich rückhaltlos der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen.“ Dabei hätten sie sich sowohl am Stand der Forschung zu orientieren, als auch am Prinzip des Lebensschutzes.

Meisners Schwenk bringt auch Bewegung in die katholische Sexualmoral und das Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung. Zwar hält er in Übereinstimmung mit dem päpstlichen Lehramt am Verbot künstlicher Empfängnisverhütung für Eheleute fest, erkennt aber eine weitere Ausnahme an.

Pro Familia lobte Meisners Entscheidung. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte die NRW-Geschäftsführerin des Beratungsvereins, Rita Kühn, dieser Zeitung. „Wir freuen uns, dass Kardinal Meisner sich endlich detailliert über die Wirkung der ,Pille danach’ informiert hat.“ Seit Bekanntwerden der Kölner Fälle war massiver öffentlichen Druck entstanden. Pro Familia und Terres de femmes fordern Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und seine nordrhein-westfälischen Amtsollegin Barbara Steffens (Grüne) auf, die verbindliche Versorgung mit Notfallverhütung zu sichern. Die entsprechende Petition (change.org/notfallverhuetung) hatten bis Donnerstag mehr als 38.000 Menschen unterzeichnet, darunter Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid, Piraten-Politikerin Marina Weisband und Verdi Bayern.

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