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Klimaschutz Donald Trump unterdrückt Klimafakten

Vor dem Besuch des US-Präsidenten in der Schweiz werfen ihm Wissenschaftler Täuschung vor.

Davos, Schweiz
In Genf protestierten Kritiker des US-Präsidenten gegen seinen erwarteten Besuch in Davos. Foto: rtr

Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen, um der US-Wirtschaft zu schaden. Das hat Donald Trump einmal getwittert, als er noch nicht US-Präsident war. Im Amt beschloss er dann, den Paris-Klimavertrag zu kündigen. Und nun soll der Mann am Freitag beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos sprechen, dessen „Global Risks Report 2018“ gerade gezeigt hat, dass führende Ökonomen und Manager die menschengemachen Klimaveränderungen derzeit als größtes Risiko für die Weltwirtschaft ansehen.

Trump dürfte das kaum beeindrucken. Zuhause in den USA gibt er den Orwell: Er hat den Begriff Klimawandel von Websites tilgen lassen und setzt die Wissenschaft unter Druck.

Der WEF hatte rund 1000 Experten gebeten, für den jährlichen Report 30 Risiken zu gewichten. Alle vier davon, die etwas mit Klima und Ökologie zu tun haben, tauchen weit oben auf der Liste auf: Extremwetterereignisse, Scheitern von Klimaschutz und Klimaanpassung, Verlust von Artenvielfalt und Kollaps der Ökosysteme sowie von Menschen verursachte Umweltkatastrophen.

Vor allem die zunehmenden Extremwetterereignisse machen den Ökonomen und Managern Sorgen, die sie für „sehr gefährlich“ und „sehr wahrscheinlich“ halten. Hinzu kommen Ereignisse, die in engem Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen, wie Wasser- und Hungerkrisen und die dadurch ausgelöste Migration. Ähnlich hoch ist die Risikobewertung nur noch für Cyberattacken.

Trump hat zwar in jüngster Zeit mehrfach orakelt, die USA könnten doch im Paris-Abkommen bleiben. Das sei „vorstellbar“ – doch nur, wenn darin der Wettbewerbsfähigkeit der US-Energiewirtschaft ein höherer Stellenwert eingeräumt werde. Dann wieder macht er sich über den Klimawandel lustig, Wetter und Klima verwechselnd. Als er einen Kälteeinbruch im Nordosten der USA heimsuchte, kommentierte er: „Vielleicht können wir ein bisschen von dem guten alten Treibhauseffekt gebrauchen ...“

Letzteres könnte man als Witz abtun. Doch es wir immer deutlicher, dass Trump und seine Regierung eine tiefgreifende Anti-Klimaschutz-Agenda verfolgen. Sie soll nicht nur die Nutzung der fossilen Energien wieder stärker fördern, sondern auch die Informationspolitik zu dem Thema verändern. Jüngst ist eine Studie erschienen, die diesen Umbau nachzeichnet. Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Klima-Aktivisten, die Environmental Data & Governance Initiative (EDGI), zeigt darin, welche Änderungen Ministerien und Behörden seit Trumps Amtsantritt auf ihren Internetseiten vorgenommen haben.

Hunderte von Eingriffe

Laut der Auswertung geht die Zahl der Eingriffe in die Hunderte. Teilweise entfernten Regierungsstellen ihre Seiten zum Klimawandel komplett. Wo sie erhalten blieben, wurden sie entweder an schwer auffindbaren Stellen im jeweiligen Internetangebot abgelegt oder kräftig verändert, wobei man unliebsame Begriffe durch diffuse Formulierungen ersetzte. Auch Hinweise auf Förderprogramme, die bei der Anpassung an Folgen des Klimawandels helfen sollen, flogen raus. Ebenso die Hinweise darauf, dass die USA nach wie vor ein Vertragsstaat der 1992 geschlossenen UN-Klimarahmenkonvention ist. Herausgenommen wurden zudem Informationen über die Umweltfolgen der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas, die Bedeutung der Öko Energien dagegen heruntergespielt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Davos

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