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Klimagipfel Die Heldin von Cancún

Mexikos Außenministerin, Patricia Espinosa, bewahrt den Klimagipfel vor dem Scheitern und wird damit zu einer Figur der Weltgeschichte.

Patricia Espinosa, Mexikos Außenministerin, war vor ihrer Ernennung Botschafterin in Wien und Berlin. Foto: AFP

Manche Menschen können erst in Krisenzeiten ihre Fähigkeiten zur Entfaltung bringen. Patricia Espinosa, Mexikos Außenministerin und seit dem Wochenende Heldin aller Klimaschützer, fällt in diese Kategorie. Vermutlich wäre ohne ihr Verhandlungsgeschick der Weltklimagipfel von Cancún das geworden, was er bis Freitagnachmittag um 17 Uhr zu sein schien: Ein großes Missverständnis, ein Kopenhagen II, das Ende des UN-Rahmens für alle Versuche, die Erderwärmung in Schach zu halten.

Aber dann kam Espinosa mit einem Kompromisspapier und riss die entnervten und ermüdeten Delegierten aus der Agonie. Plötzlich lagen Vorschläge auf dem Tisch, denen Industriestaaten und Entwicklungsländer zustimmen konnten. Und die 52-Jährige erntete dafür und für das vorsichtige Ausbremsen der widerspenstigen Bolivianer Beifall und Lobeshymnen von fast jedem Redner der entscheidenden Sitzung.

So ist der Erfolg von Cancún ein gutes Stück der Erfolg von Patricia Espinosa. Schon in den Tagen zuvor waren die Mexikaner als Konferenzmoderatoren für ihre offene und transparente Verhandlungsführung gelobt worden. Jede Delegation konnte sich mit ihrem Anliegen an Espinosas Team wenden. Dass die Ministerin auch entschlossen handeln konnte, war für viele neu.

Die Politikerin mit der Vorliebe für gedeckte Kostüme ist in den vier Jahren als Chefin des mexikanischen Außenamtes nicht als charismatische Führungspersönlichkeit aufgefallen. Bereits ihre Berufung an die Spitze des Außenamtes im Dezember 2006 verwunderte viele Experten. Zu dem Zeitpunkt war die zweifache Mutter und Berufsdiplomatin gerade Botschafterin in Wien. Auf dem diplomatischen Karussell war sie ein unbeschriebenes Blatt. Kritiker behaupten bis heute, ihre Berufung sei eine Quotenentscheidung gewesen, der der außenpolitische Berater von Präsident Felipe Calderóns , Arturo Sarukhan, zum Opfer fiel.

Espinosa gelang es aber als Außenministerin kaum, Impulse zu setzen. Unter ihr verlor Mexiko auf internationalem Parkett deutlich an Gewicht. Allerdings hatte sie einen schweren Stand, da Präsident Calderón gerne alle außenpolitischen Themen an sich zieht.

Seit dem Wochenende könnte das anders werden. Espinosa hat in den Augen der Welt das Unmögliche geschafft und scheinbar unvereinbare Interessen zusammengeführt. Das könnte sie für Höheres qualifizieren. Die konservative Regierungspartei PAN sucht noch immer einen Kandidaten, der sich 2012 als Nachfolger von Calderón um die Präsidentschaft in Mexiko bewirbt.

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