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Klima „Ohne ein Sofortprogramm geht es nicht“

Der Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur, Andreas Kuhlmann, über die Chancen, die Klimaziele noch zu erreichen: „Groko-Sondierer beim Wort nehmen“.

Andreas Kuhlmann
Andreas Kuhlmann ist seit Mitte 2015 Geschäftsführer der Deutschen Energiangentur (Dena) in Berlin. Foto: Imago

Herr Kuhlmann, sind Sie mit dem Ergebnis der Groko-Sondierer im Bereich Klimaschutz und Energiewende zufrieden?
Das Papier ist besser, als viele gedacht haben. Aber: Wenn es zu Koalitionsverhandlungen kommt, gibt es noch einiges zu tun, um die Klimaziele und eine integrierte Energiewende zu erreichen. Hier gibt es noch viele Leerstellen.

Deutschland droht weiterhin eine große Blamage. Das CO2-Ziel für 2020 ist gefährdet, denn minus 40 Prozent sind angesagt, aber 27 erst erreicht. Union und SPD wollen die „Handlungslücke“ nun möglichst schnell schließen. Kann das überhaupt klappen?
Wenn wir ehrlich sind, galt das 2020er Ziel schon seit einigen Jahren nicht mehr als erreichbar, auch wenn es in den Wahlprogrammen der Parteien noch beschworen wurde. Es kommt nun darauf an, was in den geplanten Verhandlungen zu dem Maßnahmenpaket dafür noch zusammenkommt. Wir alle sind aufgefordert, ambitionierte Ideen einzubringen. Allerdings hat sich der Blick in der Klimapolitik schon länger ganz auf das Jahr 2030 gerichtet, viele Versäumnisse aus den letzten zehn Jahren sind ja auf die Schnelle nicht mehr zu reparieren.

Und wie sieht es dann mit dem Ziel für 2030 aus, das Union und SPD nun „auf jeden Fall erreichen“ wollen?
Jetzt gilt es, die Parteien beim Wort zu nehmen: 55 Prozent CO2-Reduktion und 65 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 - das sind klare Bekenntnisse! Das heißt: Ab jetzt muss der CO2-Ausstoß jedes Jahr doppelt so stark abgesenkt werden wie im Schnitt seit 1990, dem Basisjahr. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien müsste sich deutlich beschleunigen und die Anstrengungen bei der Energieeffizienz auch. Man braucht dafür quasi ein Sofortprogramm, vieles müsste neu durchdacht werden.. Aber das lohnt sich auch. Energiewende und Klimaschutz sind Fortschrittsprojekte. Sie schaffen Arbeitsplätze und Innovationen, sorgen für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik und helfen, unserer globalen Verantwortung gerecht zu werden. Das dafür erforderliche Engagement kann man dem jetzigen Groko-Dokument sicher noch nicht entnehmen. Aber das kann ja noch kommen.

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