Lade Inhalte...

Kirgistan Truppen halfen Mörderbanden

Human Rights Watch erhebt wegen der Pogrome von Osch Vorwürfe gegen kirgisische Behörden.

An den Pogromen im Süden Kirgistans, wo im Juni hunderte Menschen getötet wurden, waren Regierungstruppen beteiligt. Das stellt ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) fest, der am Montag in Moskau und Bischkek vorgestellt wurde. Es ist die erste größere Untersuchung der Unruhen, die die zentralasiatische Republik erschütterten und zur Massenflucht der usbekischen Minderheit führten. Die Verfasser kritisierten zugleich die Ermittlungen der kirgisischen Justiz als voreingenommen.

„Bewusst oder unbewusst“ hätten Regierungstruppen die Attacken auf usbekische Viertel in Osch ermöglicht. In der größten Stadt Südkirgistans hatte sich die usbekische Minderheit hinter Barrikaden verschanzt, als der ethnische Konflikt begann. Militärfahrzeuge hatten die Barrikaden beiseite geräumt, kirgisische Angreifer daraufhin Häuser angezündet und Bewohner getötet. Die Erklärungen der Polizei, es habe sich bloß um wenige Radpanzer gehandelt, die von einem kirgisischen Mob gekapert worden waren, seien nicht haltbar, schreibt HRW. Aufgrund von Satellitenbildern schätzen sie, dass 2000 Häuser in Osch zerstört wurden, die allermeisten in usbekischen Vierteln. Die offizielle Zahl der Todesopfer von 371 gilt als zu niedrig.

Allerdings halten die Menschenrechtler den Behörden die zugute, dass die Lage schwierig gewesen sei. Die Gewalt war in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni ausgebrochen, nach einem Streit zwischen kirgischen und usbekischen Jugendlichen. Etwa die Hälfte der Einwohner von Osch sind ethnische Usbeken. Die meisten Attacken in der ersten Nacht seien offenbar von Usbeken ausgegangen, heißt es im Bericht. Die Regierungstruppen hätten durchaus mit Recht Barrikaden beiseite räumen können ? vorausgesetzt allerdings, sie hätten dann auch die Menschen dort beschützt.

Justiz ermittelt gegen Usbeken

Die Verfasser äußern sich nicht zu den Hintergründen des Konflikts ? das gehöre nicht zu ihrem Mandat, sagte HRW-Mitarbeiterin Anna Neistat in Moskau. Es wird vermutet, dass Drogenbarone und Anhänger des kurz zuvor gestürzten kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew hinter dem Gewaltausbruch stehen.

Ausdrücklich loben die Verfasser die Zusammenarbeit mit den kirgisischen Behörden. Scharf kritisieren sie jedoch die Justiz. Ermittelt werde vor allem gegen Usbeken, obwohl 60 Fälle von Folter oder Misshandlung in Polizeigewahrsam dokumentiert seien. Bei einem Überfall im Ort Nariman wurden etwa 39 Einwohner verletzt, zwei starben ? dennoch fand die Staatsanwaltschaft daran nichts auszusetzen. Nach ihren eigenen Angaben sind von den insgesamt 243 Festgenommenen nur 29 ethnische Kirgisen.

Der Bericht ist der erste dieser Art. Eine internationale Untersuchungskommission mit UN-Segen ist auch zwei Monate nach den Ereignissen noch nicht zustande gekommen. Dafür soll eine OSZE-Polizeimission nach Kirgistan entsandt werden. Ihre Mission ist umstritten ? im Oktober wird gewählt und der Wahlkampf hat bereits begonnen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen