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Kinderschutzkommission „Wir sind kein Gericht“

Im Interview verteidigt der Jesuit Hans Zollner die Kinderschutzkommission von Papst Franziskus.

Hans Zollner
Foto: privat

Herr Zollner, die Kinderschutzkommission geht mit neuer Besetzung in eine zweite Runde. Es hieß, dass der Papst erneut Opfer in die Kommission berufen habe. Allerdings treten sie unter dem Gremium nicht öffentlich in Erscheinung. Warum?
Unter den neuen Mitgliedern sind Betroffene, die aber bisher für sich entschieden haben, nicht öffentlich als Opfer bekannt gemacht werden zu wollen – was einige Betroffene, mit denen ich im Kontakt stehe, positiv kommentiert haben.

Die Kommission wurde immer wieder dafür kritisiert, dass sie lediglich eine beratende Funktion für den Papst habe. Weil sie mit ihrer Arbeit im Vatikan kein Konsequenzen erbrachte, trat das ehemalige Opfer im Gremium, Marie Collins, vor einem Jahr sogar aus der Kommission aus. Ist die Kritik berechtigt?
Die Kommission kann man kaum für etwas kritisieren, was in ihren Statuten festgeschrieben ist. Und die Statuten haben die Mitglieder selbst erarbeitet, bevor sie vom Heiligen Stuhl ohne Änderungen approbiert wurden. Hier werden Erwartungen genährt, die mit dem, was von Anfang an vielfach kommuniziert worden war, nicht im Einklang stehen. Man muss es offenbar noch hundert mal sagen: Die Kommission kann nicht für Einzelfälle zuständig sein. Wir sind kein Gericht, haben nur zwei Kirchenrechtler in unseren Reihen und sind weit weg vom Geschehen. Außerdem gibt es die entsprechenden Gerichte und Verfahren dafür. Wir brauchen die Arbeit nicht zu doppeln.

Die innerkirchlichen Verfahren beginnen laut kirchlichen Statuten, nachdem ein weltliches Gericht ein Urteil über einen beschuldigten Geistlichen gesprochen hat. 
Nein, das sind unterschiedliche Ebenen. Das kirchliche Gericht kann sogar schon viel früher seine Arbeit aufnehmen.

Unabhängig von dem weltlichen Urteil ist es aber der Kirche überlassen, welche Tätigkeit ein verurteilter Geistlicher in der Kirche wahrnehmen kann. Auch das fällt nicht in den Aufgabenbereich der Kommission?
Nein, wir sind nicht für einzelne Fälle oder Urteile zuständig. Wir sind ein Beratungsgremium, das dem Papst Vorschläge zur Verbesserung der Leitlinien, der Rechtskultur und der Präventionsarbeit unterbreitet.

Welche Erfolge hat die Arbeit Ihrer Kommission stattdessen erbracht?
Da es so etwas wie diese Kommission vor vier Jahren noch nicht gab, ist allein ihre schiere Existenz von zentraler Bedeutung für die innerkirchliche Sensibilisierung: Der Papst hat alle Bischofskonferenzen dazu aufgefordert, Kontaktpersonen für uns zu benennen; die Bischofskonferenzen, die regelmäßig zu ihren Besuchen nach Rom kommen, treffen Kommissionsmitglieder; alle neuen Bischöfe werden bei ihrer Einführung zu unseren Themen geschult. In Deutschland ist Bischof Ackermann der Beauftragte der Bischofskonferenz für alle Fragen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt gegen Minderjährige im kirchlichen Bereich. In Deutschland hat die katholische Kirche ein flächendeckendes Netz von Interventions- und Präventionsbeauftragten aufgebaut, Leitlinien wurden eingeführt, Schulungen für Personal und Freiwillige auf allen Ebenen und in allen Bereichen werden durchgeführt.

Wie muss man sich demgegenüber Ihre Arbeit in der Kommission vorstellen?
Unsere erste Arbeitsgruppe hat ein Modell für Leitlinien zur Intervention und Prävention von Missbrauch entwickelt. Das ging an alle Bischofskonferenzen. Die zweite Gruppe hat mit Betroffenen gesprochen und daraus Empfehlungen für die Kommunikation kirchlicher Institutionen mit diesen Menschen entwickelt. Die dritte Arbeitsgruppe, die ich geleitet habe, befasste sich mit der Information und Ausbildung von kirchlichen Verantwortungsträgern für die Intervention und Prävention von Missbrauch. Wir haben über 250 teils mehrtägige Schulungen auf allen Kontinenten durchgeführt. Ich war gerade 14 Tage in Indien und Sri Lanka dazu; nächste Woche werde ich vor der französischen Bischofskonferenz sprechen. Es wurde ein Gebetstag für Betroffene angeregt, der von vielen Bischofskonferenzen durchgeführt wurden. Wir haben verschiedene Studientage, etwa zu „Präventionsarbeit in den Schulen Lateinamerikas“, „Päpstliches Geheimnis“, „Theologie der Prävention“ und dergleichen durchgeführt.

Bei all der innerkirchlichen Präventions- und Sensibilisierungsarbeit ist es aber doch vor allem geboten, des Missbrauchs beschuldigte Geistliche möglichst schnell aus dem Verkehr zu ziehen.
Genau, das ist unser Ziel, dass Beschuldigte möglichst rasch zu suspendiert werden, damit eine Untersuchung des Vorwurfes erfolgen kann. Aber mit Einzelfällen beschäftigen wir uns wie gesagt nicht.

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