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Kinderpornografie Opfer von Kinderpornografie immer jünger

Vereine und der Deutsche Kinderschutzbund kämpfen gegen die organisierte Kinderpornografie im Internet. Die Hemmschwelle der Täter sinkt jedoch immer weiter.

14.02.2014 08:36
Timur Tinç
Foto: dpa

Kinderpornografie ist für Ingo Fock immer sexueller Missbrauch am Kind. Mit seinem Verein „Gegen Missbrauch“ beschäftigt er sich seit zehn Jahren mit Menschen, die Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sind. Eine Zahl, wie viele kinderpornografische Schriften im Internet im Umlauf sind, lässt sich nicht benennen. „Allerdings haben sich organisierte und mafiöse Strukturen entwickelt“, berichtet Fock. Die Bilder und Filme entstehen weltweit, ganz viele kommen mittlerweile aus Osteuropa.

Kinderpornografie wird überwiegend durch verschlüsselte Anzeigen in Sex- und Kontaktmagazinen, aber auch in harmlos klingenden Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften angeboten. Darüber hinaus werden kinderpornografische Schriften in geschlossenen Newsgroups, Chat-Räumen oder Peer-to-Peer(P2P)- Netzwerken angeboten oder getauscht. „Nach unserem Kenntnisstand gibt es Newsgroups mit Preislisten, wo man nach Geschlecht, Haarfarbe und Alter bestellen kann“, sagt Fock.

Die Preise bewegten sich im vierstelligen US-Dollar-Bereich. Zudem werden die Opfer immer jünger, auch der Missbrauch von Kindern im Babyalter werde dokumentiert. „Die Hemmschwelle der Täter sinkt immer mehr, der Kick muss immer größer werden“, sagt Fock.

Das Bundeskriminalamt zählte im Jahr 2012 insgesamt 3239 Fälle von Besitz und Beschaffung kinderpornografischer Schriften. Bei der Verbreitung wurden 2465 Fälle gezählt, hier lag die Aufklärungsquote bei 67,7 Prozent. Der Deutsche Kinderschutzbund (DSKB) warnt zudem vor sexuellem Missbrauch im Internet in sozialen Netzwerken und Chatrooms.

„Gesellschaft sensibilisieren“

Der Trick ist immer der gleiche: Die Pädophilen geben sich gegenüber Kindern als gleichaltrig aus, bauen Vertrauen auf und dringen dann in ihre Intimsphäre ein. „Sie verlangen von den Kindern, sich nackt zu fotografieren, vor einer Kamera auszuziehen oder sonstige Handlungen“, erklärt Cordula Lasner-Tietze, die stellvertretende Bundesgeschäftsgeführerin des Deutschen Kinderschutzbundes (DSKB). Die Zahl der erfassten Fälle sei zwar stabil, „das heißt aber nicht, dass es nicht eine enorm hohe Dunkelziffer gibt“. Denn nur wenn Eltern eine Strafanzeige stellen, taucht das in der Statistik auf.

Um möglichst effizient gegen Kinderpornografie und Gewalt gegen Kinder vorzugehen, stellt Lasner-Tietze vier Forderungen auf: Es brauche gut ausgebildetes Personal beim Bundeskriminalamt (BKA), das die Internetseiten überwacht, gute Medienkompetenz der Kinder, ein Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind sowie technische Schutzmechanismen und -programme. Letztere seien aber nur begrenzt hilfreich, da die Täter diese durch ihr technisches Know-how oft umgingen. „Der Dreh- und Angelpunkt ist, dass solche Seiten überhaupt nicht zugänglich sein sollten“, sagt Lasner-Tietze.

Ingo Fock ist es wichtig, „dass wir uns unendlich mehr mit dem Thema beschäftigen und die Gesellschaft sensibilisieren“. Außerdem müsse der Gesetzgeber überlegen, ob er den Konsumenten nicht mit dem Täter gleichsetze. Die Opfer solcher „Kinderfolterbilder“ und -Filme seien ihr Leben lang betroffen, sagt Fock. „Sie können nie mit der Gewalttat abschließen, weil sie immer latent im Kopf ist und die Opfer nie wissen, wer sich das heute noch anschaut.“

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