Lade Inhalte...

Kinderehen Minderjährige sollen nicht mehr heiraten dürfen

Das Kabinett einigt sich auf Gesetz gegen Kinderehen: Bei unter 16-Jährigen sollen Ehen grundsätzlich annulliert werden.

Kinderehen
Keine Ehe vor dem 18. Lebensjahr: Die Regierung will mit einem neuen Gesetz gegen Kinderehen vorgehen. Foto: dpa

Nach monatelangem Streit um die Verheiratung von Minderjährigen haben sich die Koalitionsparteien am Dienstag auf ein Gesetz gegen Kinderehen geeinigt. Danach sollen künftig alle Ehen von Personen unter 16 Jahren annulliert werden. Entscheidend dabei ist, wann diese Ehe geschlossen wurde. So ist eine Hochzeit ungültig, wenn zum Beispiel ein 14-jähriges Mädchen mit einem 18-Jährigen verheiratet wurde. Im Ausland geschlossene Ehen von Kindern sollen künftig nach deutschem Recht nicht anerkannt werden. Außerdem soll das Alter zur Eheschließung grundsätzlich auf 18 Jahre angehoben werden. Bisher gab es in Deutschland die Möglichkeit, in Ausnahmefällen auch mit 16 Jahren zu heiraten.

„Wir werden jetzt alles dafür tun, damit ihn das Kabinett sehr schnell beschließen kann und den Entwurf noch diese Woche in die Ressortabstimmung geben“, sagte Justizminister Heiko Maas (SPD) der „Saarbrücker Zeitung“. Kinder gehörten nicht an den Traualtar. In der Gruppe der 16- bis 18-Jährigen sollten Ehen grundsätzlich zwar ebenfalls nicht anerkannt werden, doch soll es laut Maas „in ganz besonderen Härtefällen eine Einzelfallprüfung“ geben.

„Ehen unter Zwang sind inakzeptabel. Sie verstoßen nicht nur gegen deutsche Grundrechte, sondern auch gegen das Strafgesetzbuch“, sagte Franziska Brantner, Grünen-Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik. „Das Problem der Kinderehen lässt sich aber nicht durch eine einfache pauschale Regelung lösen, sondern muss sich in jedem Einzelfall ausnahmslos am Wohl der betroffenen Minderjährigen orientieren.“ Eine pauschale Aufhebung aller im Ausland geschlossenen Ehen mit Menschen unter 18 Jahren würde den Minderjährigen in Einzelfällen sogar schaden. Gebe es zum Beispiel schon gemeinsame Kinder, wären diese unehelich – mit allen Konsequenzen: Im Falle der Rückkehr in ihre Heimatländer könnten uneheliche Kinder häufig nicht bei der Mutter bleiben, machte Brantner klar.

Durch die Zuwanderung vieler Flüchtlinge hatte das Thema zuletzt immer wieder eine Rolle gespielt. Union und SPD hatten lange um das Verbot gerungen. Die CDU wollte eine grundsätzliche Aufhebung von Ehen von Menschen unter 18 Jahren. Die SPD sah das kritisch – auch aus Sorge um Unterhalts- und Erbansprüche junger Frauen.

Das Ausländerzentralregister verzeichnete im Juli 1475 verheiratete Jugendliche in Deutschland. 361 davon waren jünger als 14 Jahre, 120 waren 14 oder 15 Jahre alt. Die meisten kommen aus Syrien – viele Mädchen werden noch vor ihrer Flucht verheiratet, um ihnen vermeintliche Sicherheit zu gewährleisten. Weltweit leben rund 700 Millionen Frauen und Mädchen laut den Vereinten Nationen in einer Ehe, die sie vor dem 18. Lebensjahr eingehen mussten. (mit KNA)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum