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Kim Jong-un Der Gott der Nordkoreaner

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un regiert mit harter Hand - ein Porträt.

Kim Jong-un
Kim Jong-un inspiziert eine seiner Raketen. Foto: rtr

Kim Jong-un hält die Weltgemeinschaft in Atem. Die US-amerikanische Armee bereitet sich nach seinen jüngsten Waffentests auf einen möglichen Einsatz in der Region Nordostasien vor. Das Verhalten des 34-Jährigen mit dem strammen Haarschnitt ist Thema auf allen Gipfeltreffen. Das entspricht ganz den Wünschen und Träumen des 34-Jährigen. Trump, Xi, Putin, Abe, Merkel, Macron – der Name Kim gehört für ihn in diese Reihe. Vielleicht hofft er, als Herr über eine Atommacht einmal mit am Tisch zu sitzen.

In seiner eigenen Heimat ist Kim bereits ein Gott. Die Leute geraten in Ekstase, wenn sie ihn sehen – zu den wenigen Gelegenheiten, an denen er sich dem Volk zeigt. Die Menschen sprechen nur im Ton der höchsten Verehrung von der Familie Kim. Wenn es in Nordkorea mal ein Popkonzert gibt, dann spielt die Kapelle ausschließlich Militärmusik und zuckersüße Schlager, wie Kim sie bevorzugt.

Auf Massenveranstaltungen huldigen Zehntausende von Statisten seiner Genialität. In Pjöngjang stehen am Großmonument Mansudae gewaltige Bronzestatuen von seinem Vater und Großvater, denen sich die Besucher nur ehrfürchtig und mit Blumen in der Hand nähern dürfen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Bildnis des Enkels und Sohnes dazukommt.

Der Sohn, der keine Schwächen kennt

Kim ist dabei aus wesentlich härterem Holz geschnitzt als sein Vater, von dem er das Land geerbt hat wie ein Kronprinz. Kim Jong-il hat unter Ängsten gelitten, hat sich in 17 Jahren seiner Regierungszeit nie getraut, einen Parteitag der allein regierenden Arbeiterpartei einzuberufen, deren Vorsitzender er war. Er hat zwar ein Atomprogramm ins Leben gerufen, doch er hat es an den entscheidenden Stellen wieder gebremst, um nicht zu viel Zorn der Nachbarn und der USA auf sein Land zu ziehen. Sein junger Sohn kannte seit seiner Machtübernahme 2012 keine solchen Schwächen.

Kim Jong-un hat jeden umbringen lassen, in dem er eine mögliche Bedrohung für seine Macht gesehen hat, darunter auch seinen Onkel. Er hat Partei und Militär knallhart auf Linie gebracht. Wer gehofft hatte, dem unerfahrenen Diktator werde das Land entgleiten, sah sich getäuscht. Seine Herrschaft wirkt heute, soweit das von außen erkennbar ist, stabil. Er ähnelt in Charisma und Durchsetzungsfähigkeit mehr seinem Großvater, dem stalinistischen Staatsgründer Kim Il-sung, der dem Land den Kult um seine Person so wirksam aufgedrückt hat.

Vater soll ihm geraten haben sich einen Bauch anzufressen

Nun, da Kim im Besitz von Interkontinentalraketen ist, wirkt der übergewichtige Junge plötzlich wie eine riesige Gefahr. Die Rakete, die er Ende Juli getestet hat, kann über 7000 Kilometer weit fliegen, vermutlich erreicht ein Nachfolgemodell schon bald 10 000 Kilometer.

Dass er Unfrieden in der gesamten Region stiftet, stört Kim dabei nur wenig. Wenn es nach ihm selbst geht, wird sein Raketenarsenal weiter anschwellen – so wie seine Leibesfülle. Sein Vater soll ihm dazu geraten haben, sich einen ordentlichen Bauch anzufressen. Das war, nachdem er Jong-un um das Jahr 2005 zu seinem Nachfolger erklärt hatte. Sein ältester Bruder war da bereits aus dem Land geflohen, der mittlere Bruder war dem Vater zu „schwächlich und weibisch“, um die Macht zu übernehmen, wie japanische Quellen berichten. Und das Volk erkennt nur einen großen und dicken Mann als Führer an – das gilt vor allem in Ländern, die am Rande des Hungers entlangmanövrieren.

Und so beutet Kim 25 Millionen Nordkoreaner aus, um sich am Ende mit Cognac, großen Villen und fetten Autos einen Lebensstil zu leisten, wie ihn im benachbarten China der Inhaber einer einigermaßen erfolgreichen Ladenkette hätte. Doch der hat nicht den Nervenkitzel der absoluten Macht über Leben und Tod seiner Untertanen. Mit seinen neuen Raketen hat Kim nun bald die Möglichkeit, den Tod auf vier verschiedene Kontinente tragen zu lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nordkorea

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