Lade Inhalte...

Kill Team in Afghanistan Lebenslang für US-Soldaten für Mord an Zivilisten

Der Fall der fünf Soldaten, die "als Kill Team" in die Schlagzeilen gerieten, löste in den USA Empörung aus. Die Männer behielten sogar Finger und Zähne ihrer Opfer als Trophäen. Nun ist der Anführer der Gruppe zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

11.11.2011 11:52
US-Soldat Gibbs vor Gericht. Foto: dapd

Im Prozess um die Ermordung von drei afghanischen Zivilisten durch eine Gruppe von US-Soldaten ist der mutmaßliche Anführer der Gruppe zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Militärgericht im US-Bundesstaat Washington sprach den 26 Jahre alten Unteroffizier Calvin Gibbs am Donnerstag (Ortszeit) in allen 15 Anklagepunkten schuldig, darunter des vorsätzlichen Mordes in drei Fällen.
Das Militärgericht auf dem Stützpunkt Lewis-McChord nahe Seattle räumte Gibbs aber zugleich die Chance auf eine vorzeitige Entlassung nach mindestens zehn Jahren Haft ein. Darauf hatten Gibbs Verteidiger gedrängt, während die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung gefordert hatte. In den Schlussbemerkungen vor der Urteilsverkündung hatte Militärstaatsanwalt Dre LeBlanc den Angeklagten mit den Worten angesprochen, mit denen der Unteroffizier seine afghanischen Opfer bezeichnet haben soll. „Hier ist der Wilde“, sagte LeBlanc und zeigte auf Gibbs. „Unteroffizier Gibbs ist der Wilde.

Eine Gruppe von US-Soldaten soll unter dem Kommando von Gibbs ein regelrechtes „Tötungsteam“ gebildet und Jagd auf afghanische Zivilisten gemacht haben. Neben Gibbs waren vier weitere US-Soldaten angeklagt worden, von denen drei nach Schuldbekenntnissen zu Haftstrafen verurteilt wurden und sich bereiterklärten, gegen Gibbs auszusagen. Die Einheit soll zwischen Januar und Mai 2010 in der südlichen afghanischen Provinz Kandahar drei Zivilisten ermordet haben.

Posen neben Leichen

In den Ermittlungen waren grausige Details ans Licht gekommen, die Soldaten behielten demnach Finger und Zähne ihrer Opfer als Trophäen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte im März Fotos veröffentlicht, auf denen zwei der Angeklagten neben Leichen posieren. Der Fall hatte dem Ansehen der US-Armee erheblich geschadet, ähnlich wie die 2004 aufgedeckte Misshandlung von Gefangenen durch US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib während des Irak-Kriegs.

Am Mittwoch hatte Militärstaatsanwalt Robert Stelle die Behauptung Gibbs zurückgewiesen, sein Team habe die Afghanen getötet, nachdem es von ihnen angegriffen worden sei. Gibbs soll demnach Waffen bei den getöteten Afghanen abgelegt haben, um einen Angriff vorzutäuschen. Gibbs habe seine Einheit und letztlich die USA verraten, sagte Stelle. Gibbs Verteidigung hatte versucht, die Glaubwürdigkeit der anderen Soldaten der Gruppe in Zweifel zu ziehen, die gegen Gibbs aussagten. Vor der Urteilsverkündung appellierte Anwalt Phil Stackhouse dann, auch an Gibbs Ehefrau und seinen Sohn zu denken. (afp)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen