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Khizr Khan Trump manövriert sich ins Abseits

Eine Provokation zu viel? Donald Trumps verbale Attacke gegen die Eltern eines gefallenen Soldaten kommt auch in den eigenen Reihen nicht gut an - und könnte ihn um die Präsidentschaft bringen.

01.08.2016 16:14
Sebastian Moll
Donald Trump. Foto: dpa

Eigentlich liefen die Dinge gut für Donald Trump in der vergangenen Woche. Sein eigener Parteitag hatte ihm einen deutlichen Sprung nach vorne in den Umfragewerten beschert, einen Sprung, den Hillary Clinton auch durch die TV-Präsenz während des demokratischen Wahlkonvents nicht ganz wieder wettmachen konnte. Trump hatte Rückenwind. Doch dann kamen Khizr und Ghazala Khan.

Ihr Auftritt beim Konvent der Demokraten in Philadelphia war nur als Rahmenprogramm gedacht, als Füller vor den Reden der Schwergewichte wie Bill Clinton und Barack Obama. Doch es waren nicht die großen Namen der Demokraten, die Trump in den vergangenen Tagen ins Schleudern brachten, sondern diese braven pakistanisch-stämmigen Eltern, deren Sohn im Dienst der US-Armee vor zwölf Jahren gefallen war.

Khizr Khan wurde ein Direkt-Hit im Internet, nachdem er so wirksam wie es bislang noch niemandem gelungen war, Donald Trumps Islamophobie an den Pranger stellte. „Haben Sie überhaupt jemals in die Verfassung dieses Landes geschaut, Herr Trump?“, fragte Khan vor einem Millionenpublikum. Nur um dann eine Taschenversion des Dokuments aus seinem Sakko zu ziehen und Herrn Trump anzubieten, ihm „gerne meine Ausgabe zu borgen“. Es war ein wirkmächtiges Bild für das Amerika, das die Demokraten zu verkörpern suchen und das sie den paranoiden Fantasien von Trump entgegenzuhalten versuchen. Ein pakistanisch-stämmiger Muslim, dessen amerikanischer Patriotismus vollkommen außer Zweifel steht – das war eine Breitseite gegen das Weltbild, das Trump zu zeichnen sucht.

Hillary Clinton wundert sich laut

Die Rede wurde im Internet millionenfach geteilt, ein Dorn in Trumps Seite, der ihn über das Wochenende zunehmend zu pieksen begann. Doch als er in den sonntäglichen Polit-Talkshows dann versuchte, die Sache für sich zum Besseren zu wenden, wurde alles nur noch schlimmer.

Trump bezeichnete Herrn Khan „scheinbar als netten Typen“ fragte dann jedoch, warum seine Ghazala, die beim Auftritt in Philadelphia in traditioneller Tracht dabei stand, nichts gesagt habe. „Wahrscheinlich durfte sie nicht.“ Mit der Attacke auf die trauernde Mutter eines dekorierten amerikanischen Kriegshelden manövrierte sich Trump endgültig ins Abseits.

Die Kritik an seinem Stil kam nunmehr nicht nur aus dem demokratischen Lager, sondern auch aus den eigenen Reihen. Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, veröffentlichte eine Stellungnahme, in der es hieß: „Viele Muslime haben tapfer in unseren Streitkräften gedient und das größte Opfer gebracht. Kapitän Khan war einer von ihnen. Sein Opfer und das seiner Eltern sollte geehrt werden. Punkt.“ John McCain, republikanischer Präsidentschaftskandidat von 2008 und selbst dekorierter Kriegsheld sagte: „Amerika ist der Familie Khan zu tiefem Dank verpflichtet. Menschen wie sie machen uns zu einer besseren Nation.“

Die Reaktionen aus dem demokratischen Lager waren selbstverständlich nicht milder. Hillary Clinton wunderte sich laut, wo denn bei Trump der Boden sei. „Ich habe den Eindruck, es geht bei ihm immer noch tiefer.“

Die beißendste Kritik an dem Vorgang kam einmal mehr von dem brillanten Comedian John Oliver in seiner Late Night Show „Last Week.“ „Wir sind dabei, einen selbstgefälligen, gefährlichen Narzissten zu wählen, der mit der einfachen Aufgabe, den Eltern eines toten Soldaten Trost zu spenden, überfordert ist. Ich hätte nie gedacht, dass irgendjemand mit dieser Aufgabe überfordert sein könnte.“

Auch die Khans selbst meldeten sich am Sonntag noch einmal zu Wort. Der überaus sympathische Herr Khan, den die Nation zunehmend ins Herz schließt, sagte in einem TV-Interview: „Trump fehlen zwei der wichtigsten Qualitäten für eine Führungsposition: Erstens ein moralischer Kompass und zweitens jegliche Fähigkeit zum Mitgefühl.“ Trumps Behauptung, auch er habe beim Aufbau seiner Geschäfte Opfer gebracht, fand Khan im Zusammenhang mit der Geschichte seines Sohnes „hanebüchen“. „Trump hat keine Ahnung, was ein Opfer ist.“ Trumps Seele, sei tiefschwarz, endete Khan.

Ghazala Khan verteidigte sich derweil in einem Editorial in der „Washington Post“. Sie sei bei dem Gedenken an ihren Sohn in Philadelphia schlicht zu sehr von Gefühlen überwältigt gewesen, um zu sprechen, schrieb sie. Zu Trumps Verdacht, sie sei eine dem islamischen Glauben entsprechend unterdrückte Frau, sagte sie nur: „Meine Religion lehrt, dass alle Menschen im Auge Gottes gleich erschaffen sind. Trump hat keine Ahnung vom Islam.“ Der Schaden aus der Khan-Sache ist für Trump nun kaum mehr zu begrenzen. Die Aussage seines Kampagnen-Managers Paul Manafort, es gehe doch gar nicht um die Khans, sondern um die islamistische Gefahr, wirkte bestenfalls unbeholfen. Die amerikanischen Demokraten haben derweil in dem Musterpaar amerikanischer Werte zwei neue, wirkmächtige Fürsprecher.

Was bislang keinem Politstrategen gelungen ist – Trump wirklich in die Enge zu treiben –, haben sie geschafft: Eine liebenswertes älteres Ehepaar pakistanischer Herkunft mit soliden Grundüberzeugungen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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