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Khaled B. Dresden Ein Tod, der Ängste weckte

Doch kein fremdenfeindliches Motiv: Ein Mitbewohner in Dresden gesteht, Khaled B. erstochen zu haben. Es habe einen Streit um die „Haushaltsführung“ in der Wohngemeinschaft gegeben, berichtet die Polizei. Am Wochenende soll Khaled B. auf einem Friedhof in Berlin beigesetzt werden.

Asylbewerber in Dresden bitten um Hilfe
Ruhe in Frieden, Khaled, steht an einem Dresdner Plattenbau in unmittelbarer Nähe zum Fundort des getöteten Asylbewerbers. Foto: dpa

Am 14. Januar erhielt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) eine Mail aus Großbritannien. Absenderin war Elizabeth Chyrum, die Direktorin der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Concern – Eritrea“.

Angesichts der ständigen Drohungen gegen Asylbewerber in und um Dresden, schrieb die Dame in dem Offenen Brief, gebe es nur wenig Zweifel daran, dass der 20-jährige Eritreer Khaled B. ein Opfer von Extremisten geworden sei. Dann forderte sie: Maas habe dafür zu sorgen, dass es eine transparente Prüfung der Autopsie gebe, ein Gerichtsverfahren für die Täter und eine angemessene Beerdigung des Toten.

Rechte Täter vermutet...

Am Tag zuvor war der 20-jährige Flüchtling Khaled B. tot im Innenhof eines Plattenbaus im Dresdner Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden, wo er mit sieben anderen jungen Asylbewerbern seit einigen Monaten lebte. Die Polizei ging ursprünglich nicht von einem Verbrechen aus, bis die Obduktion ergab: Der junge Mann war mit mehreren Messerstichen umgebracht worden. Und weil im Haus schon einmal Hakenkreuze an die Wand geschmiert worden waren, weil nach etlichen Pegida-Aufmärschen die Stimmung in Dresden ohnehin gereizt war, weil Verschwörungstheoretiker im Netz der Polizei gleich Vertuschung vorwarfen, ließ sich vermutlich nicht nur Mrs. Chyrum in London schnell zu Spekulationen hinreißen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck erstattete Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt gegen die Dresdner Polizei, weil Spuren am Tatort angeblich erst 24 Stunden nach dem Fund der Leiche gesichert worden waren.

Nun hat ein Mitbewohner des Toten am Donnerstag ein Geständnis abgelegt. Es habe einen Streit um die „Haushaltsführung“ in der Wohngemeinschaft gegeben, berichtet die Polizei. DNA-Spuren am Tatmesser hatten zu dem jungen Mann geführt.

Jetzt sind alle etwas klüger und formulieren zurückhaltender. Martin Dulig, Landeschef der SPD und stellvertretender Ministerpräsident, meinte: „Ich habe immer davor gewarnt, mit Spekulationen bestimmte Stimmungen anzuheizen. Jetzt geht es darum, an die Angehörigen zu denken und nicht politisches Kapital daraus zu schlagen.“ Christian Hartmann, der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion im sächsischen Landtag, fordert, es sei erforderlich, dass sich all diejenigen, die bisher voreilig Vorwürfe erhoben hätten, bei der Polizei entschuldigten.

..., was sich als Irrtum erwies

Und Sebastian Scheel, Landtagsabgeordneter der Linken: „Das gesellschaftliche Klima in Sachsen, insbesondere in Dresden, ist natürlich nicht sehr positiv. Vor allem bei vielen Flüchtlingen waren natürlich Ängste vorhanden, dass eben ein ausländerfeindlicher Hintergrund da war. Dass das jetzt nicht so ist, macht den Tod nicht besser, man hätte vielleicht etwas vorsichtiger sein können.“

Hagen Husgen, Chef der Gewerkschaft der Polizei in Sachsen, verteidigte noch einmal die Arbeit seiner Dresdner Kollegen. Er mahnte nach dem Geständnis des Mitbewohners Politiker und Medien, in Zukunft kühlen Kopf und Ruhe zu bewahren, anstatt aus dem Bauch heraus Verdächtigungen anzustellen. Husgen: „Man sollte mit Spekulationen sehr, sehr vorsichtig sein.“

Khaled B. soll am Wochenende auf einem Friedhof in Berlin beigesetzt werden.

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