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Katholisches Gymnasium Mariengarden Schüler kämpfen für homosexuellen Referendar

Ein katholisches Privatgymnasium in Nordrhein-Westfalen entscheidet sich gegen die Einstellung eines Referendars, weil er einen Mann heiraten will. Hunderte Schüler protestieren gegen diese Entscheidung.

28.09.2018 08:17

Seit Anfang Oktober 2017 dürfen schwule und lesbische Paare genauso wie heterosexuelle Paare heiraten. Mehr als 10.000 gleichgeschlechtliche Paare trauten sich seit der Einführung der sogenannten „Ehe für alle“, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Standesämtern ergab – wobei einige Gemeinden aus Prinzip darauf verzichten, die Zahl der gleichgeschlechtlichen Ehen gesondert statistisch zu erfassen. Der befürchtete Ansturm auf die Standesämter blieb jedenfalls größtenteils aus, wie sich kurz vor dem einjährigen Jubiläum der „Ehe für alle“ feststellen lässt.

Dass es trotz der Gesetzesänderung noch ein weiter Weg zur gesellschaftlichen Gleichstellung ist, hat auch mit der Stellung der Kirche in Deutschland zu tun, wie ein Fall in Nordrhein-Westfalen zeigt. Das katholische Privatgymnasium Mariengarden in Borken im Münsterland entschied sich gegen die Einstellung eines Referendars, weil er statt einer Frau einen Mann heiraten will. Es sei nicht mehr möglich, ein Arbeitsverhältnis zu beginnen, da die kirchliche Vorstellung von Ehe und Familie mit seinem Lebensentwurf nicht korrespondierten, erklärten Schulleitung und Oblaten-Orden, zu dem das Gymnasium gehört. Sprecher Christoph Heinemann verwies auf das kirchliche Arbeitsrecht, das dem Orden keinen Spielraum lasse.

600 Schüler protestierten am Donnerstag gegen diese Entscheidung. Sie bildeten mit bunten Luftballons eine Regenbogenflagge auf dem Schulhof, traditionelles Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung. Auf einem Banner stand „Mariengarden ist bunt“. An seiner Entscheidung will der Oblaten-Orden ungeachtet der Proteste festhalten. „Es gibt keine neue Stellungnahmen“, sagte ein Sprecher des Ordens dem Evangelischen Pressedienst. Der Englisch- und Biologielehrer hat nach einem Bericht von „Spiegel online“ mittlerweile eine Stelle an einer staatlichen Schule gefunden.

Kritische Stimmen kommen nicht nur von Schülern und Eltern, sondern auch von der Schulleitung. „Wir wollten ihn von Seiten der Schule gerne halten“, betonte Schulleiter Michael Brands. Jetzt müsse man in Borken ausbaden, „was meiner Meinung nach in der Kirche geändert werden müsste“. Eine Stellungnahme auf der Internetseite der Schule reagiert auf das große Echo in den Medien und hält fest: „[W]ir wollen eine offene Schule bleiben!“

Das Grundgesetz gesteht den Kirchen ein weitgehendes Selbstbestimmungsrecht zu. Von ihren Mitarbeitern erwartet die katholische Kirche eine Übereinstimmung mit ihren Glaubens- und Moralvorstellungen auch im Privatleben. Ein Verstoß gegen diese Loyalitätspflichten kann abgestufte arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung nach sich ziehen. Allerdings sieht die 2015 reformierte Grundordnung der Kirche vor, dass nur seelsorgenahe und bischöflich besonders beauftragte Mitarbeiter bei Eingehen einer Lebenspartnerschaft oder Wiederheirat mit Folgen rechnen müssen. Dabei gibt es aber Ermessensspielräume, welche Beschäftigten verkündigungsnah arbeiten. (pasc/dpa/epd/kna)

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