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Katholische Kirche Ruf nach Abschaffung des Pflichtzölibats

Die Bischofskonferenz reagiert verhalten auf einen Reformappell deutschsprachiger Theologen. Inzwischen verlangen mehr als 150 Professoren unter anderem die Abschaffung des Pflichtzölibats und die Öffnung geistlicher Ämter für Frauen.

Priesteranwärter falten während ihrer Weihe zum Priester die Hände. Foto: dpa

Die deutsche Bischofskonferenz hat verhalten auf einen Reformappell deutschsprachiger Theologen reagiert. In einer ungewöhnlich einmütigen Aktion verlangen inzwischen mehr als 150 Professoren unter anderem die Abschaffung des Pflichtzölibats und die Öffnung der geistlichen Ämter für Frauen. Nach dem Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche in Deutschland in eine "einzigartige Krise gestürzt" habe, seien tief greifende Reformen notwendig.

Der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, begrüßte die Initiative der Theologen als ein Signal, dass diese sich am "Gespräch über die Zukunft von Glauben und Kirche in Deutschland beteiligen" wollten. Er verwies aber auch auf gegenteilige Festlegungen des kirchlichen Lehramts, etwa zum Frauenpriestertum oder zu homosexuellen Beziehungen. "Man benötigt ja mehr als nur ein Entgegenkommen der Bischöfe, um den in der Tat schwierigen Herausforderungen der Kirche in Deutschland zu begegnen."

Die Autoren des Memorandums warnen dagegen in scharfer Form davor, dass die "vielleicht letzte Chance zu einem Aufbruch durch Aussitzen oder Kleinreden der Krise verspielt" werde und sprechen von der Gefahr der Grabesruhe. "Die Unruhe eines offenen Dialogs ohne Tabus ist nicht allen geheuer, schon gar nicht wenn ein Papstbesuch bevorsteht", schreiben die Autoren mit Blick auf die Reise Papst Benedikts XVI. nach Deutschland. Die Unterzeichner des Papiers vertreten nach den Worten einer Mitinitiatorin, der Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins, etwa ein Drittel der Hochschullehrer im deutschsprachigen Raum. Der Frankfurter Jesuit Friedhelm Mennekes sprach von einem "Befreiungsschlag".

Geistliche würden "verheizt", so die Theologen


Zu den zentralen Forderungen des Papiers gehört auch, die Gemeinden in die Auswahl von Bischöfen und Pfarrern einzubeziehen. Unter dem Druck des Priestermangels würden immer größere Pfarreien gebildet und die Geistlichen "verheizt", kritisieren die Theologen. Sie wehren sich gegen eine Bevormundung der Gläubigen durch die Amtskirche. Diese müsse die Gewissensfreiheit der Gläubigen auch in deren individueller Lebensgestaltung akzeptieren. Konkret sollten homosexuelle Paare und wiederverheiratete Geschiedene nicht länger ausgeschlossen und ausgegrenzt werden. Die Theologen warnen auch vor Traditionalismus und Zentralismus im Gottesdienst.

Damit sind nach den Worten des Tübinger Dogmatikers Peter Hünermann die "Druckstellen bezeichnet, die wirklich weh tun". Darüber müssten die Bischöfe in den von ihnen angebotenen Dialog eintreten. Es könne nicht angehen, die Gläubigen mit spektakulären Großevents wie dem Papstbesuch oder dem "Eucharistischen Weltkongress" 2013 in Köln abzuspeisen, so Hünermann zur FR. Er brachte das Memorandum auch in Verbindung mit einem Appell katholischer CDU-Politiker, das Priesteramt für verheiratete Männer - so genannte "viri probati" - zu öffnen.

Die Bischofskonferenz hatte die Debatte über diese Frage als nicht dringlich bezeichnet. Dagegen meinte die Münsteraner Theologin Heimbach-Steins, aus Gesprächen mit einzelnen Bischöfen wisse sie, dass es Unterstützung für die Anliegen der Theologen gebe. "Diejenigen aber, die sich vor Unruhe in der Kirche fürchten, fürchten sich natürlich auch vor solch einem Text." Die Bremser dürften nicht die Oberhand gewinnen. "Wir wollen endlich Bewegung."

Ein ähnlich spektakuläres Dokument ist mehr als 20 Jahre alt. 1989 protestierten mehr als 200 Hochschullehrer in der "Kölner Erklärung" gegen den autoritären Führungsstil Papst Johannes Pauls II., nachdem dieser unter Umgehung aller Regularien den damaligen Berliner Bischof, Kardinal Joachim Meisner, als Erzbischof in Köln durchgesetzt hatte. Gegen Unterzeichner der Erklärung setzte in Teilen des kirchlichen Establishments eine Art Hexenjagd ein. Auch jetzt gehöre "eine Portion innerer Freiheit" dazu, den aktuellen Reformaufruf zu unterschreiben, sagte Hünermann. Allerdings rechne er nicht wirklich mit Repressalien. "Dafür ist die Lage der Kirche inzwischen zu dramatisch. Es ist doch mit Händen zu greifen, dass etwas passieren muss."

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