Lade Inhalte...

Katholikentag Von Feindbildern und Minderheiten

Streit über Kommunion und Kreuze: In Münster geht ein bewegter Katholikentag zuende.

Katholikentag
„Wir sind mitten in der Welt“, sagt Kardinal Reinhard Marx im Schlussgottesdienst. Foto: dpa

Mit einem Bekenntnis zum politischen Engagement der Christen und dem Appell zu Fortschritten in der Ökumene ist der 101. Deutsche Katholikentag in Münster zu Ende gegangen. „Wir sind mitten in der Welt“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, im Schlussgottesdienst mit mehr als 30.000 Gläubigen. In Münster, wo sich seit Mittwoch 80.000 Menschen zum größten Katholikentag seit fast 30 Jahren versammelt hatten, sei das Bemühen um die Einheit der Kirchen sehr deutlich spürbar gewesen. „Um diese Einheit müssen auch wir Bischöfe uns bemühen“, fügte Marx hinzu, begleitet von starkem Beifall. 

Er spielte damit auf den aktuellen Streit in der Bischofskonferenz über die Zulassung von Protestanten zur Kommunion an. Gegen eine entsprechende „pastorale Handreichung“ hatten sich sieben Oberhirten unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Woelki mit einem Brief hilfesuchend an den Vatikan gewandt. 

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf forderte ein Einlenken dieser Minderheit. „Wir müssen heraus aus dieser Logik der Unterstellung und des Verdachts, die so tut, als wäre die Mehrheitsposition lehramtlich nicht mehr in der Spur“, sagte Kohlgraf der Frankfurter Rundschau. Durch den Brief der Sieben fühle er sich auch „persönlich getroffen“, insofern darin vor einer Gefährdung des Glaubens und der Kircheneinheit gewarnt werde. „Wenn ich den Papst richtig verstehe, dann sieht er diese Gefahr nicht“, sagte Kohlgraf. Franziskus erwarte eine möglichst einmütige Haltung der Bischöfe. „Einstimmigkeit bedeutet das schon einmal nicht“, unterstrich Kohlgraf. „Ich stelle mir vor, dass wir über unsere Handreichung noch einmal so diskutieren, dass die Minderheit nicht das Gesicht verliert, aber auch keinem der anderen mehr das Katholischsein abspricht.“ 

In einer der mehr als 1000, meist sehr gut besuchten Veranstaltungen des Katholikentags war am Samstag erstmals ein Vertreter der AfD aufgetreten. In der von Gegendemonstrationen und Protesten im Saal begleiteten Podiumsdiskussion mit den kirchenpolitischen Sprechern aller im Bundestag vertretenen Parteien vertrat der AfD-Politiker Volker Münz die Auffassung, die Kirchen hätten sich aus gesellschaftspolitischen Fragen komplett herauszuhalten. Dagegen verwies Christian Hirte (CDU) auf den „Löwen von Münster,“ Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878 bis 1946), und dessen Widerstand gegen das Euthanasie-Programm der Nazis. Von Galen sei einer gewesen, der sich als Christ nicht herausgehalten hätte.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, verteidigte nochmals die Einladung an Münz. Alles andere hätte die Aufmerksamkeit für den AfD-Mann unnötig erhöht. „So konnte er halt dabei sein, aber ich bleibe auch bei meiner Bewertung dieser Partei und sage: leider.“ 

In der Stadt des Westfälischen Friedens, mit dem 1648 der Dreißigjährige Krieg beendet wurde, sagte Sternberg Politikern die Unterstützung der Christen zu, „die Verträge zwischen Staaten mühsam erarbeiten und zu deren Ergebnissen stehen“. Das ZdK als Veranstalter der Katholikentage hatte für Münster das biblische Motto „Suche Frieden“ gewählt. Die Themen Frieden und Dialog standen so auch im Zentrum des Programms. Zur Rolle der Kirchen und nicht-christlicher Glaubensgemeinschaften sagte Sternberg, „richtig gelebte Religionen“ seien „nicht Ursache von Krieg, sondern Motoren des Friedens“.

Zu den politischen Streitfragen, die auf dem Katholikentag erörtert wurden, gehörte auch der Beschluss des bayrischen Kabinetts unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU), in allen Amtsgebäuden des Freistaats Kreuze aufzuhängen. Bischof Kohlgraf wies dieses Ansinnen im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau als ausgrenzend, abwertend und gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zurück. „Ich sehe jetzt die Folgen von Söders Beschluss. Mich erreichen ausschließlich Reaktionen von der Art, ‚Gottseidank zeigt’s mal einer diesen Muslimen und den Gottlosen‘.“ Das sei genau der Punkt, warum er sich gegen das Vorgehen in Bayern wehre. „Es kann es nicht sein, dass unter Zuhilfenahme des Kreuzes die Feindbilder größer, die Töne aggressiver und die Risse tiefer werden – bis hin zur Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft“, so Kohlgraf.

Die Kritik von CSU-Politikern, die Bischöfe stünden nicht mehr zum Kreuz, indem sie sich von Söders Kurs distanzierten, nannte er „kompletten Unsinn“. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen