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Katar-Krise Trumps Mitschuld am Katar-Konflikt

US-Präsident Trump unterstützt Saudi-Arabiens Führungsanspruch im Mittleren Osten und befeuert weiter den Konflikt mit Katar.

Skyline von Doha
Katar wirkt oberflächlich betrachtet sehr modern, doch hinter den Glasfassaden der Hochhäuser regieren ultrakonservative Männer. Foto: epa

Der Präsident war bester Laune. Eingerahmt von einer Reihe Scheichs in weißen Gewändern wippte Donald Trump beschwingt zum arabischen Gesang – in der rechten Hand einen großen Säbel. „Das ist wunderbar“, sagte er zu seiner Frau Melania. Mit seinem Besuch in Saudi-Arabien war der amerikanische Präsident sichtlich zufrieden: Nicht nur ein großer Waffendeal wurde eingefädelt, auch im gemeinsamen Kampf gegen den Terror sei man mächtig weitergekommen, lobte er sich.

Knapp drei Wochen später ist in der Golfregion die schwerste diplomatische Krise seit Jahren ausgebrochen, und nicht wenige sehen Trump als entscheidenden Katalysator. Zwar sind die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Katar nicht neu. Auch steht das reiche Mini-Emirat seit langem im Verdacht, die radikale Muslimbrüderschaft zu unterstützen und allzu gute Drähte zum Iran zu unterhalten. Doch glauben Experten, dass Trump mit seiner klaren Parteinahme für Saudi-Arabien dessen Dominanzgelüste im Mittleren Osten befeuert und damit die Region tendenziell eher destabilisieren wird.

„Während meiner Reise in den Mittleren Osten habe ich betont, dass radikale Ideologien nicht länger finanziert werden dürfen“, twitterte Trump am Dienstag triumphierend: „Die Führer haben auf Katar gezeigt – und siehe da!“ Kenner der Region sehen den Effekt nicht so positiv. Trump habe Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ermuntert, die Region „in einer Weise umzuformen, wie sie es seit langem wollen“, sagte Karen Young vom Arab Gulf States Institute in Washington der „Washington Post“. Ihr Kollege Randa Slim vom Middle East Institute in Washington äußerte in der „New York Times“ ernste Zweifel, ob Trump überblicke, was er gerade anrichte: „Er könnte die amerikanischen Bemühungen, eine breitere Koalition im Kampf gegen den Terror zu schmieden, beschädigen und einen Verbündeten schwächen, der eine wichtige Kommandozentrale für den amerikanischen Kampf gegen die Terrororganisation IS beheimatet.“

Tatsächlich unterhält die US-Armee in der Wüste westlich von Katars hypermoderner Hauptstadt Doha ihren wichtigsten Stützpunkt im Mittleren Osten. Offiziell betreiben die Luftstreitkräfte Katars die Militärbasis Al-Udeid mit der längsten Start- und Landebahn in der Golfregion. Doch sind in Al-Udeid mehr als 10 000 amerikanische Soldaten stationiert. Auch der US-Militärschlag gegen syrische Stellungen nach dem Giftgasangriff wurde von dort aus koordiniert.

Entsprechend beschwichtigende Töne kamen dann auch eilig aus Australien, wo US-Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister Jim Mattis gerade auf gemeinsamer Tour in denkbar weiter Entfernung vom Ort des Geschehens weilen. Er sei zuversichtlich, dass der Konflikt um Katar den Kampf der Anti-IS-Koalition gegen die Terrororganisation nicht beeinträchtigen werde, erklärte Mattis eilig.

Trump heizt die Stimmung weiter an - Kuwait will beruhigen

Auch in Washington wird offiziell verlautbart, der amerikanische Präsident wolle den Konflikt beruhigen. Doch bislang weisen die Botschaften des Präsidenten in eine andere Richtung. In einer Serie von Twitter-Meldungen ermunterte er indirekt weitere Staaten, die Verbindungen zu Katar abzubrechen: „Das könnte der Anfang vom Ende des Horrors des Terrorismus sein.“

In dieser diplomatisch aufgeheizten Stimmung versucht zumindest Kuweit, die Streithähne am Golf zu beruhigen. Kuwaits Emir Sabah al-Ahmed al-Dschabir al-Sabah bemühte sich um Vermittlung in dem Streit. Er telefonierte am Montagabend mit seinem katarischen Kollegen Tamim bin Hamad Al Thani und forderte diesen nach Angaben der Agentur Kuna auf, den Bemühungen um Entspannung „zwischen Brüdern“ eine Chance zu geben. Am Dienstag reiste Al-Sabah nach Riad.

Kuwait ist in der Vergangenheit bereits häufiger als Schlichter aufgetreten. So vermittelte das Land im Jahr 2014, als Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Botschafter aus Katar abzogen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Katar

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