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Katalonien Carles Puigdemont dankt den Deutschen

Der katalanische Separatistenführer Carles Puigdemont verlässt Berlin mit einem medienwirksamem Auftritt.

Carles Puigdemont
Posen für die Kamera: Carles Puigdemont (hinten im blauen Anzug) mit Unterstützern in Berlin. Foto: rtr

Bevor sich Europas bekanntester Separatist von dem Land verabschiedet, in dem er vier Monate zubringen musste, bedankt sich Carles Puigdemont ausgerechnet bei Gefängniswärtern. Die haben ihn Ende März nach seiner Festnahme auf der A 7 in der JVA Neumünster bewacht. Aber der ehemalige Regionalpräsident Kataloniens findet, dass sie ihn gut behandelt haben. So wie viele Menschen in diesem Land.

„Ich danke den Deutschen, die mich mit viel Respekt aufgenommen und mich wohlwollend behandelt haben“, sagt Puigdemont am Mittwoch in der Bundespressekonferenz in Berlin. Es ist ein wohlinszenierter Abschied. Puigdemont nutzt die nachrichtenarme Zeit, um noch einmal für die Unabhängigkeit seiner Heimat von Spanien zu trommeln.

Puigdemont kehrt nach Brüssel zurück

Am Samstag will Puigdemont nach Brüssel zurückkehren, wohin er sich im Herbst 2017 nach dem verbotenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien abgesetzt hatte. Er kann das jetzt wieder sorglos machen. Eine erneute Festnahme droht ihm nicht mehr. Denn das Oberste Gericht in Spanien verzichtet auf die Auslieferung des 55-Jährigen.

Nur nach Spanien sollte Puigdemont weiter nicht einreisen. Aber dem Eindruck nach zu schließen, den der Separatistenführer aus Barcelona am Mittwoch macht, will er das auch vorerst nicht. Dort droht ihm wegen des Vorwurfs der Rebellion eine Gefängnisstrafe von bis zu 30 Jahren. Auch hat ihm die spanische Justiz das Abgeordnetenmandat im katalanischen Parlament faktisch entzogen und die Bezüge gesperrt. Doch Puigdemont ist offenbar nicht in Geldsorgen. Während seines Auftritts sagt er, er bekomme „viel Unterstützung aus Katalonien, auch finanzieller Art“.

Puigdemont trägt an diesem Tag eine gelbe Schleife im Revers eines Jacketts. Es ist das Symbol der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung, die den 55-jährigen ehemaligen Regionalpräsidenten weiter als wichtigen Akteur wahrnimmt. Puigdemonts Nachfolger in Barcelona, Quim Torra, etwa sagt, Puigdemont sei weiter der „legitime“ Regionalpräsident.

Puigdemont war früher Journalist, er kann griffig formulieren. Er sagt, das müsse man sich einmal vorstellen: Die spanische Regierung habe in der Vergangenheit sogar mit den Terroristen der baskischen ETA verhandelt. Aber mit den Befürwortern der katalanischen Unabhängigkeit wolle sie das nicht tun. Er dagegen sei „immer bereit, mit allen zu sprechen, auch mit der spanischen Regierung“, so Puigdemont.

Puigdemont will weiter kämpfen

Der Konflikt zwischen Spanien und Katalonien ist auch ein Streit um unterschiedliche Prinzipien. Die spanische Zentralregierung argumentiert, die Unabhängigkeitserklärung einer Region sei nicht von der Verfassung gedeckt. Die Gerichte in Spanien haben sich bislang auf die Seite der Regierung gestellt. Dagegen sagt Puigdemont, die Katalanen hätten das Recht auf Selbstbestimmung. Auch die spanische Zentralregierung müsse das respektieren. Auch wenn sich durch den Regierungswechsel in Madrid vom konservativen Mariano Rajoy zum Sozialisten Pedro Sanchéz das Klima etwas verbessert habe, sagt der Separatist im Exil: „Es ist keine Zeit mehr für Gesten, sondern für Fakten.“ Und das sei die katalanische Unabhängigkeit.

Dafür will Puigdemont weiter kämpfen. Er hat die Bewegung Nationaler Ruf für die Republik (Crida Nacional per la República) gegründet, mit der er von Brüssel aus die Loslösung Kataloniens von Spanien betreiben will. An institutionellen Unterstützern mangelt es allerdings. Die Bundesregierung etwa hat den Kontakt mit Puigdemont in den vergangenen vier Monaten gescheut. Sie steht auf dem Standpunkt, dass der Konflikt eine spanische Angelegenheit ist. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die katalanische Unabhängigkeitsbewegung auf andere Regionen in Europa ausstrahlt. Dagegen wehrt sich Puigdemont, der sagt: „Die katalanische Frage ist eine europäische Frage.“

Auf Nachfragen räumt Puigdemont dann aber ein, dass er von keiner einzigen Regierung der noch 28 EU-Mitgliedstaaten unterstützt wird. Aber er sagt auch: „Wir bekommen sehr, sehr viel Unterstützung von den Bürgern aus ganz Europa. Und das ist eine gute Nachricht.“

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