Lade Inhalte...

Kasernen Helden und Hassobjekte

Jakob Knab kämpft seit Anfang der 90er Jahre für die Befreiung der Kasernen von Namen umstrittener Wehrmachtssoldaten. Deswegen erhielt er sogar Morddrohungen.

Fahneneid
Angehörige des Wachbataillons leisten ihren Fahneneid. Foto: rtr

Im seit Februar kursierenden Entwurf für den neuen Traditionserlass der Bundeswehr steht: „Die Benennung von (…) Kasernen und Verbänden/Dienststellen stärkt die Identifikation sowie Bindungen und  ist Teil der Traditionspflege der Bundeswehr.“

Was da so höchst allgemein und also ziemlich unangreifbar formuliert ist, kaschiert eine der gefährlichsten Schwachstellen der Bundeswehr: ihre Außenwirkung – und zwar die, an der kein Presseoffizier und kein Marketing-Experte groß was tun kann, bis etwas schief gegangen ist. Kasernen stehen nun mal einfach so in der Landschaft und können weder weg- noch schöngeredet werden. Vor allem, wenn sie plötzlich als Horte antidemokratischen Ungeistes im Licht der Öffentlichkeit stehen. Das ist leider schon Tradition bei der Bundeswehr. Allein für die Zeit seit 1995 hat der linke Aktivist Jakob Knab, Sprecher der „Initiative gegen falsche Glorie“, gut zwei Dutzend Umbenennungen dokumentiert. Knabs Initiative kümmert sich seit vielen Jahren darum, Kasernen von Namen umstrittener Wehrmachtssoldaten zu befreien. Anfang der 90er Jahre führten solche Debatten regelmäßig zu wahren Kulturkämpfen – so etwa im bayerischen Füssen, wo 1995 die nach dem Nazi-Offizier Eduard Dietl benannte Kaserne den neuen Namen „Allgäu-Kaserne“ bekam. 

„Ich bekam Morddrohungen und wurde übel beschimpft“, sagt Knab. Schließlich hatten in Füssen Jahrgang um Jahrgang an Gebirgsjäger-Rekruten aus traditionell konservativen Familien ihren Dienst versehen – Probleme mit einem sehnigen wettergegerbten Hochgebirgsbewohners, einem kernigen Kameraden im Generalsrang als Namenspatron? Nicht die Spur. Bis Dietls übler Rassismus und aggressiver Nationalsozialismus publik wurden.

Diverse andere politisch zweifelhafte Militärs hat die Bundeswehr ebenfalls aus ihrem Namensregister gestrichen: den Kolonialkrieger Paul von Lettow-Vorbeck (seit 2010 „Evenburg-Kaserne“ in Leer), den NS-Flieger Werner Mölders (seit 2005 „Kaserne Lehnsheide“ in Visselhövede), den Antisemiten und Partisanen-Bekämpfer Rudolf Konrad (seit 2012 „Hochstaufen-Kaserne“ in Bad Reichenhall) und noch einige mehr.

Aber noch immer listet die Falsche-Glorie-Initiative ein gutes Dutzend mindestens bedenklicher in Nutzung befindlicher Kasernen-Namen. Es gibt noch einiges zu tun für die Bundeswehr.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen