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Kanzlerkandidatur Schulz hat weiter die besseren Chancen

Martin Schulz hat angeblich seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur angedeutet - dabei hat er laut Analysten bessere Aussichten auf Erfolg als Sigmar Gabriel.

SPD-Chef Sigmar Gabriel (r.) hat die schlechteren Umfragewerte. Foto: REUTERS

Der Politikberater und ehemalige Wahlkampfmanager von Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber im Jahr 2002, Michael Spreng, hat vor einer Nominierung des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel zum Kanzlerkandidaten gewarnt. Er reagierte damit auf einen Bericht des Magazins Der Spiegel, demzufolge der scheidende EU-Parlamentspräsident und Gabriel-Konkurrent vor Parteimitgliedern zu erkennen gegeben haben soll, nicht mehr mit einer eigenen Kanzlerkandidatur im Herbst 2017 zu rechnen.

„Das ist keine Wählerlösung, sondern eine Parteilösung“, sagte Spreng. „Sigmar Gabriel gehört zu den unpopulärsten deutschen Politikern. Er ist in der Partei verankert, aber nicht in der Bevölkerung.“ Schulz „kann über 20 Prozent hinausgreifen. Das kann Gabriel eher nicht. Sein Image des Unberechenbaren und Sprunghaften ist in einem dreiviertel Jahr nicht weg zu kriegen.“ Tatsächlich liegt Schulz in Umfragen klar vor Gabriel.

Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Mentefactum, zeigte sich ebenfalls skeptisch. „Gabriel ist zuletzt sehr gewachsen und zum Staatsmann geworden“, erklärte er dieser Zeitung. „Er hat aber nicht den Rückhalt der verbliebenen SPD-Wähler.“

Vor allem für Linke sei er nicht attraktiv. Schulz hingegen sei zwar relativ unbekannt und habe sich als Europapolitiker profiliert, was aus Sicht vieler Wähler heikel sei. Allerdings bewerteten jene Menschen, die den Gabriel-Konkurrenten näher kennen lernten, ihn meist positiv. Schulz könne für die SPD deshalb ein guter Kandidat sein, so Schöppner – nur nicht jetzt, sondern erst in zwei Jahren, wenn sein Bekanntheitsgrad höher sei. Aktuell gebe es für die Sozialdemokraten „keine optimale Lösung“.

Wenn Gabriel will, wird er es

Aus der Partei äußerte sich der stellvertretende Vorsitzenden Ralf Stegner – mit dem knappen Hinweis, dass wie angekündigt im Januar entschieden werde. Der Sprecher des Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, sagte dieser Zeitung: „Ich sehe keine neue Entwicklung – außer dem, was ohnehin bekannt war. Und bekannt war, dass Sigmar Gabriel will.“

Mehrere andere prominente Genossen wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Dass Schulz mutmaßlich resigniert hat, gilt freilich nicht als Garantie dafür, dass Gabriel es wird. Noch immer wird ein Verzicht des Parteichefs – aus gesundheitlichen Gründen oder weil er die eigenen Erfolgschancen als gering einschätzt – nicht ausgeschlossen. Dann wäre aller Voraussicht nach doch Schulz am Zug – oder, mit Außenseiterchancen, der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz. Fest steht lediglich, dass Gabriel allgemein „das erste Zugriffsrecht“ zugebilligt wird. Das bedeutet: Wenn er will, dann wird es auch.

Vonseiten der Gabriel-Kritiker wurde am Freitag Resignation laut. Der ganze Verlauf der Kandidatensuche müsse auf Wähler abschreckend wirken, hieß es. Im Übrigen wünschten sich sowohl die Bevölkerung als auch die größten Teile der Partei Schulz. Mit Umfragewerten, wie Gabriel sie habe, könne man sich sowieso nur selbst vorschlagen.

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