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Kanada Polizei wehrt sich gegen lockeres Waffengesetz

Die kanadische Regierung will Jagd- und Sportgewehre nicht mehr registrieren. Im Register seien nur "gesetzestreue Entenjäger“ gelistet, wird der Vorstoß verteidigt. Die Polizei ist trotzdem dagegen.

24.08.2010 16:58
Gerd Braune

In Kanadas Polizei formiert sich Widerstand gegen das Vorhaben der konservativen Regierung, die Schusswaffenkontrolle zu lockern. Auf Betreiben der Konservativen von Premierminister Stephen Harper soll die Registrierung von Langwaffen – zu denen vor allem Jagd- und Sportgewehre gehören und die legal im Handel sind – abgeschafft werden. Die Meldepflicht für Pistolen und Revolver, automatische und halbautomatische Waffen soll bestehen bleiben.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Polizeichefs der kanadischen Städte, Torontos Polizeichef Bill Blair, nannte es frustrierend, dass ein effizientes Waffenregister abgeschafft werden soll, das der Sicherheit in den kanadischen Gemeinden diene. Mit einer Öffentlichkeitskampagne will sich die Polizei nun für die Langwaffen-Registrierung einsetzen. Sie stellt sich damit gegen ein Gesetzesvorhaben, das bereits die zweite Lesung passierte.

Widerstand der Polizeichefs

Bemerkenswert ist, dass sich die Führungsspitze einer grundsätzlich konservativ gesinnten Berufsgruppe gegen eine „Law-and-Order“-Regierung stellt. Die Registrierung der Langwaffen ist in ländlichen Gebieten und Regionen der Ureinwohner unpopulär, weil dort viele Menschen regelmäßig jagen. Auf liberale und sozialdemokratische Abgeordnete in ländlichen Wahlkreisen wurde Druck ausgeübt, die Lockerung des Waffenrechts passieren zu lassen. Laut Harper verfolge das Register nur „gesetzestreue Entenjäger und Farmer“.

Die Polizeichefs aber sprachen sich auf ihrer Jahreskonferenz in Edmonton einstimmig für die Beibehaltung der Langwaffen-Registrierung aus. Blair sagte, seine Organisation nehme nicht parteipolitisch Position, machte aber klar: „Unsere Absicht ist, für öffentliche Sicherheit einzutreten.“ Der Vereinigung gehören 428 Polizeichefs an, die nach Angaben der Organisation mehr als 90 Prozent der Polizisten Kanadas vertreten.

In Kanada müssen Waffenbesitzer einen Waffenschein haben, den sie nur nach Überprüfung durch die Polizei bekommen. 1995 wurden die 2,2 Millionen Waffenbesitzer zudem verpflichtet, alle Waffen registrieren zu lassen. Dadurch kann die Polizei nachvollziehen, wer welche Waffen besitzt und wo sie aufbewahrt werden. Bisher wurden 7,35 Millionen Feuerwaffen erfasst.

Die Polizei müsste die Daten mehrerer Millionen Gewehre löschen, sollte das Gesetzesvorhaben in der dritten Lesung eine Mehrheit bekommen. Besonders bei häuslicher Gewalt, Anschlägen auf Polizisten und Selbsttötungen würden Gewehre verwendet, die dann nicht mehr registriert würden, sagt Wendy Cukier, Präsidentin der Koalition für Schusswaffenkontrolle.

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