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Kampf gegen IS Israelin kämpft gegen den IS

Die Israelin Gill Rosenberg kämpft mehrere Monate lang zusammen mit den Kurden gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Nun kehrt die 32-Jährige nach Israel zurück. Der Geheimdienst stellt ihr unangenehme Fragen.

Eine Heldin? Gill Rosenberg. Foto: REUTERS

Die einen halten sie für eine wagemutige Heldin, die anderen für eine leichtsinnige Abenteurerin. Dass Gill Rosenberg, eine 32-jährige, aus Kanada eingewanderte Israelin, es gut meinte, als sie vorigen Herbst aufbrach, um an der Seite der Kurden gegen den IS zu kämpfen, daran zweifelt keiner. Israelische Geheimdienstler indes dürften froh sein, dass Rosenberg seit Sonntag unverletzt zurück ist.

Eine israelische Geisel in Händen von IS-Dschihadisten hätte dem Mossad gerade noch gefehlt. Die Kollegen vom Inlandsgeheimdienst Schin Beth haben Rosenberg nach ihrer Landung in Tel Aviv auch ein paar unangenehme Fragen gestellt. Zumal schon ihre Reise nach Syrien und Irak, nach israelischer Definition Feindesstaaten, geltendes Gesetz verletzt hat. „Aber was können sie groß machen“, gab sich Rosenberg im Gespräch mit Journalisten keck. „Es sähe doch ziemlich übel aus, wenn die israelische Regierung jemanden festnehmen würde, der gegen Terroristen gekämpft hat.“ Ihr Motiv erklärte Rosenberg so: Es sei ihr unmöglich gewesen nichts zu tun, angesichts des Genozids an den wegen ihrer Religion verfolgten Minderheiten in Syrien und Irak.

„Erst mal den Kopf frei kriegen“

Also beschloss sie, auf eigene Faust über Amman in die Kurdenstadt Erbil zu fliegen, überzeugt, dass eine ausländische Unterstützerin die Kampfmoral der Peschmerga heben werde. Dank drei Jahren Militärdienst als Freiwillige in einer israelischen Rettungseinheit beherrschte sie zumindest den Umgang mit der Waffe. Ihre höheren Kommandanten hätten gewusst, wo sie das gelernt habe: „Als Kurden haben sie kein Problem mit Israel.“

Als „ziemlich miserabel“ beschrieb sie das Leben an der eher statischen Front, wo sich ihre Einheit, bestehend aus wenigen weiblichen und einem Dutzend männlicher Peschmerga-Kämpfer, in verlassenen Häusern verschanzt habe. „Daesch“, wie Rosenberg den IS bei seinem arabischen Namen nannte, habe wegen seiner dicken Finanzpolster nonstop Katjuscha-Raketen und Anti-Panzerfäuste abschießen können. „Wir dagegen“, also die kurdischen Krieger, „mussten uns genau überlegen, was wir zurückfeuern konnten.“

Nein, Angst habe sie sich nicht erlaubt. Aber als sie erfuhr, über Internet werde die Falschmeldung verbreitet, der IS habe sie entführt oder gar getötet, war ihr Schrecken riesig. Im Facebook kursierten bereits Einträge von Freunden, die sie nicht mehr unter den Lebenden wähnten. „Das zu lesen, ohne ihnen antworten zu können, dass ich okay bin, war der Hauptgrund für meine Rückkehr.“ Mit den Ausschlag gab die Besorgnis, dass das Vorrücken iranischer Truppen für sie als Israelin besondere Risiken mit sich bringe und für ihre Kameraden in den kurdischen Dörfern dazu.

Was als Nächstes komme? Von Krieg und Abenteuern hat Rosenberg, die sich früher mal in betrügerische Geschäfte ziehen ließ und in den USA im Knast saß, genug: „Erst mal den Kopf frei kriegen. Und dann vielleicht was Humanitäres.“

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