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Kampf gegen Antisemitismus „Eine klare Haltung vorleben“

Saba-Nur Cheema, Expertin der Bildungsstätte Anne Frank, über Antisemitismus an Schulen, Gespräche mit Jugendlichen und nötige Kompetenzen der Lehrer.

Pädagogen
Schüler brauchen souveräne Pädagogen, die klug widersprechen können. Foto: imago

Wie können Lehrkräfte souveräner mit dem Thema umgehen?
Es braucht so dringend eine bessere Ausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer für das Thema. Ganz unabhängig von ihrem Fach, egal ob Chemielehrer oder Geschichtslehrer, müssen sie Kompetenzen im Umgang mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen entwickeln. Das Thema betrifft alle, die gesamte Gesellschaft. Wer hier nur auf migrantische Jugendliche schaut, sieht die Ausmaße nicht. Zugleich darf man das auch nicht relativieren, in dem man auf bestimmte Gruppe nicht genau hinschaut, der Antisemitismus in migrantischen Gruppen ist ja nicht weniger schlimm, weil es ihn überall gibt.

Der Zentralrat der Muslime schlägt jetzt vor, dass Imame und Rabbiner gemeinsam in Schulen das Gespräch mit Schülern suchen. Was halten Sie davon?
Das ist ein guter Ansatz, Begegnungen können helfen, Vorurteile abzubauen. Aber wir verfolgen ein anderes Konzept. Schulen müssen eine klare Haltung vorleben. Sie müssen intervenieren, ganz gleich ob Betroffene an den Schulen sind oder nicht. Ein Schulleiter erzählte mir einmal, dass sie beim Begriff „Jude“ als Schimpfwort nicht eingreifen, weil es bei ihnen keine jüdischen Schüler gab. Das ist natürlich fatal. Beschimpfungen gehen nicht, ganz gleich ob Betroffene im Raum sind oder nicht. Trotzdem ist es wichtig, zwischen Jugendlichem persönlich und seinen Äußerungen zu differenzieren. Jugendliche sind veränderungsfähig. Sie sehen Dinge eher ein, wenn sie nicht persönlich kritisiert werden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Frankreich

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