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Kabul Taliban greifen Söldnerhotel an

Vor einem Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul explodiert eine Bombe, zwei Taliban-Kämpfer und ein Polizist sterben.

Ein afghanischer Soldat nach dem Taliban-Angriff in Kabul. Foto: dpa

Ihren Lastwagen hatten die Attentäter in eine massive Bombe verwandelt. Die Explosion zerriss den Eingang des sogenannten Northgate Hotels in einem Industriepark am nordöstlichen Rand von Kabul, nur einen Steinwurf von der lokalen Abfüllstation von Coca-Cola Afghanistan entfernt. Die zwei Attentäter versuchten ins Innere einzudringen, wurden aber schnell gestellt und erschossen. Ein Polizist kam ums Leben, drei weitere Wächter laut offiziellen Angaben verletzt.

Mit dem Angriff gelang es Afghanistans radikalislamischen Talibanmilizen ein Thema zu beleuchten, über das westliche Regierungen ebenso gerne schweigen wie Kabul. Sie trafen mit ihrem zweiten Angriff auf das Northgate innerhalb der vergangenen Jahre eine Anlage, die gegenwärtig möglicherweise zum Herzen der westlichen Militäroperationen am Hindukusch gehört.

Das Hotel, das laut eigener Webseite seit dem Jahr 2013 diplomatischen Status genießt, dient überwiegend als Unterkunft für sogenannte „Private Contractors“, wie Söldner heutzutage verschämt genannt werden. Zwischen den Jahren 2001 und Ende 2014 starben fast 1600 von ihnen im Kriegseinsatz am Hindukusch.

Zwischenzeitlich kamen laut Schätzungen auf einen Nato-Soldaten sage und schreibe drei Söldner. Als die USA während der letzten Offensive westlicher Truppen gegen die Taliban 45 000 Soldaten in Afghanistan hatten, wurden sie von 105 000 männlichen und weiblichen Söldnern unterstützt. Im Folterprogamm des US-Geheimdienstes CIA waren zwischenzeitlich 85 Prozent der Angestellten Söldner, die Gefangene quälten.

Millionen für „Contractors“

Zu den Aufgaben der „Contractors“ gehören die Wartung von Flugzeugen, Kampfhubschraubern und Kommunikation. In Sri Lanka wurden Küchenhilfen angeheuert. In Nepal gingen Werber bei den Gurkhas auf Rekrutierungstour.
Erst um die Jahreswende vergab das US-Pentagon einen Vertrag in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an die Söldnertruppe DynCorps. Der Grund: Mit einer Obergrenze von mittlerweile 8400 Soldaten ließen Einheiten wie die 101. Combat Aviation Brigade rund 2000 Soldaten in der Heimat und nur 800 rückten aus. DynCorps übernimmt nun Wartungsaufgaben und andere Arbeiten in der Etappe der Fronttruppe.

Laut der Webseite „Danger Zone Jobs“, einem Webportal für risikofreudige Jobsucher in gefährlichen Weltgegenden, beschäftigt gegenwärtig alleine das US-Verteidigungsministerium 30 455 Contractors in Afghanistan. 10 151 stammen aus den USA, 6586 aus anderen Ländern und etwa 13 700 wurden vor Ort in Afghanistan angeheuert. Gegenüber dem vergangenen Jahr nahm die Zahl der Söldner sogar um 0,8 Prozent zu, während die Zahl der westlichen Soldaten schrumpfte.

Laut „Danger Zone Jobs“ gibt es trotz Abzugs westlicher Truppen und Kürzung von Mitteln dank dem Krieg weiter Verdienstmöglichkeiten am Hindukusch: „70 Prozent der Firmen, die früher in Afghanistan aktiv waren, suchen weiter Leute. Der Fußabdruck von Contractors in Afghanistan wird so lange bleiben, bis die letzten Stützpunkte geschlossen werden.“

Afghanistans Talibanmilizen machen schon lange keinen Unterschied zwischen regulären Soldaten und hoch bezahlten Söldnern, die vorwiegend für das eigene Konto arbeiten. Da viele der Contractors nicht alleine im militärischen Umfeld aktiv sind, sondern auch für Privatfirmen arbeiten, die mit Regierungsaufträgen Hilfsprojekte umsetzen, gerieten während der vergangenen Jahre auch die Mitarbeiter regulärer Hilfsorganisationen vermehrt ins Zielfeuer der Rebellen. Taliban konnten keinen Unterschied zwischen echten Hilfsorganisationen und privaten Hilfsunternehmen erkennen.

Für die Söldner am Hindukusch aber gilt nach der erfolgreichen diesjährigen Sommeroffensive der Taliban: Ihr fröhliches Leben hinter hohen Zäunen, massiven Sicherungsvorkehrungen mit diplomatischem Schutz, Pizzarestaurant und Daiquiris am Swimming Pool könnte im Grab enden.

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