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John McCain Der letzte Republikaner

John McCain war der einzige echte Gegenspieler von Donald Trump bei den Republikanern. Nun ist der 81-Jährige einer Tumorerkrankung erlegen.

John McCain
Der prominente republikanische US-Senator John McCain ist am 25.08.2018 im Alter von 81 Jahren gestorben. Foto: Gerald Herbert

Wenige Stunden, nachdem seine Familie den Abbruch der Chemotherapie bekanntgegeben hatte, stellte jemand das Video ins Internet. Es zeigt den damaligen Präsidentschaftskandidaten bei einer Kundgebung in Minnesota. „Ich kann Obama nicht trauen“, meldet sich eine republikanische Anhängerin zu Wort: „Ich habe über ihn gelesen und er ist nicht… hm…. Er ist ein Araber.“ Da greift John McCain beherzt das Mikrofon, schüttelt den Kopf und sagt: „Nein, meine Dame. Er ist ein ehrenwerter Familienmann und ein Bürger, mit dem ich in zentralen Fragen nicht übereinstimme. Darum geht es in der Kampagne. Er ist kein Araber.“

Zehn Jahre liegt die Szene nun zurück. Doch innerhalb kürzester Zeit wurde der 30-sekündige Clip am Freitag Hunderttausende Mal geteilt. Als der 81-jährige Senator am Samstagnachmittag auf seiner Ranch in Arizona dem aggressiven Tumor erlag, der seit einen Jahr in seinem Kopf wütete, war er nicht nur im Netz längst zum Idol und Helden geworden. „Ein Löwe ist von uns gegangen“, klagte die republikanische Senatorin Susan Collins. So empfinden es sehr viele Menschen in den USA.

Sehr bemerkenswerte Lebensgeschichte

Heroischer Kriegsveteran, Folteropfer der Vietcong, zweimaliger Präsidentschaftskandidat – die bemerkenswerte Lebensgeschichte des konservativen Admiralssohns gibt genug her, um ihn zu einer Legende zu machen. Doch wirklich verständlich ist das bedrückende kollektive Verlustgefühl, das nun die Amerikaner befällt, nur aus dem scharfen Kontrast eines Menschen, der von Charakter, Prinzipien und Selbstdisziplin geprägt war, mit dem derzeitigen Amtsinhaber im Weißen Haus, der den in Gefangenschaft gefolterten Marinepiloten nicht als Kriegshelden bezeichnen wollte. „Ich mag Leute, die nicht gefangen werden, okay?“, sagte Donald Trump.

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt McCain als rechter Hardliner und Relikt des Kalten Krieges. Im vermeintlichen Dienst der Demokratie hat er stets eine interventionistische Politik der USA unterstützt. Bis zuletzt hat er den Irakkrieg verteidigt. Mit der Berufung von Sarah Palin zu seiner Stellvertreterin, die er im Nachhinein als Fehler bezeichnete, hat McCain die Republikaner für Rechtspopulisten geöffnet. Doch als Vertreter des traditionellen Parteiflügels stand er stets für demokratische Werte, freien Handel und liberale Einwanderungsgesetze, die Trump offen bekämpft. 

„So fangen Diktaturen an“ 

Seine Autobiografie, die McCain im Frühjahr, schon sterbenskrank, veröffentlichte, macht den Kontrast überdeutlich: „Er scheint nicht interessiert am moralischen Charakter von Führern und ihren Regierungen“, schrieb der Senator da über den aktuellen Präsidenten: „Der Anschein von Härte scheint ihm mehr als Werte zu bedeuten. Schmeicheln sichert seine Freundschaft, Kritik seine Feindschaft.“ Als Trump in seiner Amtseinführungsrede die Presse als „Feind des Volkes“ diffamierte, kommentierte McCain: „So fangen Diktaturen an.“ Im Juli des vorigen Jahres stimmte er dann im Senat gegen die Gesundheitsreform des Präsidenten. Spätestens damit war die Feindschaft zwischen den Politikern besiegelt.

Eingefleischte Trump-Fans begannen im Internet den Kriegsveteranen, der nach schweren Misshandlungen seine Arme nicht mehr bis zum Kopf heben konnte, zu verhöhnen. Eine Sprecherin des Weißen Hauses kommentierte McCains Kritik an der durch Foltervorwürfe belasteten neuen CIA-Chefin Gina Haspel mit den Worten: „Das ist egal. Der stirbt sowieso.“ Und als Trump kürzlich vor Soldaten eine halbe Stunde lang das nach dem Senator benannte 716-Milliarden-Dollar-Militärausgabengesetz lobte, erwähnte er den Namen McCains nicht ein einziges Mal.

Peinliche Stille von Trump

Denkbar knapp fällt nun auch die Würdigung aus, die der Präsident dem Verstorbenen zukommen lässt. Nur eine Beileidsbekundung für die Familie, die er seiner Gebete versicherte, brachte Trump per Twitter heraus. Hingegen erklärte der ehemalige Präsident George W. Bush: „John McCain war ein Mann von tiefer Überzeugung und ein Patriot höchsten Ranges.“ Und Ex-Präsident Barack Obama betonte, er habe trotz vieler Unterschiede gemeinsame Ideale mit McCain gehabt. Dieser habe dem Land gezeigt, wie man das Wohl der Allgemeinheit über das eigene stellen könne: „Dafür stehen wir alle in seiner Schuld.“

Mit McCains Tod verlieren die Republikaner den prominentesten und angesehensten Kritiker des Präsidenten. Zugleich schrumpft ihre Mehrheit im Senat auf eine einzige Stimme. Kurzfristig könnte das die Nominierungspläne Trumps für den neuen Bundesrichter Brett Kavanaugh verzögern, den die Demokraten verhindern wollen. Mittelfristig wird das Regieren für Trump möglicherweise aber leichter. Nicht nur McCain, der den Verteidigungsausschuss leitete, fällt als mächtiger Gegenspieler weg. Auch Bob Corker, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, tritt bei den Zwischenwahlen im November nicht erneut an. Die beiden potenziellen Nachfolger gelten als deutlich pflegeleichter.

Der Leichnam von John McCain soll nun im Washingtoner Kapitol aufgebahrt werden – eine Ehre, die nur wenigen Senatoren zuteil wird. Die Trauerreden sollen die Ex-Präsidenten Bush und Obama halten, denen er in den Präsidentschaftswahlkämpfen 2000 und 2008 unterlag. Der amtierende Präsident Trump hingegen, hatte der Todkranke erklärt, sei an seinem Grab nicht erwünscht.

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