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Jim Acosta Von weißem Haus verbreitetes Video offenbar manipuliert

Der CNN-Journalist Jim Acosta hat seine Akkreditierung für das Weiße Haus verloren. Wurde ein Video, das ihn angeblich bei einem Schlag auf den Arm einer Praktikantin zeigt, gezielt manipuliert?

09.11.2018 20:34
Pressekonferenz im Weißen Haus
Eine Praktikantin will dem CNN-Journalisten Jim Acosta das Mikrofon abnehmen. In einem Video, das offenbar manipuliert wurde, sieht es aus, als ob Acosta sie schlüge. Foto: rtr

Das Weiße Haus ist in seiner Kontroverse mit einem Großteil der US-Medien in den Verdacht geraten, ein offenbar gezielt manipuliertes Video von dem CNN-Journalisten Jim Acosta veröffentlicht zu haben. Experten und Journalisten äußerten am Donnerstag die Vermutung, dass die Sequenz aus der jüngsten tumultartigen Pressekonferenz von Präsident Donald Trump beschleunigt worden sei. Dadurch werde ein Schlag Acostas auf den Arm einer Praktikantin suggeriert.

Das Weiße Haus hatte Acosta nach der Pressekonferenz vom Mittwoch die Akkreditierung entzogen. Trumps Sprecherin Sarah Sanders begründete dies damit, dass der Journalist die Praktikantin des Weißen Hauses angefasst habe. Acosta und CNN wiesen dies zurück.

In dem von Sanders veröffentlichen Video sieht es so aus, als würde Acosta der jungen Frau, die ihm vergeblich das Mikrofon abnehmen will, rasch mit der Hand auf den Arm schlagen. Originalaufnahmen der Szenen zeigen jedoch, dass Acosta eher sacht den Arm der Praktikantin berührt und sich auch sofort bei ihr entschuldigt - die Entschuldigung ist in dem von der Trump-Sprecherin verbreiteten Video weggelassen.

US-Medienberichten zufolge war die mutmaßlich manipulierte Version zuerst von einem Mitarbeiter der auf Verschwörungstheorien spezialisierten Website „Infowars“ verbreitet worden.

Der Journalistik-Professor Dan Kennedy von der Northeastern University bezeichnete das von Sanders verbreitete Video als entlarvend für das Weiße Haus. „Ich denke, wir haben eine neue Linie überschritten“, sagte er. Das Weiße Haus lüge „offenkundig“ und erwarte, dass Trumps Anhänger auch noch daran glauben.

CNN und US-Journalistenverbände haben scharf gegen den Entzug von Acostas Akkreditierung protestiert. Der Sender warnte vor einer „Bedrohung unserer Demokratie“. Die Vereinigung der Korrespondenten beim Weißen Haus prangerte die Maßnahme  als „unverhältnismäßig“ an. Es war das erste Mal seit der Gründung dieser Vereinigung im Jahr 1914, dass einem der Weiße-Haus-Reporter die Akkreditierung entzogen wurde.

Bei der Pressekonferenz am Tag nach den Kongress- und Gouverneurswahlen hatte Trump den CNN-Reporter wie auch andere Journalisten verbal hart attackiert. Acosta nannte er eine „unverschämte, fürchterliche Person“ und einen „Volksfeind“. Eine afroamerikanische Journalistin bezichtigte der Präsident, eine „rassistische Frage“ gestellt zu haben.

Trump drohte am Freitag bei einer weiteren Begegnung mit Journalisten, dass noch weiteren von ihnen die Akkreditierung entzogen werden könnte: „Es könnten auch Andere sein“, sagte er. Seine persönlichen Angriffe auf einzelne Medienvertreter setzte er bei diesem Anlass fort. Der Journalistin Abby Phillip, die ebenfalls für CNN arbeitet, hielt er vor, eine „dumme Frage“ gestellt zu haben. „Sie stellen viele dumme Fragen“, sagte er.

Phillip hatte gefragt, ob der Präsident nach dem Rauswurf von Justizminister Jeff Sessions mit Hilfe von dessen vorläufigem Nachfolger Matthew Whitaker die Ermittlungen zu möglichen illegalen Kontakten des Trump-Teams nach Moskau im Wahlkampf 2016 bremsen wolle.

Bei seiner kurzen Pressebegegnung am Freitag beschimpfte Trump auch die Radioreporterin April Ryan als „Loserin“ und „sehr fies“. Von den Journalisten forderte er, das Weiße Haus mit „Respekt“ zu behandeln, es sei ein „sehr heiliger Ort“.

Der US-Präsident attackiert regelmäßig kritisch über ihn berichtende Medien als Verbreiter von „Falschnachrichten“ und bezeichnet sie als „Volksfeinde“. Auch bei seinen Auftritten im jüngsten Wahlkampf hatte er eine feindselige Stimmung gegenüber den sogenannten Mainstream-Medien unter seinen Anhängern geschürt. (Thomas Urbain und Daniel Jahn, afp)

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