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Jerusalem Trump spaltet die arabische Welt

1. Update Staatschefs der arabischen Welt warnen vor einem Flächenbrand im Nahen Osten. US-Präsident Trump erkennt Jerusalem als israelische Hauptstadt an.

Jerusalem
Eine Israel-Flagge weht in Jerusalem. Foto: rtr

Lange nicht mehr waren sich die Muslime des Nahen Osten in ihrer Empörung so einig wie diesmal. Seit Donald Trump am Mittwoch in Washington verkündete, dass die USA Jerusalem künftig als Hauptstadt Israels anerkennen, wird überall auf den Straßen diskutiert, ganz gleich ob in Kairo, Amman, Riad, Istanbul, Bagdad oder Teheran. Die chronisch zerstrittene Arabische Liga trifft sich am Samstag zu einer Krisensitzung. Trumps Vorgehen sei ein „klarer Angriff auf die arabische Welt sowie auf die Rechte der Palästinenser, aller Muslime und Christen“, hieß es zur Begründung.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan rief für kommenden Mittwoch die „Organisation für Islamische Zusammenarbeit“ (OIC) in Istanbul zusammen, bei der die Türkei gegenwärtig den Vorsitz führt. Dem Staatenbund mit Sitz in der saudischen Hafenstadt Jeddah gehören 56 Nationen an. Er versteht sich als das wichtigste Sprachrohr der muslimischen Welt. „Jerusalem ist unsere Ehre, Jerusalem ist unser gemeinsames Anliegen, Jerusalem ist unsere rote Linie“, sagte Erdogans Sprecher.

Erdogan hatte bereits Anfang der Woche vor dem Parlament in Ankara gedroht, die erst vor einem Jahr reparierten diplomatischen Beziehungen zu Israel erneut zu kappen. Der türkische Vize-Premier warnte auf Twitter, der Schritt der USA könne im Nahen Osten ein Feuer entfachen, von dem keiner wisse, wann es ende. Das Ganze werde Unruhen, Chaos und Zusammenstöße auslösen und könnte Folgen haben, „die wir uns heute noch gar nicht ausmalen können“.

Genauso einhellig fielen die Warnungen und Reaktionen in der Arabischen Welt aus. Saudi-Arabiens König Salman nannte die Entscheidung des Weißen Hauses einen „gefährlichen Schritt, der alle Muslime auf der Welt provoziert“, harsche Worte, wie es sie aus Riad gegenüber dem saudischen Lieblingspräsidenten Trump bisher noch nicht gegeben hat. Der Generalsekretär der palästinensischen Fatah, Saeb Erekat, warf dem US-Präsidenten vor, mit seinem Schritt die Zwei-Staaten-Lösung zerstört zu haben. Die Hamas im Gazastreifen drohte, die Jerusalem-Entscheidung öffne die Pforten zur Hölle. Palästinensische Aktivisten in der Westbank riefen für Mittwoch, Donnerstag und Freitag drei „Tage des Zorns“ aus. Aus der Umgebung des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas hieß es, man werde alle Kontakte mit der US-Seite einfrieren.

Etwas moderater reagierten die Staatschefs von Jordanien und Ägypten, die beide seit Jahrzehnten Milliardenzahlungen aus Washington erhalten. Eine solche Entscheidung „unterhöhle die Wiederaufnahme des Friedensprozesses“, warnte Jordaniens Monarch Abdullah II., der als Oberhaupt des haschemitischen Königshauses der offizielle Hüter der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg ist. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der sich gerne seiner besonderen Beziehungen zu Trump rühmt, beschwor nach eigenen Worten den US-Präsidenten, die Situation in der Region nicht zu verkomplizieren. Auch die koptische Kirche in Ägypten meldete sich zu Wort und warnte vor „negativen Auswirkungen auf die Stabilität des Nahen Ostens“.

Dagegen nahmen die beiden eingeschworenen US-Gegner in der Region, Iran und Syrien, kein Blatt vor den Mund. Damaskus warf Washington vor, es verachte das internationale Recht. Teherans Präsident Hassan Ruhani sagte, die Islamische Republik werde „diese Verletzung von islamischen Heiligtümern“ nicht tolerieren. Die Muslime müsste jetzt vereint zusammenstehen gegen diesen gigantischen Komplott. Irans Oberster Revolutionsführer Ali Khamenei bezeichnete das Vorgehen der USA als „verzweifelten Schachzug“, um von der „eigenen Lähmung und Inkompetenz“ abzulenken.

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