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Jemen Schlacht um Jemens wichtigen Hafen

Über Hudaida kommen fast alle Lebensmittel und Medikamente ins Land. Jetzt greift die saudisch-emiratische Koalition die Küstenstadt an. Die UN warnen vor einer Katastrophe für die Menschen im Jemen.

Drohende Hungersnot im Jemen
Auswärtige Helfer haben Hudaida bereits verlassen. Foto: dpa

Im Stadtzentrum ist Geschützdonner zu hören. Maschinengewehre knattern in den Straßen. Seit dem frühen Mittwochmorgen bombardieren saudische Kampfjets die Vororte von Hudaida. Die Schlacht um die 600 000-Einwohner-Stadt am Roten Meer hat begonnen, der wichtigste Hafen des Jemen, der in den letzten Jahren von den Huthi-Rebellen kontrolliert wurde.

Die saudisch-emiratische Koalition erhofft sich von ihrer Operation „Goldener Sieg“ eine entscheidende Wende in dem mehr als dreijährigen Krieg, der bisher mindestens 10 000 Menschen das Leben kostete und 55 000 Verletzte forderte. Es seien „alle friedlichen und politischen Möglichkeiten erschöpft, die Huthi-Milizen aus den Hafen von Hudaida zu entfernen“, hieß es in einer im saudischen Fernsehen verlesenen Erklärung der jemenitischen Exilregierung. „Die Befreiung des Hafens ist ein Meilenstein in unserem Kampf, den Jemen von den Huthi-Milizen zu befreien.“

Ähnliche Töne verbreiteten auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und erklärten, „große Kontingente“ hätten um die Stadt herum Stellung bezogen, ausgerüstet mit modernsten Waffensystemen. Im Gegenzug drohten die Huthis, man werde den Angreifern die Hölle auf Erden bereiten. Die Rebellen verminten offenbar alle wichtigen Zugänge zum Stadtgebiet. Nach eigenen Angaben schossen sie auch ein saudisches Landungsboot in Brand, was sich von See her näherte. Andere Kriegsschiffe seien daraufhin abgedreht.

Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen befürchten eine unabsehbare humanitäre Katastrophe, sollten die Hafenanlagen zerstört werden, über die 70 bis 80 Prozent aller benötigten Lebensmittel und Medikamente ins Land kommen. Schon jetzt sind 22 der 28 Millionen Jemeniten auf Hilfe von außen angewiesen, 8,4 Millionen akut von Hunger bedroht. In den letzten Tagen wurden alle auswärtigen Helfer aus Hudaida gebracht. „Jede Unterbrechung dieser kritischen Lebensader könnte für Millionen von Jemeniten das Todesurteil bedeuten“, erklärte Abdi Mohamud, lokaler Direktor der Organisation „Mercy Corps Europe“. Die humanitäre Not sei jetzt schon überwältigend. „Ein Stopp der Importe durch Hudaida setzt Jemens Bevölkerung einem extremen, nicht zu rechtfertigenden Risiko aus“, erklärte Lise Grande, Koordinatorin der UN-Hilfen für Jemen. Im schlimmsten Falle könnten bis zu 250 000 Bewohner der Hafenstadt alles verlieren, auch ihr Leben.

Bis zuletzt bemühte sich der neue Jemen-Vermittler Martin Griffiths, die Offensive durch Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien abzuwenden – vergeblich. Den Hafen Hudaida wollten die Vereinten Nationen unter internationale Kontrolle stellen, ein Vorschlag, den beide Kriegsparteien ablehnen. Auch Griffiths Vorhaben, Anfang nächster Woche einen neuen Friedensplan für das Armenhaus an der Südspitze der Arabischen Halbinsel vorzustellen, dürfte durch diese jüngste Eskalation erst einmal vom Tisch sein. Wie in diplomatischen Kreisen durchsickerte, wollte der UN-Diplomat als ersten Schritt die Huthis verpflichten, keine Raketen mehr auf Saudi-Arabien abzufeuern. Im Gegenzug sollte die Kriegskoalition aus Riad und Abu Dhabi sämtliche Luftangriffe im Jemen einstellen.

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