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Jemen Kampf gegen Al-Kaida eskaliert

Die Armee belagert eine Hochburg der Gotteskämpfer im Süden des Landes. 120 Gotteskrieger haben sich in dem Städtchen Al-Hawta in der Provinz Shabwa verschanzt. Es gibt heftige Straßenkämpfe.

Soldaten in Sanaa: Militärpatrouillen geraten im Jemen häufig in einen tödlichen Hinterhalt. Foto: dpa

Anfang der Woche hatte Jemens Staatspräsident Ali Abdullah Saleh hohen Besuch aus Washington. Barack Obamas Terrorberater John Brennan kam nach Sanaa, einen Brief mit ermutigenden Worten des US-Präsidenten im Gepäck, aber auch Finanzzusagen zur Aufrüstung der lokalen Anti-Terror-Einheiten. Seit dem versuchten Hosenbomber-Anschlag auf den Airbus nach Detroit haben die Sorgen im Weißen Haus über die Zustände an der Südspitze der Arabischen Halbinsel nicht abgenommen.

Al-Kaida habe sich neu gruppiert und sei eine „virulente Gefahr“, heißt es in einer internen Einschätzung. US-Generäle schlagen vor, bewaffnete Predator-Drohnen in den Jemen zu verlegen. Auch forderten sie für die nächsten fünf Jahre eine Militärhilfe von 1,2 Milliarden Dollar für die Streitkräfte des Landes. Denn inzwischen vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Militärpatrouille in einen tödlichen Hinterhalt gerät oder auf uniformierte Polizisten geschossen wird.

Der Vize-Gouverneur der Provinz Abyan entging jüngst nur knapp einem Raketenanschlag auf seinen Konvoi. In der Hafenstadt Aden überfiel ein Al-Kaida-Kommando die Zentrale des Geheimdienstes und tötete jeden, den sie antrafen – auch die Putzfrau und ihren fünfjährigen Sohn.

Seit der Bürgerkrieg im Norden vor einem halben Jahr mit einem Waffenstillstand beigelegt wurde, verlagert sich das Terrorgeschehen in den Süden. Tausende bewaffneter Dschihadisten, die seit 2007 als Söldner zusammen mit der jemenitischen Armee gegen die Houthi-Rebellen gekämpft haben, suchen eine neue Beschäftigung und wenden sich nun dem anderen großen Krisenherd zu.

Die Bevölkerung der ehemaligen kommunistischen „Volksrepublik Jemen“ will wieder raus aus der ungeliebten Einheit mit dem Norden – eine Rebellion, die die militanten Gotteskrieger mit gezielten Anschlägen auf Repräsentanten des Staates für ihre Zwecke zu nutzen versuchen.

So plakatierte „Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP)“ vor kurzem auf dem Marktplatz der Stadt Zinjubar (Provinz Abyan) eine Liste mit 31 Offizieren der Staatssicherheit, 15 Beamten der Kriminalpolizei und neun Mitarbeitern des Militärgeheimdienstes und erklärte sie zum „legitimen Ziel“ von Anschlägen. In einem Flugblatt, das danach maskierte Männer ungehindert verteilten, forderte das Terrornetzwerk die Angeprangerten auf, „in der Moschee nach dem wöchentlichen Freitagsgebet Reue zu zeigen“, sonst würden sie zur Strafe getötet.

Auf diese Provokation reagierte Jemens Präsident jetzt mit massiver Härte. Am Wochenende ordnete er eine militärische Offensive an gegen 120 Gotteskrieger, die sich in dem Städtchen Al-Hawta in der Südprovinz Shabwa verschanzt haben, einer Hochburg von Al-Kaida. Die von Bergrücken umsäumte Ortschaft wurde komplett umzingelt, seither werden ihre Wohngebiete ohne Rücksicht auf Verluste mit Panzer, Artillerie und Kampfjets beschossen. Transportflugzeuge setzten inzwischen auch Fallschirmspringer ab, die in heftige Straßenkämpfe verwickelt sind. Denn Al-Kaida leistet erbitterten Widerstand, viele Durchfahrten sind vermint, ihre Scharfschützen haben sich in den Häusern verbarrikadiert.

Das Verteidigungsministerium spricht von schweren Gefechten. Niemand weiß, wie hoch die Verluste auf beiden Seiten in der inzwischen nahezu menschenleeren Stadt sind. Denn die 12000 Bewohner sind geflohen und haben sich in der Umgebung in Sicherheit gebracht. Der Gouverneur von Shabwa zumindest gibt sich siegessicher. Die Belagerung werde so lange fortgesetzt, „bis diese Elemente kapitulieren und wir sie endgültig aus der Region vertrieben haben“, erklärte er.

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