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Jemen In Sanaa droht ein Blutbad

Bomben, Kämpfe und Drohungen – im Jemen könnte sich die dramatische Lage noch weiter verschlimmern. Saudi-Arabien muss eine schwierige Entscheidung treffen.

Sanaa
Huthi-Rebellen feiern den Tod von Jemens Ex-Präsident Saleh. Foto: Hani Al-Ansi (dpa)

Sanaas Einwohner haben eine Woche Horror hinter sich. Seit vergangenem Mittwoch bombardierten saudische Kampfflugzeuge die jemenitische Hauptstadt. Mehrere Raketen trafen auch den Präsidentenpalast, der nahe am Weltkulturerbe-Zentrum liegt. In den Straßen lieferten sich Bewaffnete heftige Gefechte. Einer ersten Bilanz des Internationalen Roten Kreuzes zufolge verloren innerhalb einer Woche mindestens 234 Menschen ihr Leben.

Mittlerweile sind die Kämpfe etwas abgeflaut. Überall in der Stadt errichteten die Houthis Kontrollpunkte und postierten Panzer. Für Dienstagnachmittag trommelte die Führung ihre Anhänger zu einer Großkundgebung zusammen, um „die Niederschlagung der Verschwörung“ zu feiern, wie es in ihrem TV-Sender Al-Masirah hieß. Die Vereinten Nationen versuchten derweil, ihre 140 Mitarbeiter aus Sanaa zu evakuieren.

Seit dem gewaltsamen Tod von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh, der 48 Stunden zuvor seine Allianz mit den Houthis aufgekündigt hatte, wächst die Gefahr, dass die beiden regionalen Verbündeten der jemenitischen Bürgerkriegsparteien, Iran und Saudi-Arabien, direkt aneinander geraten könnten. „Nach ihrem Versuch, den Houthis den Teppich unter den Füßen wegzuziehen, müssen die Saudis nun entscheiden, ob sie verhandeln wollen in einem Klima von Null Vertrauen, oder ob sie mit ihrer bisher weitgehend erfolglosen Militärkampagne weitermachen wollen“, schrieb Peter Salisbury, Jemen-Experte der Denkfabrik Chatham House.

Saleh sei eine umstrittene Figur gewesen. „Aber er war auch die Person, die am ehesten fähig gewesen wäre, irgendeine Art von Einigung auszuhandeln.“ Sein Tod werde zu einer noch tieferen Polarisierung führen.

Und so schaltete sich aufseiten der Houthi-Rebellen erstmals Irans Präsident Hassan Ruhani in den Konflikt ein und drohte, das jemenitische Volk werde dafür sorgen, dass die Angreifer ihr aggressives Vorgehen bereuten. Einen scharfen Ton schlug auch der Chef der Revolutionären Garden, Mohammad Ali Jafari, an. Die „Saudi-Verräter“ würden versuchen, auf Befehl der USA und mit Israel als Komplizen Unsicherheit in der Region zu erzeugen. „Wir erlebten einen Putschversuch gegen die Houthis, der sofort niedergeschlagen wurde“, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars.

Saudi-Arabiens Regierung dagegen äußerte die Hoffnung, das jemenitische Volk werde sich nun gegen die „terroristischen Houthi-Milizen“ erheben, die vom Iran unterstützt würden, und ihre Heimat befreien. Salehs Ermordung und die Art, wie dies geschehen sei, offenbare die kriminelle Natur und Menschenverachtung der Houthis, sekundierte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit.

Derweil gab der im saudischen Exil lebende jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi seinen Regierungstruppen den Marschbefehl auf Sanaa. Seine Landsleute rief er in einer Fernsehansprache auf, sich gegen die „Verbrecherbande der Houthis“ zu erheben und „das geliebte Jemen von dem Albtraum zu befreien“.

Doch sollten die sieben in der Nachbarprovinz Marib stationierten Bataillone, die unter dem Befehl von Vize-Präsident General Ali Mohsen stehen, Sanaa angreifen, droht der Bevölkerung zwischen den Fronten ein Blutbad.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Jemen

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