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Jemen Ein Veteran für den Jemen

Martin Griffiths vermittelt fortan im Auftrag der UN in dem Bürgerkriegsland. Der Brite scheint einiges Talent im Frieden stiften zu besitzen.

Sein Vorgänger Ismail Ould Sheikh Ahmed biss sich drei Jahre lang die Zähne aus an den Kontrahenten. Seit Herbst 2016 lagen alle UN-Friedensgespräche auf Eis. Im März geht der Krieg im Jemen, der bisher mehr als 10 000 Menschen das Leben gekostet hat, ins vierte Jahr. Cholera und Diphtherie grassieren. Zwei Drittel der 28 Millionen Jemeniten haben nicht mehr genug zu essen. Das Land an der Südspitze der Arabischen Halbinsel ist nach dem Urteil der Vereinten Nationen Schauplatz der „größten humanitären Katastrophe des Erdballs“.

Jetzt soll ein neuer internationaler Vermittler für Zuversicht sorgen. Einstimmig kürte der UN-Sicherheitsrat den Briten Martin Griffiths zu seinem nächsten Sonderbeauftragten für den Jemen. Wie kaum ein anderer Diplomat ist Griffiths mit den Gewaltkonflikten in der Arabischen Welt und ihren Dynamiken vertraut. Allen drei Syrien-Vermittlern Kofi Annan, Lakhdar Brahimi und Staffan de Mistura stand er schon beratend zur Seite. In Genf gründete er 1999 das Zentrum für Humanitären Dialog, was sich bei der Mediation von innerstaatlichen Konflikten zwischen Regierungen und Aufständischen einen Namen gemacht hat. Seit 2014 leitete er das „Europäische Institut für Frieden“ in Brüssel.

Griffiths bringe weit gefächerte Erfahrungen mit „in Konfliktlösungen, Verhandlungen, Mediationen und humanitären Einsätzen“, warb UN-Generalsekretär Antonio Guterres für den Neuen. 1951 geboren, studierte Griffiths Südostasienkunde an der Universität von London. Dann heuerte er als Diplomat fürs Foreign Office an. Anschließend arbeitete er für verschiedene internationale Hilfsorganisationen wie Unicef, „Save the Children“ und „Action Aid“. 1994 wechselte der Vater zweier Kinder in die Zentralen der Vereinten Nationen in Genf und New York, wo er zuletzt Vize des UN-Nothilfekoordinators war.

Seine neue Aufgabe geht der 66-Jährige mit Optimismus an. „Der Krieg im Jemen ist lösbar“, ließ er im letzten November bei einem Vortrag im „König-Faisal-Zentrum für Forschung und Islamische Studien“ in Riad wissen – also ausgerechnet bei den kriegsbeteiligten Saudis. Doch dazu müsse man mehr als bisher mit den in Sanaa herrschenden Houthis reden und dürfe sie nicht isolieren. Denn wer bei Verhandlungen ignoriert werde, der werde unzugänglich und stur.

An die Saudis, die den international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi unterstützen, appellierte er, deutlich mehr humanitäre Güter ins Land zu lassen, alle Häfen und Flughäfen wieder zu öffnen. „Die Menschen müssen Hoffnung schöpfen, dass der Krieg nicht auf immer und ewig so weitergeht“, plädierte er und fügte hinzu: „Ohne direkte und intensive Arbeit mit allen nationalen Kontrahenten wird man Jemens Konflikt nicht lösen.“

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