Lade Inhalte...

Japan Hohe Strahlung in Fukushima

Roboter messen im havarierten japanischen Atomkraftwerk alarmierend hohe Werte. Die Radioaktivität verzögert die Aufräumarbeiten.

Mit diesem Roboter untersuchten Spezialisten das Unglücks-AKW Fukushima. Foto: afp

Die Aufräumarbeiten in den heißen Bereichen der Atomruine Fukushima gestalten sich offenbar noch schwieriger als erwartet. Der Grund: Die Schäden im Innern der havarierten Reaktoren sind nach neuen Erkenntnissen schlimmer als von den Experten bisher angenommen. Das zeigten Aufnahmen und Strahlenmessungen aus dem Innern von Reaktor zwei. Ferngesteuerte Roboter haben diese Aufnahmen kürzlich gemacht.

Besonders Aufsehen erregte die Mitteilung des Betreibers Tepco, wonach an einer Stelle in der Anlage mit 530 Sievert pro Stunde auch knapp sechs Jahre nach dem Super-GAU eine extrem hohe Strahlendosis gemessen wurde. Der bisherige Höchstwert, ermittelt 2012, hatte 73 Sievert betragen. Die Zeitung „Asahi Shimbun“ titelte: „Radioaktive Strahlung in Fukushima-Reaktor könnte einen Menschen in einer Minute töten.“ Akute Strahlenschäden treten beim Menschen auf, wenn er in einer kurzen Zeitspanne einer Strahlung von einem Sievert ausgesetzt war. Sechs Sievert lösen eine tödliche Strahlenkrankheit aus. Zum Vergleich: Wer in Deutschland lebt, ist im Schnitt einer Belastung von 2,1 Millisievert (tausendstel Sievert) pro Jahr ausgesetzt.

Tepco beeilte sich allerdings mitzuteilen, an zwei anderen Stellen im Reaktor seien niedrigere Werte festgestellt worden, zudem trete keine Radioaktivität aus der Anlage aus. Die gemessenen Werte von 20 beziehungsweise 50 Sievert pro Stunde allerdings sind ebenfalls alles andere als unbedenklich.

Die hohen Strahlungswerte verkomplizieren die geplante Beseitigung des Brennstoffs aus den Reaktoren eins bis drei, in denen die Kerne bei dem Super-GAU am 11. März 2011 zumindest teilweise geschmolzen waren. Schon lange ist klar, dass die Überreste des stark strahlenden Materials nur mit Robotern geborgen werden können. Ein Experte des Nationalen Instituts für Strahlenforschung in Tokio kommentierte, man habe allerdings nicht damit gerechnet, mit solch hohen radioaktiven Belastungen umgehen zu müssen.

Zu Beginn voriger Woche hatte eine Kamera erstmals genauere Bilder von der Situation im Kern von Reaktor zwei geliefert. Die Bilder zeigten eine schwarze Masse unterhalb des Sicherheitsbehälters der Anlage. Tepco zufolge könnte es sich um geschmolzenen Brennstoff handeln, der sich durch den Stahlmantel gefressen hat. Es wäre das erste Mal seit der Havarie vor knapp sechs Jahren, dass die Bergungsingenieure in einem der zerstörten Reaktorblöcke geschmolzenen Brennstoff geortet hätten. Dass der Fahrplan zur Beseitigung der havarierten Reaktoren eingehalten werden kann, wird wegen der hohen Strahlungswerte zunehmend unwahrscheinlich. Sie machen nicht nur das Arbeiten von Menschen unmöglich, sondern begrenzen auch die Einsatzzeiten der ferngesteuerten Geräte.

Der Sanierungsplan sah bisher vor, die leckgeschlagenen Sicherheitsbehälter bis 2021 zu reparieren und sie dann mit Wasser füllen, um die Strahlung abzuschirmen. Bis 2025 sollten die Überreste der teilweise geschmolzenen Brennstäbe entfernt werden, um die Reaktorgebäude abreißen zu können. Ein Abschluss der Arbeiten wird etwa Mitte des Jahrhunderts erwartet.

Verbraucherschützer und Agrarproduzenten aus der Präfektur Fukushima kritisierten unterdessen Pläne der Regierung in Tokio, die Radioaktivitätskontrollen von Lebensmitteln aus dem weiteren Umfeld des havarierten Atomkraftwerks zu reduzieren. Tokio will die Kontrollen für landwirtschaftliche Produkte aus 17 Präfekturen lockern, da dort seit geraumer Zeit keine Überschreitungen der Grenzwerte mehr festgestellt worden seien. Die Maßnahme soll die durch die Kontrollen auflaufenden Kosten senken.

Die Kritiker argumentierten jedoch, Tokio habe die Grenzwerte für belastete Agrarprodukte zu hoch angesetzt. Es sei daher zu früh, die Kontrollen herunterzufahren.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen