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Ivanka Trump Die „First Daughter“ versagt im Rampenlicht

Auf sie richteten viele Trump-Kritiker ihre Hoffnung. Ivanka sollte Vater Donald zügeln. Das gelingt ihr nicht, ihre Ambitionen aber bleiben hoch.

19.01.2018 06:49
Trump und Tochter
Die Trumps: links Donald, recht Ivanka. Foto: rtr

Vor einem Jahr war der Wirbel um die Präsidententochter gewaltig. Ivanka Trump zog nicht nur durch ihre glamouröse Erscheinung die Aufmerksamkeit auf sich. Ihr wurde vor allem auch großer Einfluss auf den Vater nachgesagt. Die „First Daughter“ wurde folglich – auch weil ihre Stiefmutter Melania offenkundig mit der Rolle fremdelte – als die wahre First Lady der USA auf den Schild gehoben.

Auf die Tochter richteten sich damals die Hoffnungen vieler Trump-Kritiker. Denn die stets selbstbeherrscht und freundlich auftretende Jungunternehmerin stellt nicht nur charakterlich einen Gegenpol zum Vater dar. Sie vertritt auch politisch zumindest teilweise liberale Positionen. Doch diese Hoffnungen hat die First Daughter weitgehend enttäuscht. Ihr Einfluss auf Donald Trump blieb wenig bemerkbar.

Weder konnte sie das cholerische Temperament ihres Vaters zügeln, noch konnte sie ihn bei diversen politischen Themen überzeugen. Als eine ihrer großen Niederlagen gilt etwa Trumps Beschluss, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen.

Die 36-Jährige hat deshalb inzwischen viel Spott zu ertragen. Sie erfülle „keine nützliche Rolle in dieser Regierung. Sie hat darin versagt, irgendeinen der schlimmsten Instinkte ihres Vaters zu zügeln“, stichelte etwa die „Washington Post“-Kolumnistin Ruth Marcus.

Büros für Kushner und Trump im Weißen Haus

Kritik hagelt auch deshalb auf die Trump-Tochter ein, weil sie sich zwar in der Debatte um sexuelle Übergriffe als Exponentin der Frauenbewegung zu profilieren sucht – aber zu den vielfachen Belästigungsvorwürfen gegen ihren eigenen Vater sich weitgehend ausschweigt.

Ihre Rolle als First Daughter mag sich Ivanka Trump nicht ganz so kompliziert vorgestellt haben, als sie mit Ehemann Jared Kushner und den drei Kindern von New York nach Washington umzog und sich aus dem Management ihrer Mode- und Schmuckfirma zurückzog.

Ihr Mann wurde als Berater im Weißen Haus mit zahlreichen Schlüsseldossiers betraut. Und auch sie bekam später ein Büro im Weißen Haus, wenn auch kein offizielles Regierungsamt.

Ivanka Trump war dennoch häufig im Rampenlicht zu sehen. Beim Besuch von Angela Merkel saß sie eine Weile direkt neben der Bundeskanzlerin. Und beim Hamburger G20-Gipfel setzte sie sich zeitweise als Vertreterin ihres Vaters zu den Staats- und Regierungschefs an den Verhandlungstisch.

Machtkampf mit Bannon

Einen Großteil ihrer Energien steckten Ivanka Trump und ihr Mann freilich in die Machtkämpfe innerhalb des Weißen Hauses. Einer ihrer Hauptrivalen war der ultrarechte Chefstratege Steve Bannon, der dann im August seinen Regierungsjob verlor – laut dem Enthüllungsbuch des Journalisten Michael Wolff hält Bannon die Trump-Tochter für „dumm wie einen Ziegelstein“.

Trotz mancher Erfolge in den internen Machtkämpfen – die politische Zwischenbilanz von Ivanka Trump und Kushner fällt mager aus. Nicht nur Trumps Klimapolitik dürfte für sie schwer verdaulich gewesen sein, sondern etwa auch seine Sympathiebekundung für Teilnehmer eines rechtsextremen Aufmarsches im August in Charlottesville.

Die Präsidententochter erklärte damals in einem eigenen Statement, für Rassismus und Neonazis sei in der Gesellschaft „kein Platz“ – und setzte sich damit indirekt vom Vater ab. Ivanka Trump und Kushner gehören dem orthodoxen Judentum an. Sie hatte vor der Hochzeit den Glauben ihres Mannes angenommen.

Kushners Reputation litt auch, weil er in den Sog der Affäre um mögliche illegale Russland-Kontakte während des Wahlkampfs geriet. Ivanka Trump wiederum konzentrierte sich zuletzt auf ihr politisches Kernthema, die Förderung von Frauen in der Arbeitswelt. Als Erfolg kann sie dabei immerhin vorweisen, dass im Zuge der Steuerreform der Kinderfreibetrag heraufgesetzt wird.

Auch wenn sie derzeit nicht am ganz großen Rad dreht – längerfristig hat Ivanka Trump womöglich die höchsten Ambitionen. Enthüllungsautor Wolff schreibt jedenfalls, dass die Präsidententochter später einmal selber Präsidentin werden wolle. (afp)

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