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Italien Matteo Salvini punktet mit Hass und Wut

Matteo Salvini ist seit 100 Tagen im Amt. Die meiste Zeit hat sich Italiens Innenminister unters Volk gemischt. Um zu zeigen: Ich bin einer von euch. Und um seinen Hass auf alle, die anders sind, zu verbreiten.

Matteo Salvini
Ein Bad für die Menge: Matteo Salvini im Pool einer konfiszierten Villa, die einst einem Mafia-Boss gehörte. Die Mafia indes gehört nicht zu den Feindbildern, die Italiens Vize-Premier am liebsten zeichnet. Foto: dpa

Er zeigt sich gern in Badehose. Mal auf dem Jetski im Adriatischen Meer, mal im Swimmingpool einer vom Staat konfiszierten Mafia-Villa, mal am Strand in Apulien mit Kühen im Hintergrund. Diesen Sommer postete Matteo Salvini etliche solcher Fotos auf Facebook, Twitter und Instagram. 

Ihren Innenminister und Vize-Premier konnten die Italiener in den ersten hundert Amtstagen sozusagen hautnah und in fast jeder Lebenslage im Netz erleben. Beim Angeln an einem Bergsee im Trentino, beim Boccia-Spielen mit Rentnern, beim Besuch eines Flüchtlingsslums in Kalabrien, bei einer Pressekonferenz mit Ungarns Premier Viktor Orbán, bei der er ankündigte, er wolle den europäischen Kontinent grundlegend verändern. Und wenig später dann gleich wieder Arm in Arm mit der Verlobten Elisa Isoardi, Ex-Model und Moderatorin einer Fernseh-Kochshow. Von ihr gibt es auch Bilder, wie sie in der Früh seine Hemden bügelt. Privatleben und Politik gehen bei Salvini ineinander über.

Salvini ist beliebtester Politiker Italiens

Neben Fotos und Videos verschickt der Rechtspopulist natürlich Statements, etliche am Tag. Sehr oft geht es um Migranten. Es sind einfache, polarisierende Botschaften, die sich wiederholen, gespickt mit Ausrufezeichen, Emoticons und Wörtern wie „Invasion“, „Nichtstuer“, „Schande“. Hashtags wie #Chiudiamoiporti, Schließen wir die Häfen, animieren zum Weiterverbreiten im Netz. 

Eine erfolgreiche Social-Media-Strategie war einer der Gründe, warum die Populisten von Lega und Fünf Sternen Italien erobert haben und nun seit drei Monaten regieren. Die Protestbewegung schwächelt jedoch, seit ihr Gründer Beppe Grillo sich zurückgezogen hat und seine Internetseite, die jahrelange Kommunikationsplattform, wieder privat nutzt. Salvini, der kleinere Partner in der Koalition, hat die Fünf Sterne inzwischen überrundet, in jeder Hinsicht. Er ist jetzt beliebtester Politiker Italiens, seine Lega ist in Umfragen mit 32 Prozent stärkste Partei. Sterne-Chef und Vize-Premier Luigi Di Maio versucht vergeblich, aus dem Schatten zu treten. Premier Giuseppe Conte ist völlig von der Bildfläche verschwunden. 

Salvini nutzt vor allem Facebook

Seine Fans nennen Salvini „il Capitano“. Der 45-Jährige ist derjenige, der alles dominiert, der zu jedem Thema etwas zu sagen hat, egal ob Wirtschaft, Steuern, Libyen. Folglich muss, wer über die Regierungslinie informiert sein will, seine Seite anklicken. Was bei Donald Trump Twitter ist, das ist bei Salvini Facebook. Für den Internetauftritt hat er Unterstützung von einem zehnköpfigen Team. Auf dem Profil prangt groß: „Prima gli italiani“ – Zuerst die Italiener.

Ende August erreichte Salvinis Seite drei Millionen Likes, damit ist er der populärste europäische Politiker auf Facebook. Die deutsche Kanzlerin, immerhin mächtigste Frau Europas, kommt nur auf 2,5 Millionen. Drei Millionen Italiener haben also Salvinis Facebook-Flutung abonniert, geklickt wird sie von weitaus mehr Menschen. „Es lebe die Freiheit des Netzes, es lebe unsere Gemeinschaft, immer größer und immer schöner!“, kommentierte er, garniert mit Küsschen-Smiley. Auf Twitter und Instagram hat er weitere 1,5 Millionen Follower. 

Am Schreibtisch im römischen Viminalspalast sitzt der Innenminister selten. Gleich zu Amtsantritt hatte er versprochen: „Ich werde ein Minister der Straße und der Leute sein, keiner, der sich im Büro verschanzt.“ In den ersten drei Monaten tourte er durch Italien, so als sei immer noch Wahlkampf, und verbreitete alles im Netz. Wenn er auf Facebook in Badehose seinen Bauch selbstbewusst vor sich herträgt und seine Freundin auf dem Schoß hält, gibt er nicht nur den entschlossenen Macho, das Alphamännchen. Er signalisiert auch: Ich bin wie ihr. 

Das kann er noch besser als Italiens Ur-Populist Silvio Berlusconi. Salvini ist kein eitler Milliardär. Er lebt in einem Mailänder Vorort in einer Zweizimmer-Wohnung, hat zwei Kinder mit zwei Exfrauen. Er trägt keine Maßanzüge und nur selten Krawatte. „Ich als Minister, Papa und Italiener“, beginnt er häufig seine Sätze.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Italien

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