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Israelische Botschaft in Kairo gestürmt Dramatische Szenen im Botschaftsgebäude

In Kairo wurde die israelische Botschaft von Demonstranten gestürmt. Bei Zusammenstößen mit der Polizei starben drei Menschen, mehr als 1000 wurden verletzt. Die ägyptische Regierung kündigt hartes Durchgreifen an.

10.09.2011 08:58
Die Protestler steckten zahlreiche Polizeifahrzeuge in Brand.

In Kairo wurde die israelische Botschaft von Demonstranten gestürmt. Bei Zusammenstößen mit der Polizei starben drei Menschen, mehr als 1000 wurden verletzt. Die ägyptische Regierung kündigt hartes Durchgreifen an.

Nach der Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo durch Demonstranten setzt Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf eine Entschärfung der Lage. „Israel wird weiter am Friedensabkommen mit Ägypten festhalten“, sagte Netanjahu am Samstag im Fernsehen. „Wir arbeiten mit der ägyptischen Regierung zusammen, um unseren Botschafter bald nach Kairo zurückzuschicken.“ Zunächst wolle er jedoch sicherstellen, dass die Sicherheitsvorkehrungen für das Botschaftspersonal ausreichen, sagte Netanjahu. Der Friedensvertrag beider Länder wurde 1979 geschlossen.

Ägyptische Regierung will hart durchgreifen

Nach dem Sturm auf die israelische Botschaft hat die ägyptische Regierung hartes Durchgreifen angekündigt. Die Behörden würden „alle Bestimmungen des Ausnahmezustandes anwenden“, erklärte Informationsminister Osama Haikal am Samstag in Kairo. Einzelheiten nannte er nicht.
Der Ausnahmezustand gilt in Ägypten seit mehr als 30 Jahren. Unter anderen erlaubt er willkürliche Festnahmen und Schnellverfahren. Er wurde auch nach dem Sturz des Präsidenten Husni Mubarak am 11. Februar nicht aufgehoben.

Die Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo stürzt die ägyptischen Militärmachthaber in die schwerste Krise seit der Machtübernahme im Februar. Die USA, die das Land seit dem Friedensvertrag mit Israel von 1979 mit Milliarden an Militärhilfe unterstützen, drängten die Regierung, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und die Botschaft zu schützen. Der israelische Botschafter musste mit einem Luftwaffenflugzeug in die Heimat ausgeflogen werden, nachdem Tausende Demonstranten in der Nacht zum Samstag das Gebäude demolierten, eine Schutzmauer niedergerissen und anti-israelische Hetzparolen skandiert hatten. Bei Zusammenstößen mit der Polizei starben drei Menschen, mehr als 1000 wurden verletzt.

Ministerpräsident Essam Scharaf bot als Reaktion auf den Gewaltausbruch seinen Rücktritt an, was dem staatliche Fernsehen zufolge vom Militärrat aber abgelehnt wurde. Die Regierung in Kairo kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen und kündigte an, dass sich Anstifter und Demonstranten vor einem Staatssicherheitsgericht verantworten müssten. US-Präsident Barack Obama versicherte Israel, die Regierung in Washington unternehme Schritte, um die Situation zu beruhigen.

Unter dem gestürzten Präsidenten Husni Mubarak waren diplomatische Beziehungen zu Israel ein wichtiger Pfeiler der Außenpolitik. Die Generäle in Kairo stehen unter Druck, die Macht an eine zivile Regierung abzugeben, und sehen sich mit innenpolitischen Rufen nach einer härteren Haltung gegenüber Israel konfrontiert. Zugleich wollen sie die geldträchtigen Beziehungen in die USA nicht belasten.

Dramatische Szenen im Botschaftsgebäude

Bei der Erstürmung der Botschaft spielten sich dramatische Szenen ab. Während die meisten Botschaftsangestellten noch ausgeflogen werden konnten, war für sechs Sicherheitsleute der diplomatischen Vertretung der Rückzugsweg durch die israel-feindlichen Demonstranten versperrt. Während der Mob vor dem Hochhaus israelische Fahnen verbrannte, erstürmte eine kleinere Gruppe von Radikalen das Gebäude. Spezialkräfte der ägyptischen Armee schleusten die sechs Botschaftsmitarbeiter schließlich aus dem Gebäude, nachdem Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu telefonisch beim Militärrat interveniert hatte.

„Unsere Würde ist wieder hergestellt“, sagte ein ägyptischer Demonstrant. „Wir wollen kein amerikanisches Geld“, rief ein anderer. Die Polizei setzte Tränengas ein und schoss in die Luft, um die Menge auseinanderzutreiben. Zunächst hatten Polizisten nach Augenzeugenberichten dem Treiben der Randalierer aber tatenlos zugesehen. Bereits zuvor war es zu ähnlichen gewaltsamen Protesten gekommen. Diese hatten Israel dazu veranlasst, vorübergehend mit dem Abzug des Botschafters zu drohen.

Hintergrund der Demonstrationen ist die für fünf Ägypter tödliche Verfolgungsaktion der israelischen Armee nach einer Angriffsserie palästinensischer Extremisten in der Nähe der südisraelischen Stadt Eilat, bei der acht Menschen getötet wurden. Ägypten ist neben Jordanien das einzige arabische Nachbarland, das einen Friedensvertrag mit dem jüdischen Staat abgeschlossen hat.

Westerwelle ist alarmiert

Die Bundesregierung zeigte sich alarmiert über die Eskalation der anti-israelischen Proteste. Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Erstürmung der israelischen Botschaft. Er erwarte, dass die ägyptischen Behörden den Schutz der Botschaft gemäß ihrer internationalen Verpflichtungen sicherstellten, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Eine weitere Eskalation müsse unbedingt verhindert werden. Israels Ex-Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, rief die EU und Deutschland auf, mäßigend auf die Machthaber in Kairo einzuwirken. (dpa/rtr)

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