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Israel Prinz William schaut mal kurz rein

Die erste offizielle Visite eines Mitglieds des britischen Königshauses in Israel ist kein Liebesbesuch. Er gibt sich freundlich, hoheitlich und ein bisschen pandabärig.

Prinz William
Prinz William klatsch Beachvolleyballer am Strand von Tel Aviv ab. Foto: rtr

Prinz William war noch nicht einmal in Israel angekommen da traf ihn bereits bissigster jüdischer Humor: „Ein arbeitsloser Hubschrauberpilot, dessen Aufgabe im Leben darin besteht, darauf zu warten, dass seine Großmutter und sein Vater sterben, damit er die Familiengeschäfte übernehmen kann, wird zu einem historischen Besuch erwartet“, schrieb die Zeitung „Haaretz“ und stellte auch gleich klar, dass niemand große Erwartungen mit der Reise verbindet: „Seine Ansichten zählen ungefähr so viel wie die der Pandabären, die China an Zoos in der ganzen Welt verteilt, um diplomatische Beziehungen zu verbessern.“

Am Montagabend landete er auf dem Ben-Gurion-Flughafen, allein, ohne Frau, ohne Kinder. Er lief die Gangway hinunter und schüttelte Leuten die Hand, die unten auf ihn warteten, der ranghöchste unter ihnen war der israelische Tourismusminister. Auch das beschreibt gut die Bedeutung des Besuches und die Erwartungen daran. Für Israel ist es eine PR-Veranstaltung, die das Ansehen des Landes verbessern soll, für Großbritannien ein Eingeständnis der komplizierten Realitäten im Nahen Osten.

Noch nie zuvor war ein Mitglied des Königshauses offiziell in Israel. Prinz Charles kam zur Beerdigung von Jitzchak Rabin und Schimon Peres. Aber Beerdigungen zählen nicht. Und für Großbritannien, ehemalige Besatzungsmacht in Palästina, galt der Grundsatz: Ohne Fortschritte im Nahost-Friedensprozess wird Israel keine Visite abgestattet. Das ist seit Montag anders, ein bisschen anders. Denn bereits das Programm der Reise macht klar, dass es kein Liebesbesuch ist und Israel nur eine Station von vielen. Jordanien stand vor Israel auf der Tagesordnung, und auch Ramallah gehört dazu und die Altstadt von Jerusalem. „Besuch in den besetzten palästinensischen Gebieten“ heißt es dazu auf dem königlichen Reiseplan. Das ärgert die israelische Regierung, die Jerusalem als ihre Hauptstadt ansieht, mitsamt der Altstadt. Ein paar Minister kritisierten die Bezeichnung, in der Hoffnung, sie würde geändert werden. Ohne Erfolg. Nun taucht der Jerusalem-Besuch im israelischen Programm gar nicht mehr auf. Als würde er nicht stattfinden.

Was der Prinz von den diplomatischen Verwicklungen am Rande mitbekommt, ist schwer zu sagen. Ohne besondere Vorkommnisse absolvierte er sein Pflichtprogramm: Besuch der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, Treffen mit Premierminister Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin, Fußballspielen mit jüdischen und muslimischen Jugendlichen in Jaffa, Spaziergang mit der Gewinnerin des Eurovision Song Contests auf dem Rothschild-Boulevard.

In Yad Vashem erkundigte sich der Prinz, wie viele Juden in Auschwitz ermordet wurden und sprach mit Überlebenden. In Jaffa schlenderte er auf den Fußballplatz des Peres-Centers, im aufgeknöpftem Hemd und in blauen Nike-Turnschuhen. Anwohner hinterm Zaun riefen: „Prinz William, wir lieben dich.“ Ein Mann berichtete ihm von dem Förderprogramm, das Kinder aus sozial schwachen Familien von der Straße holen und die Feindschaft untereinander bekämpfen soll. Eine Frau, die früher als Beraterin für Schimon Peres arbeitete, erzählte, dass der Staatspräsident zu Williams Geburt einen Strampelanzug nach England schickte, auf dem stand: „From Israel with Love“. Aus Israel mit Liebe. Der Prinz guckte zu, wie Kinder aufs Tor schossen, klatschte, wenn sie trafen und auch, wenn sie nicht trafen. Dann schoss er selbst, so leicht, dass die Torhüter zwei von drei Schüssen hielten. Das freute den Prinzen. Er machte seine Sache gut, lächelte freundlich, fragte interessiert, und wenn es die Situation erforderte, zeigte er sich betroffen. Sehr hoheitlich, und ja, auch ein bisschen pandabärig.

Vom schwierigsten Moment des Besuchs bekam er jedenfalls nichts mit. Nebi Qena, Bürochef der Associated Press in Israel, wurde nach Angaben des israelischen Foreign Press Centers von den Sicherheitskräften des Premierministers so lange befragt, woher er stamme und ob er Muslim sei, bis eine Teilnahme am Termin mit Prinz William nicht mehr möglich war. Der in Albanien geborene Journalist arbeitet seit zehn Jahren für AP, seit drei Jahren ist er Israel-Korrespondent in Jerusalem. Er hatte eine Akkreditierung und war zweieinhalb Stunden vor Beginn vor Ort.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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