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Israel-Palästina-Konflikt Israels Polizei äußert sich zu Mord an Teenager

Israels Polizei spricht erstmals ausführlicher über den Mord an dem palästinensischen Teenager, der zur jüngsten Eskalation der Gewalt im Nahen Osten beigetragen hat. Derweil bittet der Generalsekretär der Arabischen Liga den UN-Sicherheitsrat um den Schutz der Palästinenser in Gaza.

14.07.2014 14:32
Das Haus dieser Frau wurde in einem israelischen Luftangriff zerstört. Die palästinensische Zivilbevölkerung braucht Hilfe. Foto: REUTERS

Israels Polizei hat sich erstmals ausführlicher zum Mord an dem palästinensischen Teenager Mohammed Abu Chedair geäußert. «Ein 29-Jähriger und zwei 17-Jährige haben den Mord umfassend gestanden», bestätigte Polizeisprecher Micky Rosenberg am Montag. Zuvor hatte die Justiz ihre Nachrichtensperre gelockert. Der 16-jährige Palästinenser war Anfang Juli in einem Wald bei Jerusalem tot aufgefunden worden. Es soll sich um einen Racheakt für die Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher durch radikale Palästinenser gehandelt haben. Der Mord an Abu Chedair hatte zur jüngsten Eskalation der Gewalt in Nahen Osten beigetragen.

Arabische Liga bittet Sicherheitsrat um Schutz der Palästinenser

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, hat den UN-Sicherheitsrat nach eigenen Angaben um den Schutz der Palästinenser in Gaza gebeten. Das teilte er am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Damit unterstützt die Liga ein Anliegen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon darum bitten wollte, «den Staat Palästina offiziell dem internationalen UN-Schutzprogramm zu unterstellen».

Die arabischen Außenminister wollten am Abend in Kairo zu einer Sondersitzung zur Gazakrise zusammenkommen.

Steinmeier auf Nahost-Reise

Nach einer Woche der Gewalt im Nahen Osten mit mindestens 173 Toten im Gazastreifen verstärken der Westen und die arabische Welt ihre diplomatischen Bemühungen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen auf. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) brach zu Gesprächen in die Region auf. In Kairo wollte am Montagabend die Arabische Liga zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, bat den UN-Sicherheitsrat vorab nach eigenen Angaben um den Schutz der Palästinenser in Gaza. Damit unterstützt die Liga ein Anliegen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der in einem Brief an Ban darum bitten wollte, «den Staat Palästina offiziell dem internationalen UN-Schutzprogramm zu unterstellen».

Die Zahl der Toten bei den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der militant-islamischen Hamas überstieg in der Nacht zum Montag bereits die Opferzahl des letzten großen Ausbruchs der Gewalt im November 2012. Damals waren der Menschenrechtsorganisation Betselem zufolge 167 Menschen ums Leben gekommen. Die israelische Armee schoss nach eigenen Angaben eine Drohne ab, die aus dem Gazastreifen in Richtung der Küstenstadt Aschdod gefeuert wurde.

Das unbemannte Fluggerät sei mit einer Rakete des Typs Patriot abgefangen und in der Luft zerstört worden, teilte die israelische Armee am Montag mit. Der israelische Militärsprecher Arye Shalicar sagte, es sei unklar, um welches Modell es sich bei der abgeschossenen Drohne handele - ein aus dem Iran eingeschmuggeltes Fluggerät oder eine Eigenproduktion der Hamas. Er bestätigte Befürchtungen, wonach die Hamas Fluggeräte mit Kameras ausrüsten oder mit Sprengstoff bestücken könnte.

Im Westjordanland nahm die israelische Armee in der Nacht zum Montag 23 Palästinenser fest, darunter elf Hamas-Abgeordnete. In der Nähe von Hebron wurde ein 21-jähriger Palästinenser erschossen.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

Viele Frauen und Kinder unter den Opfern

Von den seit Beginn der israelischen Militäroffensive getöteten Palästinensern sind ein knappes Drittel Frauen und Kinder. Dies geht aus einer Liste der Opfer hervor. Sie wurde am Montag von Aschraf al-Kidra veröffentlicht, dem Leiter der Rettungskräfte in Gaza. 1270 Menschen wurden bislang verletzt.

Seit Beginn der Offensive am letzten Dienstag haben militante Palästinenser nach Angaben der Armee knapp 1000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. 760 davon seien eingeschlagen, rund 200 habe die Raketenabwehr abgefangen, teilte das Militär am Montag mit. Die israelische Armee habe im ganzen Gazastreifen insgesamt 1470 Ziele angegriffen, davon etwa 210 Tunnel, 770 verborgene Raketenabschussrampen. Zudem seien Waffen- und Trainingslager bombardiert worden.

Angesichts der fortwährenden Kampfhandlungen rief UN-Generalsekretär Ban beide Seiten zur Mäßigung auf. Es liege im Interesse von Israelis und Palästinensern, umgehend Maßnahmen zu einem Ende der Kämpfe einzuleiten, statt weitere Schritte zu einer gefährlichen Eskalation zu unternehmen, hieß es in einer am Sonntagabend von den Vereinten Nationen in New York verbreiteten Mitteilung.

Ban verurteilte den fortgesetzten Raketenbeschuss Israels durch militante Palästinenser aus dem Gazastreifen heraus und forderte ein sofortiges Ende dieser «unanständigen Angriffe». Gleichzeitig äußerte sich der UN-Generalsekretär besorgt über die Auswirkungen der israelischen Militäraktionen.

Die erste Station auf der Nahost-Reise von Außenminister Steinmeier ist Jordanien. Am Dienstag reist er nach Israel und ins Westjordanland weiter. Dort sind unter anderem Treffen mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman und Abbas geplant. Die israelische Zeitung «Haaretz» berichtete, US-Außenminister John Kerry habe mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu telefoniert und ebenfalls eine Vermittlung angeboten. Die Bemühungen um einen dauerhaften Nahost-Frieden unter US-Vermittlung waren im April gescheitert. (dpa)

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