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Israel Ein "Prinz" wird neuer Generalstabschef

Aufatmen in Israels Armee: Die Turbulenzen um ihren Spitzenposten sind vorbei. Am Montag wurde Benny Ganz als neuer Generalstabschef vereidigt, pünktlich zum Ausscheiden seines Vorgängers Gabi Aschkenasi.

Generalmajor Benny Ganz (l) und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Foto: dpa

Damit ist ein glatter Wechsel in jener Führungsfunktion, die zu den wichtigsten im Staate Israel gerechnet wird, doch noch geglückt. Ganz selbstverständlich ist das nicht, nachdem Premier Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Ehud Barak ihren ursprünglichen Favoriten Joav Galant wegen dessen unsauberen Grundstücksgeschäften fallen lassen mussten.

Bei der Suche nach einem Ersatzmann fiel die Wahl ziemlich schnell auf Benny Ganz (51), der in seiner dreißigjährigen Militärlaufbahn bereits fünf Generalpositionen innehatte und 2009 zum Vizearmeechef avancierte. Ganz gilt als erfahren und zugleich als beliebt. Geachtet wird er nicht zuletzt, weil er sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt hat. In diverse Personalintrigen in den oberen Rängen der Armee war er jedenfalls nicht verwickelt. Entscheidende Voraussetzung, um das marode gewordene Verhältnis zwischen Generalstab und Verteidigungsministerium zu reparieren. Dass Aschkenasi und Barak absolut nicht miteinander konnten, war in Sicherheitskreisen schon ein Dauerthema geworden.

Benny Ganz, Spitzname: „der Prinz“ – nicht zuletzt wegen seiner hochgewachsenen Gestalt, soll jetzt den Neuanfang verbürgen. Leicht wird das nicht, zumal Barak, der einst selber die Armee führte, dazu neigt, sich als eine Art Supergeneralstabschef zu sehen. Aber das Kabinett hat einstimmig für Ganz votiert und Regierungschef Netanyahu nicht mit Vorschusslorbeeren gespart, als er ihn einen „exzellenten Kommandanten“ nannte, gerade den richtigen Mann, um in kritischen Zeiten wieder Stabilität in die Armee zu bringen.

Die Herausforderungen sind in der Tat enorm, angesichts der politischen Dynamik unter Israels Nachbarn. Der Umbruch in Ägypten, wachsende Unruhe in Jordanien, dazu der erstarkte Einfluss der pro-iranischen Hisbollah in Libanon, ein latent feindliches Syrien sind aus Sicht der Armee potenzielle Konfliktfelder. Nicht zu vergessen das Problem mit den Palästinensern, vor allem mit der Hamas in Gaza. Es reiche nicht mehr aus, das Militär kampfbereit zu halten, sagen Sicherheitsexperten. Die aktuelle Lage verlange ganz neues strategisches Denken.

Ganz, der bei den Fallschirmjägern begann, zeichnet sich da durch Vielseitigkeit aus. Er stand der Airforce-Eliteeinheit Schaldag vor, koordinierte im Jahr 2000 den Libanon-Abzug, wurde danach Befehlshaber über die Westbank-Division und anschließend über das Nordkommando. Außerdem diente er als Militärattache in der israelischen Botschaft in Washington und kann Studienabschlüsse in Politik und Geschichte nachweisen. Kurzum, Israels Generalstab hat jetzt einen durchaus politischen Kopf.

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