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"Islamischer Staat" IS Syrien warnt USA vor Angriffen

Die Regierung in Damaskus unterstützt den Kampf gegen IS-Milizen, doch Außenminister Waleed Muaellem warnt die USA auch: Luftschläge gegen Ziele in Syrien seien nicht akzeptabel. Syrische Oppositionelle die nicht zum IS zählen, hoffen dagegen auf ein Eingreifen der USA.

Der syrische Außenminister Waleed Muaellem warnt die USA vor Luftschlägen in Syrien. Foto: REUTERS

Zwar bringt der Siegeszug der radikalen Kämpfer vom „Islamischen Staat“ auch die Regierung in Damaskus in Bedrängnis. Gerade erst am Sonntag eroberten IS-Kämpfer die Luftwaffenbasis Takka und damit die letzte Basis der syrischen Regierung in der ansonsten vom IS beherrschten Provinz Rakka. Dabei sollen zahlreiche Soldaten der syrischen Armee geköpft und ihre Leichen anschließend öffentlich ausgestellt worden sein. Zudem konnten wohl IS-Kämpfer dabei auch weitere moderne Waffen erobern.

Dennoch scheint die Regierung in Damaskus darauf zu setzen, dass die Eroberungen des IS eine neue Dynamik in der Region ausgelöst haben, von der sie profitieren kann. So war dem syrischen Außenminister Waleed Muallem am gestrigen Montag deutlich der Triumph ins Gesicht geschrieben, als er gegen Mittag in Damaskus vor die Presse trat.

Es war die erste Stellungnahme aus dem inneren Kreis der syrischen Regierung seit Beginn des Erfolgszuges der syrischen Regierung vor zwei Monaten. Zwar war seine Miene ernst, doch das feine Lächeln im Mundwinkel war nicht zu übersehen. Muallem wandte sich mit einer doppelten Botschaft an die Weltöffentlichkeit. Einerseits warnte er die USA: Luftschläge gegen Ziele in Syrien seien nicht akzeptabel. Zwar unterstütze Damaskus den Kampf der USA gegen die Ausbreitung des IS. Dennoch seien Angriffe auf Ziele innerhalb Syriens tabu. Tatsächlich hoffen viele syrische Oppositionelle, die nicht zum IS zählen und diesen bekämpfen, darauf, dass die USA, nachdem sie im Irak Ziele des IS bombardierten, nun auch in Syrien eingreifen könnten.

Opposition fürchtet Allianz

Genährt wird diese Hoffnung auch von den Analysen vieler US-Zeitungen, die anlässlich des Jahrestages des Giftgasangriffes auf einen Vorort von Damaskus zu dem Fazit kommen, es sei ein Fehler gewesen, dass die USA damals nicht mit Luftschlägen gegen Stellungen der syrischen Armee reagierten. „Vielleicht ist der Schock über den IS-Vormarsch der Moment, an dem die Weltgemeinschaft und vor allem die USA sich zu einem Eingreifen durchringen“, so auch Dina Khatib von der Carnegie-Stiftung.

Darauf bezieht sich Muallem und er ließ keinen Zweifel daran, dass Syrien auf US-Angriffe auf sein Gebiet reagieren werde und Wege der Vergeltung fände. Doch er warnte nicht nur, er bot auch etwas an. Die syrische Regierung stehe voll hinter der Offensive gegen den IS im Irak und sei bereit mit regionalen und auch internationalen Mächten im Kampf gegen den Terror zusammenzuarbeiten. Eine solche Interessengemeinschaft aus Damaskus und Washington ist in den Augen der syrischen Opposition die größte Katastrophe, die sie sich vorstellen kann. Medienberichte, denen zufolge es bereits jetzt eine informelle Zusammenarbeit zwischen USA und syrischem Militär in der Bekämpfung von IS gibt, lassen sich allerdings bisher nicht bestätigen. Klar ist jedoch, dass es durch den Vormarsch des IS zu einer Neuordnung der Allianzen in der Region kommt.

So näherten sich beispielsweise die bisherigen Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien deutlich einander an, und auch zwischen Teheran und Washington gibt es verstärkte Kontakte. Teheran stellt sich ebenso wie die mit Iran verbündete Assad-Regierung als Partner im Kampf gegen die radikalen sunnitischen Extremisten und ihre brutalen Kampfverbände dar. Sie versuchen den USA die alte orientalische Weisheit nahezulegen: „Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde.“ Gelingt dies, bedeutet es vor allem eins: das Ende der syrischen Hoffnung auf Freiheit, Demokratisierung und auf eine Zukunft ohne Baschar al-Assad.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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