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IS-Terror Herr B., Terrorvermittler

In Bergisch Gladbach existierte eine kleine, aber aktive islamistische Parallelgesellschaft – bis der IS kam. Ein Vater sieht es als seine "religiöse Pflicht", seinen Sohn an die Terrormiliz zu vermitteln - und schickt ihn damit in den Tod.

23.11.2014 17:29
Von Detlef Schmalenberg
Hollywood-Logik: Coole Typen kümmern sich nicht um Druckwellen von Explosionen. IS-Kämpfer (kleine Silhouette rechts unten) offenbar auch nicht. Foto: AFP

Einer der neun mutmaßlichen Dschihad-Unterstützer, die vor zwei Wochen unter anderem in Köln und Umgebung verhaftet worden war, hat nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ offenbar sogar seinen eigenen Sohn in den Tod geschickt. Der junge Mann soll nach Erkenntnissen deutscher Ermittler mit hoher Wahrscheinlichkeit vor etwa zweieinhalb Monaten bei Kampfhandlungen in Syrien oder im Irak getötet worden sein.

Demnach hatte der gebürtige Pakistaner Mirza Tamoor B., der deutscher Staatsbürger ist und seit einigen Jahren in Bergisch Gladbach wohnt, seinen Sohn Jakub als Kämpfer an die Terrormilizen „Islamischer Staat“ (IS) und „Ahrar al-Shami“ vermittelt. Der 58-Jährige soll dem Vernehmen nach auch noch zwei weitere, mittlerweile getötete Männer dabei unterstützt haben, in den Terrorkampf zu ziehen.

Einen der beiden habe B. im Jahr 2013 dann sogar selbst nach Syrien gefahren, heißt es. Der andere habe monatelang in seinem Haus gelebt. Obwohl die deutschen Behörden seine Ausreise untersagt hatten, soll der junge Mann schließlich im Sommer 2013 von Brüssel aus in die Türkei geflogen sein.

60 deutsche Islamisten getötet

Spätestens bei seiner Einreise nach Syrien soll Tamoor B. dann die Kontakte zu den islamistischen Terroristen hergestellt haben. Später dann habe er die Todesnachricht den Eltern des Verstorbenen persönlich überbracht, die dem 58-Jährigen zuvor mehrfach mit Strafanzeigen gedroht haben sollen, wenn er ihren Sohn nicht in Ruhe ließe.

Zusätzlich zu den neun Verhaftungen hat die Polizei vor zwei Wochen die Wohnungen von weiteren 20 Verdächtigen durchsucht, die unter anderem durch Einbrüche in Kirchen und Schulen Geld für die selbst ernannten „Gotteskrieger“ beschafft haben sollen. Zu dem enttarnten Netzwerk um Mirza Tamoor B., der die Unterstützung der Terrorbrigaden als seine „religiöse Pflicht“ bezeichnet habe, gehörten insgesamt etwa 40 radikale Islamisten in Deutschland, berichtet das Magazin „Focus“.

Nach Schätzung des Bundeskriminalamtes sind bisher rund 550 Islamisten aus Deutschland zu den IS-Kämpfern hinzugestoßen. Mindestens 60 von ihnen sollen bereits getötet worden sein, darunter neun bei Selbstmordanschlägen, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen der „Welt am Sonntag“. Die Zahl der Rückkehrer schätzte der Präsident auf mindestens 180.

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